Kriegsmarine dunkelblaue Tellermütze für Mannschaften
Die Kriegsmarine-Tellermütze für Mannschaften stellt eines der charakteristischsten Uniformstücke der deutschen Marine während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese dunkelblaue Kopfbedeckung, deren Bezeichnung sich von ihrer flachen, tellerartigen Form ableitet, war ein wesentlicher Bestandteil der Dienstbekleidung für Matrosen und Unteroffiziere ohne Portepee der Kriegsmarine von 1935 bis 1945.
Die Einführung der Tellermütze für die wiedergegründete deutsche Kriegsmarine erfolgte im Rahmen der Neugestaltung der Marineuniformen nach der offiziellen Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches. Die Bekleidungsvorschrift M.Dv. Nr. 53 regelte detailliert Ausführung, Trageweise und Pflege dieser Kopfbedeckung. Das dunkelblaue Tuch entsprach dem traditionellen Marineblau, das bereits in der Kaiserlichen Marine Verwendung fand und die Kontinuität der deutschen Seestreitkräfte symbolisierte.
Ein charakteristisches Merkmal dieser Mützenform war der abnehmbare Deckel, der mittels eines Federrings am Mützenkorpus befestigt wurde. Diese praktische Konstruktion ermöglichte es den Mannschaften, die Mütze bei beengten Platzverhältnissen an Bord – etwa in Unterdecks oder U-Booten – platzsparend zu verstauen. Der Deckel konnte abgenommen und die Mütze dadurch zusammengefaltet werden, was bei den oft beschränkten Unterbringungsmöglichkeiten an Bord von Kriegsschiffen von erheblichem Vorteil war.
Das Mützenband mit der Aufschrift "Kriegsmarine" war in Metallfaden gewebt und stellte ein zentrales Erkennungsmerkmal dar. Während in der Kaiserlichen Marine noch die Namen einzelner Schiffe oder Marinedienststellen auf den Mützenbändern getragen wurden, vereinheitlichte die Kriegsmarine diese Praxis aus Gründen der militärischen Geheimhaltung. Die Verwendung des generischen Schriftzugs "Kriegsmarine" sollte verhindern, dass bei Gefangennahme oder durch Propaganda-Fotografien Rückschlüsse auf die Zugehörigkeit zu bestimmten Schiffen oder Einheiten gezogen werden konnten. Die Metallfaden-Stickerei verlieh dem Band einen silbrigen Glanz und war deutlich haltbarer als einfache Baumwoll-Aufdrucke.
Die Hoheitsabzeichen bestanden aus einer einteiligen Kombination von Adler und Kokarde, wobei der nationalsozialistische Adler mit Hakenkreuz über der schwarz-weiß-roten Kokarde angebracht war. Diese Anordnung folgte den reichsweit gültigen Bestimmungen für Hoheitszeichen der Wehrmacht. Der Adler war typischerweise aus Aluminium gefertigt und entweder gestanzt oder gegossen. Die Kokarde in den Reichsfarben symbolisierte die Tradition der deutschen Marine, während der darüber befindliche Adler die politische Ausrichtung des NS-Staates repräsentierte.
Das Innenleben der Tellermütze war funktional gestaltet: Ein hellbraunes Schweißband aus Leder oder Kunstleder sollte den Tragekomfort erhöhen und das Material vor Feuchtigkeit schützen. Das blaue Futter bestand üblicherweise aus Baumwoll- oder Kunstseidenstoff. Die Größenangaben folgten dem metrischen System und entsprachen dem Kopfumfang in Zentimetern. Größe 56 war eine gängige Durchschnittsgröße für erwachsene Männer.
Die Produktion dieser Mützen erfolgte durch verschiedene Heeresbekleidungsämter und zivile Zulieferbetriebe. Im Laufe des Krieges führten Materialknappheit und die zunehmende Belastung der Rüstungsindustrie zu Qualitätsschwankungen. Während frühe Kriegsjahre noch hochwertige Wollstoffe und sorgfältige Verarbeitung aufwiesen, mussten ab 1943/44 zunehmend Ersatzmaterialien und vereinfachte Herstellungsverfahren eingesetzt werden.
Die Tragevorschriften waren präzise geregelt: Die Tellermütze wurde leicht schräg auf dem Kopf getragen, wobei das Mützenband etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen sitzen sollte. Bei bestimmten Dienstverrichtungen oder in geschlossenen Räumen war die Mütze abzunehmen. An Bord von Schiffen galten spezielle Regelungen, die sich nach den jeweiligen Gefechtszuständen richteten.
Als Sammlerstück dokumentiert eine solche Tellermütze heute einen bedeutenden Abschnitt deutscher Marinegeschichte. Gebrauchsspuren wie Flecken, Beschädigungen am Lederfutter oder am Tuch sind typisch für getragene Uniformstücke und zeugen vom tatsächlichen Einsatz. Sie erinnern an die Zehntausenden von Marinesoldaten, die diese Uniform trugen, und stehen zugleich als mahnendes Zeugnis für die Epoche des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, der Millionen Menschen das Leben kostete.