SS Porzellanmanufaktur Allach - Foxl, stehend
Die Porzellan-Manufaktur Allach stellt einen der komplexesten und kontroversesten Aspekte der nationalsozialistischen Kulturpolitik und Wirtschaftsorganisation dar. Die 1935 von Franz Nagy gegründete Manufaktur wurde 1936 von der SS übernommen und in die wirtschaftlichen Unternehmungen des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes eingegliedert.
Das Modell “Foxl” (auch Fox oder Fuchs genannt) wurde von dem renommierten Bildhauer Professor Theodor Kärner entworfen, der zu den bedeutendsten Künstlern gehörte, die für Allach arbeiteten. Kärner, geboren 1885, war ein etablierter Tierbildhauer, der bereits vor seiner Zusammenarbeit mit Allach nationale Anerkennung genossen hatte. Seine Tierfiguren, insbesondere seine Darstellungen von Füchsen, Rehen und anderen heimischen Wildtieren, zeichneten sich durch naturalistische Detailtreue und handwerkliche Präzision aus.
Die Manufaktur produzierte zwischen 1936 und 1945 ein breites Spektrum von Porzellanerzeugnissen. Neben ideologisch aufgeladenen Objekten wie SS-Ehrengeschenken und Julleuchtern stellte Allach auch eine umfangreiche Serie von Tierfiguren her, die sich an traditionellen Meißener Vorbildern orientierten. Diese Tierfiguren wurden sowohl für den freien Verkauf als auch als repräsentative Geschenke innerhalb der SS-Hierarchie produziert.
Das Modell Nr. 19, der stehende Fuchs, gehört zu den charakteristischen Tierdarstellungen der Manufaktur. Die Figur wurde in verschiedenen Größen und Ausführungen hergestellt, wobei die weiße glasierte Version als die klassische Variante gilt. Die technische Qualität dieser Porzellanarbeiten war bemerkenswert hoch, was sowohl der Expertise der angeworbenen Fachkräfte als auch der Verfügbarkeit von Ressourcen durch die SS-Organisation geschuldet war.
Die Produktionsstätte befand sich zunächst in München-Allach, später wurde 1940 ein zweites Werk in Dachau eröffnet, das in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager lag. Diese Verbindung zur SS-Zwangsarbeitswirtschaft wirft einen dunklen Schatten auf alle Erzeugnisse der Manufaktur. Während einige Bereiche der Produktion mit qualifizierten Facharbeitern besetzt waren, wurden in anderen Produktionsbereichen KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt.
Jedes Stück der Manufaktur Allach wurde mit spezifischen Markierungen versehen. Die Bodenmarke bestand typischerweise aus den verschlungenen Runen der SS, dem Schriftzug “Allach” sowie einer Modellnummer. Bei Künstlerstücken wie den Kärner-Figuren wurde häufig auch der Name oder das Monogramm des Künstlers hinzugefügt. Diese Markierungen ermöglichen heute die eindeutige Identifizierung und Datierung der Stücke.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Manufaktur unter amerikanische Kontrolle gestellt und 1948 geschlossen. Die Formen und Werkzeuge wurden teilweise vernichtet, teilweise beschlagnahmt. Dies macht originale Allach-Porzellane heute zu historischen Dokumenten einer problematischen Epoche.
Der sammlungshistorische und rechtliche Kontext dieser Objekte ist komplex. In Deutschland unterliegen Gegenstände mit SS-Symbolen den Bestimmungen des §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen), wobei Ausnahmen für Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre gelten. Museen und seriöse Sammler behandeln diese Objekte als Zeugnisse der Geschichte, nicht als Verherrlichung der Ideologie.
Die kunsthandwerkliche Qualität der Allach-Porzellane war unbestritten hoch. Theodor Kärners Tierdarstellungen zeigen meisterhafte Beobachtungsgabe und technisches Können. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass diese Objekte im Kontext einer verbrecherischen Organisation entstanden sind. Historiker und Museumsfachleute betonen daher die Notwendigkeit, solche Objekte stets in ihrem historischen Kontext zu präsentieren und zu interpretieren.
Für die wissenschaftliche Forschung bieten diese Porzellane Einblicke in die Ästhetik, Symbolik und Wirtschaftsorganisation des NS-Regimes. Sie dokumentieren den Versuch der SS, sich als kulturelle und wirtschaftliche Elite zu etablieren, sowie die Instrumentalisierung von Kunsthandwerk für ideologische und repräsentative Zwecke.