Elastolin - Heer Tambourmajor marschierend

7,5 cm, Zustand 2.
311588
30,00

Elastolin - Heer Tambourmajor marschierend

Die Elastolin-Figur eines marschierenden Heer-Tamboursmajorstellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugherstellung und Militärkultur des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts dar. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zu den klassischen Elastolin-Produktionen, die von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden.

Die Firma Hausser begann um 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren und entwickelte um 1926 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und weiteren Zusätzen, die auf einem Drahtskelett modelliert wurde. Diese Innovation ermöglichte die Herstellung detaillierter, relativ bruchfester Figuren, die die traditionellen Bleisoldaten zunehmend ergänzten und teilweise ersetzten. Die Elastolin-Figuren zeichneten sich durch ihre naturgetreue Bemalung und präzise Darstellung militärischer Details aus.

Der Tambourmajor (auch Tambourmajor geschrieben) nimmt in der militärischen Hierarchie eine besondere Stellung ein. Diese Funktion entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert, als die Militärmusik eine zunehmend wichtige Rolle in der Truppenführung und Repräsentation übernahm. Der Tambourmajor führte die Musikkapelle eines Regiments an und war für die musikalische Ausbildung sowie die Disziplin der Musiker verantwortlich. Seine herausgehobene Stellung manifestierte sich in einer besonders prächtigen Uniform und dem charakteristischen Tambourstab, einem verzierten Stab, den er bei Paraden und Märschen führte.

In der deutschen Heeresuniform der Weimarer Republik und des frühen Dritten Reiches trug der Tambourmajor eine spezielle Paradeuniformen mit besonderen Abzeichen und Verzierungen. Die Uniform unterschied sich von der regulären Mannschaftsuniform durch zusätzliche Tressen, Borten und oft durch farbige Kordeln, die über die Schultern verliefen. Diese Distinktionsmerkmale waren in den Heeresdienstvorschriften genau festgelegt und variierten je nach Regiment und Waffengattung.

Die Elastolin-Produktion von Militärfiguren erlebte ihre Blütezeit in den 1930er und frühen 1940er Jahren. Die Firma Hausser stellte umfangreiche Serien von Soldaten verschiedener Einheiten und Epochen her, wobei die zeitgenössischen deutschen Wehrmachtsfiguren besonders beliebt waren. Die 7,5-cm-Serie war eines der Standardformate und bot eine gute Balance zwischen Detail und Spielbarkeit. Diese Figuren wurden einzeln und in Sets verkauft und waren bei Sammlern und Kindern gleichermaßen beliebt.

Die Darstellung eines marschierenden Tamboursmajorstellt spiegelt die militärische Ästhetik und die Bedeutung der zeremoniellen Aspekte des Militärwesens wider. Paraden und Aufmärsche waren integrale Bestandteile der militärischen Kultur, und der Tambourmajor war bei solchen Anlässen stets eine zentrale Figur. Seine Aufgabe bestand nicht nur in der musikalischen Leitung, sondern auch in der visuellen Repräsentation militärischer Ordnung und Disziplin.

Die Produktion bei Hausser erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst wurde ein Drahtskelett geformt, das dann mit der Elastolin-Masse umgeben wurde. Nach dem Trocknen erfolgte die Bemalung von Hand, wobei erfahrene Maler die Details der Uniformen und Ausrüstungsgegenstände präzise ausführten. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionszeitpunkt und Preisklasse der Figur.

Der Zustand 2 in der Sammlerbewertung deutet auf eine sehr gut erhaltene Figur mit minimalen Gebrauchsspuren hin. Das Bewertungssystem für Elastolin-Figuren reicht typischerweise von Zustand 1 (neuwertig) bis Zustand 5 (stark beschädigt). Bei einer Figur in Zustand 2 sind die Bemalung weitgehend intakt, möglicherweise mit leichten Abnutzungserscheinungen, und die Elastolin-Masse weist keine größeren Beschädigungen auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Firma Hausser zunächst weiterhin Elastolin-Figuren her, allerdings verschob sich der Schwerpunkt von militärischen zu zivilen Themen. In den 1950er Jahren wurden zunehmend Wildwest-, Ritter- und Märchenfiguren produziert. Die Produktion endete schließlich in den 1980er Jahren, als Kunststofffiguren den Markt dominierten.

Heute sind originale Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, wobei gut erhaltene militärische Figuren aus der Vorkriegszeit besonders geschätzt werden. Sie dokumentieren nicht nur die Spielzeuggeschichte, sondern auch die militärhistorische Kultur ihrer Entstehungszeit und sind wichtige Zeugnisse der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.