Preußen Schirmmütze für einen Reserveoffizier in einem Jäger-Bataillon
Diese preußische Schirmmütze für Reserveoffiziere eines Jäger-Bataillons aus der Zeit um 1910 repräsentiert eine faszinierende Epoche der deutschen Militärgeschichte kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die Kopfbedeckung verkörpert die komplexe Struktur des preußischen Reserveoffizierskorps und die traditionsreiche Geschichte der Jägertruppen innerhalb des kaiserlichen Heeres.
Das Jäger-Bataillon hatte seine Wurzeln in einer jahrhundertealten militärischen Tradition. Diese Einheiten bestanden größtenteils aus Männern, die als Jäger ausgebildet waren, mit Gewehren bewaffnet wurden und traditionell für die Aufklärung vor dem Haupttruppenverband, die Bildung von Nachhuten und die Fernhaltung feindlicher leichter Truppen eingesetzt wurden. Im Gegensatz zur regulären Infanterie, die dunkelblaue Uniformen und Pickelhauben trug, zeichneten sich die deutschen Jäger-Einheiten durch ihre dunkelgrünen Uniformröcke und Tschakos im Friedensdienst aus. Die charakteristische grüne Stofffarbe der Jäger-Bataillone war auch an den Schirmmützen erkennbar und wurde ähnlich bei anderen leichten Infanterieeinheiten verwendet.
Die Friedensarmee Preußens umfasste ein Garde-Jäger-Bataillon der kaiserlichen Garde sowie zwölf Jäger-Bataillone der Linie, einschließlich Einheiten aus Mecklenburg und Schaumburg-Lippe. Bei der Mobilmachung im August 1914 stellte jedes preußische Jäger-Bataillon ein Reserve-Jäger-Bataillon auf. Im September 1914 wurden weitere zwölf Reserve-Jäger-Bataillone aufgestellt, zehn preußische und zwei sächsische.
Die spezielle Kennzeichnung dieser Schirmmütze als Kopfbedeckung eines Reserveoffiziers wird durch die preußische Kokarde mit dem Landwehrkreuz deutlich. Diese Besonderheit wurde durch Erlass vom 22. März 1897 eingeführt und markiert das früheste Datum, zu dem diese Mützenkonfiguration hergestellt werden konnte. Das Landwehrkreuz trug die Inschrift “Mit Gott für König und Vaterland 1813” und ging auf das Motto Friedrich Wilhelms III. zurück, das 1813 während der Napoleonischen Kriege eingeführt wurde. Eine Verordnung vom 17. Februar 1869 bestimmte erstmals, dass ein Landwehrkreuz auf der Kopfbedeckung von Reserveoffizieren angebracht werden sollte.
Die Reichskokarde, die oberhalb der preußischen Kokarde angebracht war, wurde ebenfalls durch Erlass vom 22. März 1897 eingeführt. Diese Kombination beider Kokarden in Offiziersausführung machte die Schirmmütze zu einem eindeutigen Rangabzeichen. Die preußische Kokarde des Reserveoffiziers bestand aus konzentrischen Ringen in Schwarz-Weiß-Schwarz mit einem geprägten gelben Metalllandwehrkreuz in der Mitte.
Der Weg zum Reserveoffizier war genau geregelt: Männer leisteten ab dem 20. Lebensjahr zwei Jahre aktiven Dienst, danach fünf Jahre Reservedienst und anschließend fünf Jahre beim ersten Aufgebot der Landwehr. Reserveoffiziere wurden aus ehemaligen aktiven Offizieren oder aus Einjährig-Freiwilligen ausgewählt, die theoretische und praktische Prüfungen bestanden und dann zwei achtwöchige Ausbildungskurse absolviert hatten. Diese Einjährig-Freiwilligen, auch als “Offiziersaspiranten” bekannt, stammten typischerweise aus gebildeten bürgerlichen Kreisen und mussten sich während ihres Militärdienstes selbst ausrüsten und unterhalten. Offiziere kauften ihre eigenen Mützen privat, entweder bei militärischen Bekleidungsdepots oder bei privaten Herstellern.
Die Schirmmütze wurde von Reserveoffizieren der Jäger-Bataillone von etwa 1897 bis 1918 als Teil der Dienstuniform sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten getragen. Während der frühen Phase des Ersten Weltkriegs behielten die deutschen Jäger ihre traditionelle Rolle als Plänkler und Späher bei. Mit dem Aufkommen des Stellungskrieges wurden sie jedoch zu gewöhnlichen Infanterieaufgaben herangezogen und verloren ihren Status als unabhängige Einheiten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 und der Auflösung des Deutschen Kaiserreichs wurde die kaiserlich-deutsche Armee aufgelöst. Das preußische Militärsystem, einschließlich der Struktur der Reserveoffiziere und der charakteristischen Jäger-Bataillone, hörte auf zu existieren. Solche Schirmmützen wurden zu militärischen Sammlerstücken und historischen Artefakten. Viele Exemplare haben in Museen und Privatsammlungen bis heute überlebt.