Oberfeldkommandantur 225 - Warschau-Ausweis für einen Hauptmann der Fp.-Nr. 40577 ( Zugwach-Kp.504 )

ausgestellt am 21.7.1944, gültig bis 31.7.1944; gebrauchter Zustand.
400387
120,00

Oberfeldkommandantur 225 - Warschau-Ausweis für einen Hauptmann der Fp.-Nr. 40577 ( Zugwach-Kp.504 )

Der vorliegende Ausweis der Oberfeldkommandantur 225 in Warschau stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument aus der deutschen Besatzungszeit Polens während des Zweiten Weltkriegs dar. Ausgestellt am 21. Juli 1944 und gültig bis zum 31. Juli 1944, dokumentiert dieses Ausweisdokument die militärische Verwaltungsstruktur in den besetzten Gebieten während einer der kritischsten Phasen der deutschen Besatzung Warschaus.

Die Oberfeldkommandanturen bildeten einen wesentlichen Bestandteil der deutschen Militärverwaltung in den besetzten Gebieten. Sie unterstanden den Befehlshabern der rückwärtigen Heeresgebiete und waren für die militärische Verwaltung, Sicherheit und Aufrechterhaltung der Ordnung in ihren jeweiligen Bezirken zuständig. Die Oberfeldkommandantur 225 war speziell für den Raum Warschau verantwortlich, eine der strategisch wichtigsten Positionen im besetzten Polen.

Der Ausweis wurde für einen Hauptmann der Feldpostnummer 40577 ausgestellt, die der Zugwach-Kompanie 504 zugeordnet war. Die Feldpostnummern dienten der Geheimhaltung von Truppenstandorten und ermöglichten gleichzeitig die Aufrechterhaltung der Postverbindungen. Jede Einheit erhielt eine eindeutige Nummer, die nur in speziellen Verzeichnissen entschlüsselt werden konnte. Die Zugwach-Kompanien waren Eisenbahnwacheinheiten, die für den Schutz und die Sicherung der Eisenbahnlinien und Transportwege zuständig waren – eine lebenswichtige Aufgabe in den besetzten Gebieten, wo Partisanenangriffe eine ständige Bedrohung darstellten.

Der zeitliche Kontext dieses Ausweises ist von besonderer historischer Bedeutung. Im Juli 1944 befand sich die deutsche Besatzung in einer verzweifelten Lage. Die Rote Armee rückte von Osten her rapide vor, und die Befreiung Warschaus stand unmittelbar bevor. Nur wenige Wochen nach der Ausstellung dieses Ausweises, am 1. August 1944, brach der Warschauer Aufstand aus, bei dem die polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) versuchte, die Stadt von der deutschen Besatzung zu befreien, bevor sowjetische Truppen eintrafen.

Die kurze Gültigkeitsdauer von nur zehn Tagen spiegelt die chaotischen Verhältnisse und die hohe Fluktuation des Personals in dieser Phase wider. Solche kurzfristigen Ausweise wurden häufig für temporäre Aufenthalte, spezielle Missionen oder Durchreisen ausgestellt. Sie ermöglichten es Offizieren und Soldaten, sich in den streng kontrollierten Besatzungsgebieten zu bewegen und ihre Identität sowie Berechtigung nachzuweisen.

Die Eisenbahnwacheinheiten spielten eine zentrale Rolle in der deutschen Besatzungsstrategie. Das besetzte Polen war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Nachschub an die Ostfront, und die Sicherung der Eisenbahnlinien hatte höchste Priorität. Partisanengruppen, insbesondere die Armia Krajowa, führten regelmäßig Sabotageakte gegen Eisenbahnanlagen durch, um den deutschen Nachschub zu stören. Die Zugwach-Kompanien mussten Brücken, Bahnhöfe, Gleisanlagen und Züge selbst bewachen und waren häufig in Gefechte mit Widerstandskämpfern verwickelt.

Die Struktur der deutschen Militärverwaltung in Warschau war komplex und vielschichtig. Neben den Feldkommandanturen existierten zahlreiche andere Behörden, darunter SS- und Polizeieinheiten, die Zivilverwaltung und verschiedene Wirtschaftsdienststellen. Diese parallelen Strukturen führten häufig zu Kompetenzstreitigkeiten, erschwerten aber auch für Historiker die Rekonstruktion der Befehlsketten und Verantwortlichkeiten.

Dokumente wie dieser Ausweis sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung. Sie ermöglichen es, die Organisationsstruktur der Besatzungsmacht nachzuvollziehen, Truppenbewegungen zu rekonstruieren und das Personal zu identifizieren. Der gebrauchte Zustand des vorliegenden Ausweises deutet darauf hin, dass er tatsächlich verwendet wurde und nicht nur ein unbenutztes Formular darstellt.

Für die historische Forschung zur deutschen Besatzung Polens, zur Organisation der Wehrmacht in den rückwärtigen Gebieten und zur Endphase des Zweiten Weltkriegs im Osten stellen solche Dokumente unverzichtbare Primärquellen dar. Sie ergänzen die offiziellen Akten und Berichte durch konkrete Einzelbelege und helfen, das Gesamtbild der militärischen Verwaltungsstrukturen zu vervollständigen. Im Kontext des Juli 1944 dokumentiert dieser Ausweis die letzten Wochen der deutschen Herrschaft über Warschau vor dem verheerenden Aufstand und der anschließenden Zerstörung der Stadt.