Preußen 1. Weltkrieg feldgrau Teller für die Pickelhaube für Mannschaften Infanterie bzw. Artillerie

Eisen feldgrau lackiert, um 1915, ohne Spitze. Zustand 2.
293487
50,00

Preußen 1. Weltkrieg feldgrau Teller für die Pickelhaube für Mannschaften Infanterie bzw. Artillerie

Die Pickelhaube, offiziell als Helm mit Spitze bezeichnet, gehört zu den ikonischsten militärischen Kopfbedeckungen der deutschen Geschichte. Das hier beschriebene Objekt ist ein feldgrauer Helmteller aus Eisen für Mannschaften der preußischen Infanterie oder Artillerie aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, gefertigt um 1915.

Die Pickelhaube wurde ursprünglich 1842 unter König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eingeführt und verbreitete sich rasch in den meisten deutschen Staaten sowie in zahlreichen anderen Ländern. Die ursprüngliche Konstruktion bestand aus gepresstem Leder, das auf einem Metallgerüst befestigt war. Die charakteristische Spitze sollte nicht nur einen imposanten Eindruck vermitteln, sondern auch Säbelhiebe ablenken.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde jedoch deutlich, dass die traditionellen Uniformen und Ausrüstungsgegenstände den Anforderungen der modernen Kriegsführung nicht mehr gewachsen waren. Die bunten Uniformen der Friedenszeit machten Soldaten zu leicht erkennbaren Zielen. Bereits in den ersten Kriegsmonaten begann daher die Umstellung auf feldgraue Uniformierung.

Der Helmteller, also die Grundplatte der Pickelhaube, erfuhr im Laufe des Krieges mehrere bedeutende Änderungen. Um 1915, der Entstehungszeit des vorliegenden Objekts, wurden zunehmend Ersatzmaterialien verwendet. Während frühe Kriegsmodelle noch aus Leder gefertigt wurden, ging man aufgrund von Materialknappheit zu Eisenblech über, das feldgrau lackiert wurde. Diese Maßnahme diente sowohl der Materialeinsparung als auch der besseren Tarnung im Feld.

Die Mannschaftsausführung unterschied sich deutlich von den aufwendiger gestalteten Helmen für Offiziere. Während Offiziere oft Helme mit Metallbeschlägen, vergoldeten oder versilberten Elementen und hochwertigen Kokarden trugen, waren die Mannschaftshelme wesentlich schlichter gestaltet. Der feldgraue Anstrich überdeckte alle zuvor glänzenden Metallteile, um Reflexionen zu vermeiden.

Für Infanterie und Artillerie waren die Helmteller grundsätzlich gleich gestaltet, wobei die Unterscheidung hauptsächlich durch die aufgesetzten Wappen und Kokarden erfolgte. Infanteristen trugen typischerweise den preußischen Adler auf der Vorderseite, während die Artillerie ihre eigenen spezifischen Abzeichen führte.

Die Spitze, die bei diesem Exemplar fehlt, war ursprünglich fest mit dem Helm verbunden. Im Kriegsverlauf wurden die Spitzen jedoch häufig entfernt oder durch flachere, weniger auffällige Varianten ersetzt. Ab 1915 wurden zunehmend Spitzen mit Überzügen oder gänzlich abnehmbare Konstruktionen eingeführt. Viele Soldaten entfernten die Spitzen eigenmächtig, da diese im Grabenkrieg unpraktisch waren und zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Der Grabenkrieg an der Westfront demonstrierte schließlich die völlige Unzulänglichkeit der Pickelhaube als Schutzhelm. Das Material bot keinen ausreichenden Schutz gegen Granatsplitter und Schrapnells. Dies führte 1916 zur Einführung des Stahlhelms M1916, der die Pickelhaube an der Front ablöste. Die Pickelhaube blieb jedoch noch bis Kriegsende bei Heimattruppen, in der Etappe und bei Verwaltungseinheiten in Gebrauch.

Das vorliegende Objekt repräsentiert somit eine wichtige Übergangsphase in der deutschen Militärgeschichte. Die feldgraue Lackierung und die Eisenkonstruktion zeigen die Anpassungsversuche an moderne Kriegsbedingungen, während die grundsätzliche Beibehaltung der traditionellen Helmform den Konservatismus der preußischen Militärverwaltung widerspiegelt.

Nach dem Krieg verschwand die Pickelhaube weitgehend aus dem militärischen Gebrauch, blieb aber bei Polizeieinheiten teilweise bis in die 1930er Jahre erhalten. Heute sind Pickelhauben begehrte Sammlerstücke, wobei Kriegsmodelle aus Ersatzmaterialien wie das vorliegende Exemplar historisch besonders interessant sind, da sie die materiellen Zwänge und Improvisationen der Kriegswirtschaft dokumentieren.