Elastolin - Reichswehr Heer Minenwerfergruppe im Tarnanstrich
Die Elastolin-Minenwerfergruppe der Reichswehr im Tarnanstrich repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeug- und Militärgeschichte der Zwischenkriegszeit. Diese 7 cm großen Figuren, hergestellt von der renommierten Firma Hausser unter der Marke Elastolin, spiegeln die militärische Realität der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1933 wider.
Die Reichswehr, offiziell am 23. März 1921 gegründet, war die stark limitierte Armee der Weimarer Republik. Durch den Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 wurden Deutschland drastische militärische Beschränkungen auferlegt: Das Heer durfte maximal 100.000 Mann umfassen, schwere Waffen waren weitgehend verboten, und moderne Militärtechnologie wie Panzer und Kampfflugzeuge waren untersagt. Dennoch blieb die Infanteriewaffe des Minenwerfers als eine der erlaubten Waffengattungen bestehen, wenn auch in stark reduzierter Form.
Die Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg begann bereits 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren. Die Marke Elastolin, eingeführt 1926, wurde zum Synonym für hochwertige Massefiguren. Das Material bestand aus einer Mischung von Sägespänen, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln, die über Drahtgestelle modelliert wurden. Diese Technik ermöglichte eine detaillierte Darstellung und relative Bruchfestigkeit – wichtige Eigenschaften für Spielzeug jener Zeit.
Der Tarnanstrich dieser Minenwerfergruppe ist historisch besonders bedeutsam. In den 1920er Jahren experimentierte die Reichswehr intensiv mit verschiedenen Tarnmustern und Farbschemata. Die deutsche Militärtradition des Ersten Weltkriegs hatte bereits die Bedeutung der Tarnung erkannt, und diese Entwicklung setzte sich in der Reichswehr fort. Typische Tarnanstriche dieser Periode umfassten gebrochene Farbmuster in Grün-, Braun- und Grautönen, die den mitteleuropäischen Landschaftsformen angepasst waren.
Die Minenwerfer selbst hatten im Ersten Weltkrieg große militärische Bedeutung erlangt. Diese Steilfeuerwaffen waren besonders effektiv im Grabenkrieg, da sie Geschosse in hohem Winkel verschießen konnten, um Schützengräben und befestigte Stellungen zu bekämpfen. Die Reichswehr behielt leichte Granatwerfer bei, obwohl schwere Minenwerfer durch den Versailler Vertrag verboten waren. Eine typische Minenwerferbedienung bestand aus drei bis fünf Soldaten: Kommandant, Richtkanonier, Ladeschützen und Munitionsträger.
Elastolin-Figuren dieser Epoche zeigen charakteristische Merkmale der Reichswehr-Uniformierung. Die Soldaten trugen in der Regel den Stahlhelm M1916/18, feldgraue oder zunehmend reichswehrgrüne Uniformen, Koppel und Tornister. Die Detailtreue der Hausser-Figuren machte sie nicht nur zu beliebtem Spielzeug, sondern auch zu Sammlerobjekten, die militärische Mode und Ausrüstung dokumentierten.
Die Produktion solcher Militärfiguren hatte in Deutschland eine lange Tradition und diente mehreren Zwecken: Sie waren Spielzeug für Kinder, Sammlergegenstand für Erwachsene, und dienten der paramilitärischen Erziehung, die in der Weimarer Republik weit verbreitet war. Die detaillierte Darstellung militärischer Einheiten wie einer Minenwerfergruppe vermittelte Kindern Verständnis für militärische Organisation und Hierarchie.
Die Qualität "Zustand 2" nach der üblichen Sammlerbewertungsskala (1-6, wobei 1 der beste Zustand ist) deutet auf gut erhaltene Figuren mit leichten Gebrauchsspuren hin. Angesichts des Alters von etwa 90-100 Jahren ist dies ein bemerkenswert guter Erhaltungszustand. Typische Alterungserscheinungen bei Elastolin-Figuren umfassen Farbabplatzungen, kleine Risse im Material oder Verbiegungen der Drahtgestelle.
Nach der Machtergreifung 1933 wandelte sich die Produktpalette der Firma Hausser zunehmend. Die Wehrmacht ersetzte die Reichswehr, und die Figurenserien spiegelten die neue militärische Realität wider. Daher sind authentische Reichswehr-Figuren im Tarnanstrich heute besonders gesucht, da sie eine spezifische, relativ kurze historische Periode dokumentieren.
Für Sammler und Historiker bieten solche Elastolin-Gruppen wertvolle Einblicke in die Militärgeschichte, Uniformkunde und Kulturgeschichte der Weimarer Republik. Sie dokumentieren nicht nur militärische Details, sondern auch gesellschaftliche Einstellungen zur Armee und militärischen Erziehung in der Zwischenkriegszeit.