III. Reich - Ehrenmappe für den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig Dr.phil.Wilhelm Hesse

großformatige doppelseitige Urkunde, handgefertigt und kalligrafisch in schwarz-gold den Text " Unserem hochverehrten Kreisleiter Dr.phil.Wilhelm Hesse anläßlich seiner Einführung in das Amt als Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig am 6. November 1933. In dankbarer Anerkennung Ihrer hohen Verdienste, die Sie sich um die Durchführung der Idee unseres Führers Adolf Hitler erworben haben, ist es unsein Bedürfnis, Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Die N.S.B.A. die N.S.B.O. der Betriebsrat der Stadtverwaltung ". Die rote Ledermappe 31 x 41 cm, vorderseitig mit geprägtem Hakenkreuz, hat eine Gebrauchsspuren ist sonst im guten Zustand.
Die Optik ist ähnlich gehalten wie die Ritterkreuzmappen.
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3.500,00

III. Reich - Ehrenmappe für den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig Dr.phil.Wilhelm Hesse

Diese Ehrenmappe dokumentiert einen bedeutenden Moment in der Geschichte der Stadt Braunschweig während der frühen Jahre des Dritten Reiches. Die Mappe wurde anlässlich der Amtseinführung von Dr. phil. Wilhelm Hesse als Oberbürgermeister am 6. November 1933 überreicht, nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar desselben Jahres.

Die aufwendig gestaltete Urkunde im Inneren der Mappe wurde kalligrafisch in Schwarz und Gold ausgeführt und enthält Glückwünsche von der N.S.B.A. (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation der Angestellten), der N.S.B.O. (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) und dem Betriebsrat der Stadtverwaltung. Der Text würdigt Hesses “hohe Verdienste” bei der “Durchführung der Idee unseres Führers Adolf Hitler” und verdeutlicht die rasche Gleichschaltung der kommunalen Verwaltung nach 1933.

Braunschweig hatte eine besondere Bedeutung für die NSDAP. Die Stadt war eine frühe Hochburg der Partei, und Adolf Hitler erhielt 1932 hier die deutsche Staatsbürgerschaft, als er zum Regierungsrat ernannt wurde, was ihm ermöglichte, für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren. Die Ernennung von Dr. Wilhelm Hesse zum Oberbürgermeister im November 1933 war Teil der systematischen Neubesetzung kommunaler Führungspositionen durch überzeugte Nationalsozialisten.

Die rote Ledermappe mit den Maßen 31 x 41 cm zeigt auf der Vorderseite ein geprägtes Hakenkreuz und ist in ihrer Gestaltung den prestigeträchtigen Ritterkreuzmappen nachempfunden, die zur Verleihung hoher militärischer Auszeichnungen verwendet wurden. Diese bewusste Anlehnung an militärische Ehrungen verdeutlicht die Militarisierung der Gesellschaft und die Erhebung politischer Ämter zu quasi-militärischen Ehrenpositionen im nationalsozialistischen System.

Die Gleichschaltung der deutschen Städte und Gemeinden vollzog sich 1933 mit großer Geschwindigkeit. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 und weitere Rechtsvorschriften ermöglichten die Entfernung politisch unerwünschter Beamter und die Neubesetzung mit Parteimitgliedern. Oberbürgermeister wurden nicht mehr gewählt, sondern vom Innenminister ernannt, wobei in der Regel die lokalen Kreisleiter der NSDAP diese Positionen übernahmen oder maßgeblich an der Personalauswahl beteiligt waren.

Die in der Urkunde genannten Organisationen N.S.B.O. und N.S.B.A. waren Teil des nationalsozialistischen Organisationsgeflechts zur Kontrolle der Arbeitswelt. Die N.S.B.O., 1928 gegründet, sollte Arbeiter und Angestellte für die NSDAP gewinnen und wurde 1933 in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt. Diese Organisationen ersetzten die aufgelösten freien Gewerkschaften und dienten der ideologischen Durchdringung der Betriebe.

Solche Ehrenmappen und -urkunden waren charakteristisch für die nationalsozialistische Inszenierungspraxis. Sie verbanden traditionelle Elemente deutscher Verwaltungskultur mit der neuen politischen Symbolik. Die kalligrafische Ausführung, die Verwendung von Gold und die aufwendige Ledermappe verliehen dem Dokument eine quasi-sakrale Würde und sollten die Bedeutung des Anlasses unterstreichen.

Die Überreichung derartiger Ehrenmappen bei Amtseinführungen, Jubiläen und anderen wichtigen Anlässen wurde zu einem festen Bestandteil der nationalsozialistischen Zeremonialkultur. Sie dienten nicht nur der Ehrung des Empfängers, sondern auch der öffentlichen Demonstration von Loyalität gegenüber dem Regime und der Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie.

Aus heutiger Sicht sind solche Dokumente wichtige historische Quellen, die Einblick in die Mechanismen der Machtsicherung, die Gleichschaltung der Verwaltung und die Inszenierungspraktiken des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die rasche Transformation der deutschen Gesellschaft nach 1933 und die Durchdringung aller Lebensbereiche mit nationalsozialistischer Ideologie und Symbolik.