Kriegsmarine - Fotoalbum eines Angehörigen des Linienschiff Schleswig-Holstein, Auslandsreise 1938/39

Brauner Einband, ca. 330 Fotos. Adolf Hitler und Erich Raeder an Bord, Kieler Hafen, Kanalfahrt, Abfahrt, auf hoher See, vor Vigo, Schloss Boyona, Stadt Funchal auf der Insel Madeira, Impfung gegen Malaria, Port de Grande, Hauptstadt Roseau von Dominica, Santiago de Cuba, Weihnachten 1938, Haiti, Ölübernahme, Stadt La Guaira in Venezuela, Schnelldampfer Columbus, Caracas, Schießübung, Azoren, Stierkämpfe, Neujahrfeier 1939, Heimkehr, U-12 beim Tauchen, Rügen. Gebrauchter Zustand.
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Kriegsmarine - Fotoalbum eines Angehörigen des Linienschiff Schleswig-Holstein, Auslandsreise 1938/39

Dieses Fotoalbum dokumentiert eine bedeutende Auslandsreise des Linienschiffs Schleswig-Holstein in den Jahren 1938/39 und bietet einen faszinierenden Einblick in die Kriegsmarine unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Mit etwa 330 Fotografien stellt es ein außergewöhnliches zeithistorisches Dokument dar, das sowohl den militärischen Alltag an Bord als auch die diplomatischen Funktionen deutscher Kriegsschiffe in der späten Vorkriegszeit widerspiegelt.

Die Schleswig-Holstein war ein Linienschiff der Deutschland-Klasse, das ursprünglich 1906 vom Stapel lief und nach dem Ersten Weltkrieg in der stark reduzierten Reichsmarine verblieb. In den 1930er Jahren diente das veraltete Schiff hauptsächlich als Schulschiff für die Ausbildung von Kadetten und Offizieren der Kriegsmarine. Unter dem Kommando von Großadmiral Erich Raeder, der von 1928 bis 1943 Oberbefehlshaber der Kriegsmarine war, unternahm das Schiff mehrere bedeutende Auslandsreisen, die sowohl Ausbildungszwecke als auch Repräsentationsaufgaben erfüllten.

Die im Album dokumentierte Reise 1938/39 war eine ausgedehnte Ausbildungsfahrt, die typisch für die Kriegsmarine dieser Ära war. Solche Reisen dienten mehreren Zwecken: Sie boten der Besatzung praktische Erfahrung in Navigation und Schiffsbetrieb unter verschiedenen Bedingungen, demonstrierten deutsche Seemacht im Ausland und ermöglichten diplomatische Kontakte in den angelaufenen Häfen. Die Anwesenheit von Adolf Hitler und Erich Raeder an Bord, wie im Album festgehalten, unterstreicht die propagandistische Bedeutung der Kriegsmarine im nationalsozialistischen Regime.

Die Route der Reise führte von Kiel durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute Nord-Ostsee-Kanal) in den Atlantik. Die Station in Vigo an der spanischen Nordwestküste war während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) von besonderer Bedeutung, da das Deutsche Reich die nationalistische Seite unter Franco unterstützte. Der Besuch in Funchal auf Madeira, einer portugiesischen Insel, war ein traditioneller Zwischenstopp für deutsche Kriegsschiffe auf dem Weg in die Karibik.

Besonders bemerkenswert ist die ausführliche Dokumentation der Karibik- und Mittelamerika-Stationen. Der Besuch in Santiago de Cuba, wo die Besatzung Weihnachten 1938 verbrachte, sowie die Stationen in Haiti, Dominica und Venezuela (La Guaira und Caracas) zeigen die globale Reichweite deutscher Marineoperationen. Die Ölübernahme in der Karibik dokumentiert die logistischen Herausforderungen solcher Fernreisen. Die Impfung gegen Malaria vor dem Besuch tropischer Häfen spiegelt die medizinischen Vorsichtsmaßnahmen wider, die für Besatzungen in exotischen Klimazonen erforderlich waren.

Die Begegnung mit dem Schnelldampfer Columbus, einem der größten deutschen Passagierschiffe der Zeit, illustriert die enge Verbindung zwischen Kriegsmarine und Handelsmarine. Solche Treffen auf hoher See waren nicht nur logistisch bedeutsam für Post- und Nachrichtenübermittlung, sondern auch symbolisch für die deutsche Präsenz auf den Weltmeeren.

Die Schießübungen während der Reise waren integraler Bestandteil des Ausbildungsprogramms. Obwohl die Schleswig-Holstein technisch veraltet war, diente sie als hervorragende Ausbildungsplattform für Geschützmannschaften. Die dokumentierten Stierkämpfe auf den Azoren und die Neujahrsfeier 1939 zeigen auch die kulturellen und sozialen Aspekte des Marinelebens während solcher ausgedehnten Fahrten.

Die Heimkehr und die Fotografien von U-12 beim Tauchen sowie Aufnahmen von Rügen dokumentieren die Rückkehr in deutsche Gewässer. U-12 war ein U-Boot des Typs II B, das 1935 in Dienst gestellt wurde – Teil der heimlichen Wiederaufrüstung der deutschen U-Boot-Waffe, die erst 1935 offiziell verkündet wurde.

Historisch besonders bedeutsam ist die Tatsache, dass die Schleswig-Holstein nur wenige Monate nach dieser Reise, am 1. September 1939, die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs abfeuern sollte. Ihr Bombardement der polnischen Militärposition auf der Westerplatte bei Danzig markierte den Beginn des deutschen Überfalls auf Polen. Dieses Fotoalbum dokumentiert damit die letzte Friedensreise eines Schiffes, das zum Symbol des Kriegsbeginns werden sollte.

Solche privaten Fotoalben von Marinesoldaten sind heute wertvolle historische Quellen. Sie bieten Einblicke in den Alltag, die Perspektiven und Erfahrungen einfacher Soldaten, die durch offizielle Dokumente nicht erfasst werden. Die etwa 330 Fotografien dieses Albums stellen ein umfassendes visuelles Archiv einer bedeutenden Epoche der deutschen Marinegeschichte dar und dokumentieren die letzten Monate vor dem Ausbruch des verheerenden Weltkriegs.