Kaiserliche Schutztruppe Deutsch-Südwest-Afrika Zinkbecher «Zur Erinnerung an Deutsch-Südwest-Afrika» 

Um 1910. Ca. 13.5 cm hoher Zinkbecher, außen mit reliefartigen Verzierungen, vorne unter der Inschrift Lagerszene mit Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe, rückseitig Einheimische unter einem Baum. Zustand 2.
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350,00

Kaiserliche Schutztruppe Deutsch-Südwest-Afrika Zinkbecher «Zur Erinnerung an Deutsch-Südwest-Afrika» 

Dieser Zinkbecher der Kaiserlichen Schutztruppe aus Deutsch-Südwest-Afrika repräsentiert ein bedeutsames Kapitel deutscher Kolonialgeschichte um 1910. Die Kaiserliche Schutztruppe wurde 1889 als militärische Formation zur Sicherung der deutschen Kolonialinteressen in Afrika gegründet und spielte eine zentrale Rolle bei der Etablierung und Aufrechterhaltung der deutschen Herrschaft in den überseeischen Gebieten.

Deutsch-Südwest-Afrika, das heutige Namibia, war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie und Schauplatz bedeutsamer militärischer Auseinandersetzungen. Die Schutztruppe bestand aus deutschen Offizieren und Unteroffizieren sowie einheimischen Soldaten, den sogenannten Askaris. Ihre Aufgabe war es, die koloniale Ordnung aufrechtzuerhalten und gegen Aufstände vorzugehen.

Solche Erinnerungsbecher dienten als Andenken für Soldaten der Schutztruppe und dokumentieren die damalige Sicht auf die koloniale Erfahrung. Die reliefartigen Darstellungen zeigen typische Motive: Lagerszenen mit deutschen Soldaten und Darstellungen der einheimischen Bevölkerung. Diese Objekte spiegeln die koloniale Mentalität und das Selbstverständnis der deutschen Truppen wider.

Die Zeit um 1910 war geprägt von den Nachwirkungen des Herero- und Nama-Aufstands (1904-1908), einem der blutigsten Kolonialkriege in Afrika. Unter Generalleutnant Lothar von Trotha führte die Schutztruppe einen erbarmungslosen Vernichtungsfeldzug, der heute als Völkermord anerkannt wird. Nach diesen Ereignissen bemühte sich die Kolonialverwaltung um eine “Befriedung” des Gebiets.

Die materielle Kultur der Schutztruppe umfasste verschiedene Erinnerungsgegenstände, von denen Zinkbecher besonders verbreitet waren. Zink war ein praktisches Material - robust, rostfrei und für die Massenproduktion geeignet. Die Verzierungen wurden meist im Präge- oder Reliefverfahren hergestellt und zeigten charakteristische koloniale Bildsprache.

Diese Artefakte sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der deutschen Kolonialzeit. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Präsenz, sondern auch die kulturellen Vorstellungen und Rechtfertigungsnarrative der Kolonialherren. Die Darstellung der “friedlichen” Einheimischen unter dem Baum kontrastiert bewusst mit der militärischen Macht der Schutztruppe und sollte die koloniale Ordnung als natürlich und berechtigt erscheinen lassen.