Königreich Westphalen Helm für Mannschaften des Gardes du Corps des Königs Jerome

Um 1812. Die hohe Helmglocke aus zwei Hälften blanken Stahl gefertigt. Großer Messingkamm mit ergänzter schwarzer Wollraupe, der Messingkamm vorne mit einer plastischen Löwenkopfverzierung, darunter das große Messingschild mit der gekrönten Chiffre "JN" für Jerôme Napoleon, die großen flachen Schuppenketten wurden in alter zeit ergänzt, unter den Rosetten sternförmige Verzierungen, an den Seiten darüber florale Messingverzierungen, auf der linken Seite in der Tülle mit weißem ergänzten Federbusch. Der Vorder- und Nackenschirm mit Messingschiene, der Nackenschirm mit schwarzem Leder gefüttert, der Vorderschirm mit grünem Leder. Innen mit dem originalen ledernem Schweißband und dem original Futter aus Sackleinen. 
Eine der beiden sternförmigen Verzierungen unter den Rosetten mit einer alten, kleinen Reparatur. Die Zunge des Lederriemens unter den Schuppenketten abgerissen aber beiliegend, somit vollständig. Trotz der kleinen Trage- und Alterungsspuren sowie der Ergänzungen ein Helm in sehr schönem Zustand. Zustand 2.

Das Königreich Westphalen wurde von Napoleon nach dem Frieden von Tilsit (1807) errichtet. König wurde sein jüngster Bruder Jérôme Bonaparte. Die Gardes du Corps wurden 1808 in der Stärke einer Escadron errichtet, ca. 100 Mann. Ihre Aufgabe war unter anderem die Bewachung des Königs. 1812 nahm die Einheit am Rußlandfeldzug teil, entging aber der Katastrophe, da sie den König weiterhin begleitete. Bekannt war die Einheit für ihre prächtige Ausstattung. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig lösten sich die Truppen des Königreichs Westphalen auf. Die Gardes du Corps jedoch begleiteten ihren König noch bis nach Köln, wo die Einheit dann jedoch aufgelöst wurde.

Ein äußerst seltenes Stück von historischer Bedeutung! Weltweit sind keine 10 Stücke mehr bekannt.

Eine Darstellung der Uniformen der Gardes du Corps des Königreichs Westphalen finden Sie hier:

https://www.dhm.de/datenbank/img.php?img=mgr04950&format=1

Beiliegend ein Ausdruck mit der Darstellung eines Offiziers der Gardes du Corps und ein Text über die Auflösung der Einheit in Köln 1813.


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Helm für Mannschaften der Gardes du Corps des Königs Jérôme – Königreich Westphalen

Unter den militärhistorischen Sammlungsstücken der napoleonischen Epoche gehören Objekte aus dem Königreich Westphalen zu den seltensten und faszinierendsten Zeugnissen einer kurzlebigen, aber bedeutsamen Staatsgründung. Der hier vorgestellte Helm für Mannschaften der Gardes du Corps des Königs Jérôme Bonaparte ist ein außergewöhnliches Beispiel für die prächtige Ausstattung dieser kleinen, aber prestigeträchtigen Leibgarde-Einheit.

Das Königreich Westphalen – Napoleons Modellstaat

Das Königreich Westphalen wurde von Napoleon im Jahr 1807 geschaffen, indem Gebiete zusammengelegt wurden, die das Königreich Preußen im Frieden von Tilsit abtreten musste. Dieser Klientelstaat Frankreichs auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands existierte von 1807 bis 1813. Obwohl formal unabhängig, wurde er von Napoleons jüngstem Bruder Jérôme Bonaparte regiert. Napoleon strebte danach, die westphälische Armee nach dem französischen System zu modellieren, und so entstand eine militärische Struktur, die französische Vorbilder übernahm, aber auch eigenständige Charakteristika entwickelte.

Die Gardes du Corps – Königliche Leibgarde

Im Jahr 1808 wurde die westphälische Garde aufgestellt. Sie umfasste ein Grenadier-Infanteriebataillon, ein Jäger-Infanteriebataillon, ein Chevauleger-Kavallerieregiment und eine Gardes du Corps-Kavallerieeskadron. Die Gardekavalleie bestand aus einer einzigen Eskadron von etwa 100 Mann Gardes du Corps. Ihre Hauptaufgabe war unter anderem die Bewachung des Königs.

Bemerkenswert ist, dass Napoleon selbst sich an der Einrichtung der Gardes du Corps störte, da er eine solche Einheit für seine Familie nicht als angemessen erachtete. Dennoch wurde die Einheit beibehalten und entwickelte sich zu einem Symbol des westphälischen Hofstaates.

Die Gardes du Corps trugen Uniformen, die denen der französischen Kürassiere ähnelten, unterschieden sich jedoch dadurch, dass sie mit Halbkürassen – also nur einer vorderen Brustplatte ohne Rückenplatte – und Raupenhelmen ausgestattet waren. Diese Kombination verlieh der Einheit ein einzigartiges und imposantes Erscheinungsbild.

Der Helm – Ein Raupenhelm der Gardes du Corps

Der vorliegende Helm ist ein Raupenhelm (Raupenhelm), wie er für die Gardes du Corps charakteristisch war. Die hohe Helmglocke besteht aus zwei Hälften blanken Stahls. Ein großer Messingkamm mit schwarzer Wollraupe krönt den Helm, wobei der Kamm vorne mit einer plastischen Löwenkopfverzierung versehen ist. Darunter befindet sich das große Messingschild mit der gekrönten Chiffre “JN” für Jérôme Napoleon – das zentrale Erkennungszeichen, das diesen Helm eindeutig dem westphälischen König zuordnet. Große flache Schuppenketten, sternförmige Verzierungen unter den Rosetten sowie florale Messingverzierungen an den Seiten ergänzen die reiche Ausstattung. Auf der linken Seite befindet sich eine Tülle für einen weißen Federbusch. Der Vorder- und Nackenschirm ist mit Messingschienen eingefasst, wobei der Nackenschirm mit schwarzem Leder und der Vorderschirm mit grünem Leder gefüttert ist. Im Inneren finden sich das originale lederne Schweißband und das Originalfutter aus Sackleinen.

Dass für Offiziere der Gardes du Corps separate, eigenständige Helmmodelle existierten, wird durch Quellen bestätigt, die einen Helm eines Offiziers der Garde du Corps, 1809–1813 gesondert erwähnen. Der vorliegende Helm ist explizit ein Mannschaftshelm.

Der Feldzug von 1812 und das Ende des Königreichs

Im Jahr 1812 war das Königreich Westphalen mit einem bedeutenden Truppenkontingent am Russlandfeldzug beteiligt. Zusammen mit dem V. Korps (Polen), dem VII. Korps (Sachsen) und dem IV. Kavalleriekorps wurde das westphälische VIII. Korps der 2. Unterstützungsarmee unter dem Kommando von Jérôme Bonaparte zugewiesen. Am 24. Juni 1812 bestand das Korps aus 15.885 Infanteristen in 18 Bataillonen, 2.050 Kavalleristen in 12 Schwadronen und 34 Geschützen. Nachdem Jérôme jedoch in einem Brief von seinem Bruder Napoleon harsch kritisiert worden war, legte er sein Kommando am 14. Juli nieder und kehrte in die Heimat zurück. König Jérôme verließ die Armee Mitte Juli und nahm die Garde du Corps mit zurück nach Kassel.

Die Katastrophe des Russlandfeldzugs traf die westphälischen Truppen verheerend: Von den anfänglich 25.000 Soldaten und 800 Offizieren des Königreichs Westphalen kehrten nur 600 Mann und 18 Offiziere zurück, während weitere 600 zu Russland überliefen.

Das endgültige Ende kam nach der Völkerschlacht bei Leipzig am 19. Oktober 1813. Am 26. Oktober besetzten preußische Truppen Westphalen. Das Königreich wurde aufgelöst und der Status quo von 1806 wiederhergestellt, mit Ausnahme der Grafschaften Rietberg und Stolberg-Wernigerode, die von Preußen annektiert wurden. Als das Königreich Westphalen im September 1813 sein Ende fand, wurde auch die Gardes du Corps-Eskadron aufgelöst.

Das Nachleben der Gardes du Corps

Ein faszinierendes Detail zur Überlieferungsgeschichte dieser Objekte: Es ist dokumentiert, dass im Kölner Karneval des 19. Jahrhunderts Gardes du Corps-Helme und -Kürasse zeitweise zur Kostümierung verwendet wurden. Diese sekundäre Nutzung als Karnevalsrequisite erklärt möglicherweise sowohl die Überlieferung einzelner Stücke als auch den Zustand mancher erhaltener Exemplare.

Eine künstlerische Darstellung König Jérômes in der Uniform seiner Gardes du Corps existiert in dem Gemälde von François Josèphe Kinson, das Jérôme in der Uniform seiner Garde du Corps im Park von Schloss Napoleonshöhe zeigt und auf 1809/10 datiert wird.

Dieser Helm stellt ein bemerkenswertes Zeugnis einer Epoche dar, in der Napoleon versuchte, ganz Europa nach französischem Vorbild umzugestalten – und in der selbst kurzlebige Staatsgründungen eine militärische Pracht entfalteten, die bis heute in einzelnen erhaltenen Objekten nachklingt.