Reichsstand des Deutschen Handwerks

Amtsabzeichen ( goldenes Mittelteil ), als Knopflochausführung, Hersteller "A", Zustand 2.
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€ 75,00

Reichsstand des Deutschen Handwerks

Das Amtsabzeichen des Reichsstands des Deutschen Handwerks repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Arbeits- und Wirtschaftsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Reichsstand des Deutschen Handwerks wurde am 16. August 1933 als Zwangsorganisation gegründet und bildete einen integralen Bestandteil der nationalsozialistischen Wirtschaftsordnung.

Nach der Machtergreifung 1933 erfolgte die Gleichschaltung aller handwerklichen Organisationen unter dem Dach des Reichsstands. Diese Organisation unterstand dem Reichswirtschaftsministerium und diente der totalen Kontrolle und Lenkung des deutschen Handwerks im Sinne der NS-Ideologie. Der erste Reichshandwerksmeister war Otto Wagener, gefolgt von Wilhelm Meinberg ab 1934, der die Organisation bis zum Ende des Krieges leitete.

Die hier beschriebene Knopflochausführung mit goldenem Mittelteil stellt ein typisches Amtsabzeichen dar, wie es von Funktionären und Amtsträgern innerhalb der Organisation getragen wurde. Die Kennzeichnung mit dem Hersteller “A” deutet auf eine reguläre Produktion durch einen zugelassenen Hersteller hin. Während der NS-Zeit wurden Abzeichen und Insignien streng nach festgelegten Richtlinien produziert und vergeben.

Der Reichsstand des Deutschen Handwerks gliederte sich in verschiedene Hierarchieebenen: Von der Reichsebene über die Landeshandwerkämter bis zu den örtlichen Kreishandwerkerschaften. Jede Ebene hatte ihre eigenen Funktionäre, die durch entsprechende Abzeichen ihre Position kennzeichneten. Die Knopflochausführung ermöglichte das dezente Tragen an der Zivilkleidung, was die ständige Präsenz der Organisation im Alltag verdeutlichte.

Die Organisation umfasste bis 1939 etwa 1,5 Millionen Handwerksbetriebe mit circa 5,5 Millionen Beschäftigten. Der Reichsstand kontrollierte die Meisterprüfungen, regelte die Lehrlingsausbildung und hatte erheblichen Einfluss auf die Vergabe von Aufträgen. Die Handwerksordnung von 1934 bildete die rechtliche Grundlage und führte den sogenannten “Großen Befähigungsnachweis” ein, der die Meisterpflicht für viele Handwerksberufe festschrieb.

Amtsabzeichen wie das beschriebene Exemplar dienten mehreren Zwecken: Sie legitimierten den Träger in seiner Funktion, schufen eine visuelle Hierarchie innerhalb der Organisation und trugen zur Selbstdarstellung des NS-Regimes bei. Die Verwendung von Gold im Mittelteil weist auf eine höhere Position innerhalb der Organisationshierarchie hin.

Die handwerkliche Qualität solcher Abzeichen war generell hoch, da sie von spezialisierten Herstellern gefertigt wurden, die oft selbst dem Handwerk angehörten. Die Vergabe erfolgte nicht willkürlich, sondern war an konkrete Funktionen gebunden. Das Tragen nicht autorisierter Abzeichen konnte strafrechtliche Konsequenzen haben.

Nach 1945 wurde der Reichsstand des Deutschen Handwerks aufgelöst und durch demokratische Handwerksorganisationen ersetzt. Die Alliierten verboten alle NS-Organisationen und deren Symbolik. In der Bundesrepublik Deutschland entstand ein neues, demokratisch strukturiertes Handwerkssystem mit den Handwerkskammern als Selbstverwaltungskörperschaften.

Aus historischer Perspektive sind solche Amtsabzeichen heute wichtige Zeitdokumente, die Einblick in die Organisationsstrukturen und die visuelle Kultur des NS-Regimes geben. Sie verdeutlichen, wie das Regime alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens durchdrang und kontrollierte. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Epoche sind solche Objekte von erheblichem dokumentarischem Wert.

Der Erhaltungszustand solcher historischer Objekte variiert stark. Die Bezeichnung “Zustand 2” in der Sammlernomenklatur deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren hin. Viele dieser Abzeichen wurden nach Kriegsende vernichtet oder gingen verloren, was erhaltene Exemplare zu seltenen historischen Zeugnissen macht.