Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

7,5 cm, Zustand 2.
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25,00

Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

Elastolin Heer-Offiziere im Marsch: Militärspielzeug als historisches Dokument

Die vorliegenden Elastolin-Figuren zweier marschierender Heeresoffiziere mit einer Größe von 7,5 cm repräsentieren ein bedeutendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und bieten zugleich Einblicke in die militärische Kultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg begann 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren und entwickelte ab 1926 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Zusätzen, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Diese Innovation ermöglichte eine detailliertere und haltbarere Gestaltung als herkömmliche Massefiguren und machte die Marke zum führenden deutschen Hersteller von Militärspielzeug.

Die Darstellung von Offizieren im Marsch war ein klassisches Motiv der Elastolin-Produktion, besonders in den 1930er und frühen 1940er Jahren. Die 7,5-cm-Serie bildete das Standardformat des Unternehmens und war sowohl bei Kindern als auch bei Sammlern äußerst beliebt. Die Figuren zeigten typischerweise Offiziere der Wehrmacht in verschiedenen Uniformvarianten, mit charakteristischen Details wie Schirmmützen, Stiefeln, Koppelschlössern und gelegentlich Ferngläsern oder Kartentaschen.

Die militärische Ikonographie dieser Spielzeugfiguren spiegelte die gesellschaftliche Realität der Zeit wider. In der Weimarer Republik und besonders während des Nationalsozialismus war die Darstellung militärischer Macht und Disziplin allgegenwärtig. Die Elastolin-Figuren dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der subtilen Vermittlung militärischer Werte und der Normalisierung des Militärischen im Alltag.

Die handwerkliche Qualität der Elastolin-Produkte war bemerkenswert. Jede Figur wurde von Formern und Malern in Handarbeit gefertigt, wobei besonderer Wert auf authentische Uniformdetails gelegt wurde. Die Farbgebung orientierte sich an den tatsächlichen Uniformvorschriften der Wehrmacht, die Körperhaltungen waren naturalistisch und vermittelten Dynamik und militärische Straffheit.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe knapp wurden und die Fabrik teilweise auf Rüstungsproduktion umgestellt werden musste. Nach 1945 stand Elastolin vor der Herausforderung der Entnazifizierung. Viele Formen mit explizit nationalsozialistischer Symbolik wurden vernichtet, doch die Produktion von Soldatenfiguren wurde mit modifizierten Designs fortgesetzt.

Der Sammlerwert von Elastolin-Figuren ist heute erheblich und hängt von mehreren Faktoren ab: Seltenheit der Pose, Erhaltungszustand, Vollständigkeit der Bemalung und historische Bedeutung. Der angegebene Zustand 2 deutet auf sehr gut erhaltene Stücke mit nur minimalen Gebrauchsspuren hin, was bei Elastolin-Figuren aufgrund des empfindlichen Materials selten ist.

Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Spielzeugfiguren die Militarisierung der deutschen Gesellschaft vor und während des Zweiten Weltkriegs. Sie zeigen, wie militärische Ästhetik und Hierarchien bereits im Kinderzimmer präsent waren. Gleichzeitig sind sie Zeugnisse herausragender handwerklicher Tradition und der Geschichte der deutschen Spielzeugindustrie, die in Nürnberg und Umgebung jahrhundertelang florierte.

Heute werden Elastolin-Figuren nicht nur von Militaria-Sammlern, sondern auch von Kulturhistorikern geschätzt, die in ihnen wichtige Quellen zur Mentalitätsgeschichte erkennen. Sie illustrieren die komplexen Beziehungen zwischen Spielzeug, Propaganda und gesellschaftlicher Normalisierung militärischer Strukturen in einer der dunkelsten Perioden deutscher Geschichte.