Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Königlich Preußischen Kürassier-Rgt. von Seydlitz (Magdeburg.) Nr. 7"

Durchmesser ca. 25 cm, blaues Dekor unter Glasur, im Zentrum die gekrönte Regimentschiffre in Gold, im Lorbeerkranz die Schlachten von "Mars la Tour" bis "Flandern", rückseitig mit Schwertermarke und Nummer, mit der original Aufhängung. Ungeschädigt, Zustand 2+.
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600,00

Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Königlich Preußischen Kürassier-Rgt. von Seydlitz (Magdeburg.) Nr. 7"

Die vorliegende Ehrenschale aus Meißner Porzellan des Königlich Preußischen Kürassier-Regiments von Seydlitz (Magdeburg) Nr. 7 repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der preußisch-deutschen Militärtradition des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Solche Ehrenschalen waren nicht nur dekorative Objekte, sondern dienten als wichtige Erinnerungsstücke und Symbole der Regimentsehre.

Das Kürassier-Regiment von Seydlitz Nr. 7 war eines der traditionsreichsten Kavallerie-Regimenter der preußischen Armee. Seinen Namen erhielt es nach dem legendären Kavalleriegeneral Friedrich Wilhelm von Seydlitz (1721-1773), der unter Friedrich dem Großen diente und als einer der brillantesten Kavallerie-Kommandeure seiner Zeit galt. Die Garnison des Regiments befand sich in Magdeburg, einer bedeutenden preußischen Festungsstadt.

Die auf der Schale verewigten Schlachten zeugen von der ruhmreichen Vergangenheit des Regiments. Die Schlacht von Mars-la-Tour am 16. August 1870 war eine der blutigsten Reiterschlachten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. In dieser Schlacht spielten die preußischen Kürassiere eine entscheidende Rolle bei den massiven Kavallerie-Angriffen, die zum taktischen Erfolg führten, wenn auch unter hohen Verlusten. Die weiteren auf der Schale genannten Schlachten bis hin zu Flandern verweisen auf die Teilnahme des Regiments am Ersten Weltkrieg, wo es in den schweren Kämpfen in Belgien und Nordfrankreich eingesetzt wurde.

Die Manufaktur Meißen, gegründet 1710, war die erste europäische Porzellanmanufaktur und genoss höchstes Ansehen. Die Verwendung von Meißner Porzellan für militärische Ehrengaben unterstreicht die Bedeutung solcher Stücke. Die charakteristische Schwertermarke auf der Rückseite ist das Qualitätssiegel der Manufaktur und wurde seit 1722 verwendet. Das blaue Dekor unter Glasur war eine traditionelle Meißner Technik, die für ihre Beständigkeit und Farbbrillanz bekannt war.

Die gekrönte Regimentsziffer im Zentrum der Schale, ausgeführt in Gold, symbolisiert die königliche Patronage und die enge Verbindung zur preußischen Monarchie. Der Lorbeerkranz, ein klassisches Symbol militärischer Ehre und Sieges seit der Antike, rahmt die Auflistung der Schlachten ein und verleiht der Darstellung zusätzliche Würde.

Solche Ehrenschalen wurden typischerweise zu verschiedenen Anlässen verliehen oder angefertigt: als Abschiedsgeschenke für verdiente Offiziere, zur Erinnerung an bedeutende Jubiläen des Regiments, oder als Auszeichnung für besondere Leistungen. Sie wurden in Offizierskasinos, Regimentsmuseen oder in den Privaträumen verdienter Militärangehöriger ausgestellt. Die originale Aufhängung deutet darauf hin, dass die Schale zur Wandmontage konzipiert war, was für solche repräsentativen Stücke üblich war.

Die Zeit nach der Reichsgründung 1871 war geprägt von einer intensiven Pflege militärischer Traditionen. Die preußischen Kürassier-Regimenter, erkennbar an ihren charakteristischen Kürassen (Brustharnischen) und Helmen mit Adlerverzierung, galten als Elite der Kavallerie. Trotz der zunehmenden Mechanisierung der Kriegsführung behielten diese Regimenter ihre traditionelle Identität bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der kaiserlichen Armee 1919 durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags gewannen solche Erinnerungsstücke noch größere Bedeutung. Sie wurden zu Trägern der Erinnerung an eine untergegangene militärische Welt. Veteranenverbände und ehemalige Regimentsangehörige pflegten diese Traditionen in der Weimarer Republik weiter.

Die hervorragende Erhaltung dieser Schale im Zustand 2+ spricht für die sorgfältige Aufbewahrung über Jahrzehnte hinweg. Der unbeschädigte Zustand ist bei solchen Objekten selten, da Porzellan naturgemäß fragil ist und die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts viele militärische Erinnerungsstücke zerstört oder verschollen haben.

Heute sind solche Ehrenschalen wichtige Zeugnisse der preußisch-deutschen Militärgeschichte und der kunsthandwerklichen Tradition der Manufaktur Meißen. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte einzelner Regimenter, sondern auch die Selbstdarstellung und Erinnerungskultur des kaiserlichen deutschen Militärs. Als Sammlerobjekte verbinden sie militärhistorisches Interesse mit der Wertschätzung für hochwertiges Kunsthandwerk.