Norwegen 2. Weltkrieg unter NS Führung : Merkbuch der Hirden "Hvad Enhver N.S.-Mann bor vite"

 (deutsch: Was jeder N-S.Mann wissen muß) Kleines Taschenbuch, 10,5 x 13,5 cm, herausgegeben vom Hirdenstab, Oslo 1943", mit zahlreichen Darstellungen der norwegischen Embleme und Rangabzeichen sowie die Rangabzeichen der deutschen Wehrmacht, Luftwaffe, Kriegsmarine, und SS, taktische Kennzeichen, Fotos von norwegischen und deutschen Führern, Soldaten und Angehörigen der SS. Insgesamt 66 Seiten, Seite 21 leicht eingerissen, Zustand 2-.
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Norwegen 2. Weltkrieg unter NS Führung : Merkbuch der Hirden "Hvad Enhver N.S.-Mann bor vite"

Das Merkbuch der Hirden “Hvad Enhver N.S.-Mann bor vite” (Was jeder N.S.-Mann wissen muss) stellt ein bedeutendes Dokument der norwegischen Kollaborationsbewegung während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses kleine Taschenbuch, herausgegeben vom Hirdenstab in Oslo im Jahr 1943, diente als praktischer Leitfaden für Mitglieder der Hirden, der paramilitärischen Organisation der norwegischen nationalsozialistischen Partei Nasjonal Samling (NS) unter Vidkun Quisling.

Die Hirden wurde 1933 als Schutzstaffel der Nasjonal Samling gegründet und orientierte sich strukturell und ideologisch stark an der deutschen SS und der italienischen Schwarzhemden-Bewegung. Nach der deutschen Besetzung Norwegens im April 1940 und der Installation Quislings als Ministerpräsident im Februar 1942 gewann die Hirden erheblich an Bedeutung. Sie entwickelte sich zu einer wichtigen Stütze des kollaborationistischen Regimes und wurde für Sicherheitsaufgaben, politische Überwachung und die Unterstützung der deutschen Besatzungsmacht eingesetzt.

Das vorliegende Merkbuch aus dem Jahr 1943 dokumentiert den Höhepunkt der institutionellen Entwicklung der Hirden. Mit seinen 66 Seiten bot es einen kompakten Überblick über die organisatorische Struktur, Rangordnungen und Kennzeichen sowohl der norwegischen als auch der deutschen Streitkräfte. Die Aufnahme der Rangabzeichen der Wehrmacht, Luftwaffe, Kriegsmarine und SS verdeutlicht die enge militärische Zusammenarbeit zwischen dem Quisling-Regime und dem Dritten Reich. Diese detaillierte Darstellung diente der praktischen Notwendigkeit, dass Hirden-Mitglieder die Hierarchien und taktischen Kennzeichen ihrer deutschen Partner verstehen mussten.

Besonders aufschlussreich ist die Präsentation norwegischer und deutscher Führer in fotografischer Form. Dies unterstreicht die propagandistische Dimension des Merkbuchs, das nicht nur als technisches Handbuch, sondern auch als ideologisches Instrument fungierte. Die Gleichstellung norwegischer NS-Führer mit deutschen Militärs und SS-Angehörigen sollte Legitimität und Gleichwertigkeit suggerieren, obwohl Norwegen faktisch besetztes Gebiet blieb.

Der Hirdenstab als Herausgeber repräsentierte die zentrale Führungsstruktur der Organisation. Die Hirden war in verschiedene Einheiten gegliedert, darunter die Rikshirden (Reichs-Hirden), lokale Einheiten und spezialisierte Formationen. Im Jahr 1943, als dieses Merkbuch erschien, umfasste die Hirden etwa 8.500 Mitglieder und hatte ihren organisatorischen Zenit erreicht. Die Mitglieder trugen schwarze Uniformen mit norwegischen und nationalsozialistischen Symbolen, was ihre ideologische Ausrichtung unmittelbar sichtbar machte.

Die Produktion solcher Merkbücher war typisch für paramilitärische und militärische Organisationen der Zeit. Sie dienten der Standardisierung des Wissens, der einheitlichen Ausbildung und der Schaffung eines gemeinsamen institutionellen Verständnisses. Das handliche Format von 10,5 x 13,5 cm ermöglichte es den Mitgliedern, das Buch ständig bei sich zu tragen und bei Bedarf zu konsultieren.

Die Aufnahme taktischer Kennzeichen deutet darauf hin, dass die Hirden nicht nur für polizeiliche Aufgaben, sondern auch für militärische oder paramilitärische Operationen ausgebildet wurde. Tatsächlich waren Hirden-Mitglieder an verschiedenen Aktionen beteiligt, darunter Deportationen norwegischer Juden, Unterdrückung des Widerstands und Sicherungseinsätze an der Seite deutscher Truppen.

Das Jahr 1943 markierte einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Niederlage bei Stalingrad im Februar 1943 und die zunehmenden alliierten Erfolge veränderten die strategische Lage grundlegend. In Norwegen verstärkte sich der Widerstand gegen die Besatzung und das Quisling-Regime, was die Hirden zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen veranlasste. Das Merkbuch erschien somit in einer Phase, in der die Kollaborationsbewegung ihren Einfluss zu konsolidieren versuchte, während ihre langfristige Position bereits gefährdet war.

Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 wurde die Nasjonal Samling aufgelöst und ihre Führer vor Gericht gestellt. Vidkun Quisling wurde im Oktober 1945 hingerichtet, und zahlreiche Hirden-Mitglieder wurden wegen Hochverrats und Kriegsverbrechen verurteilt. Dokumente wie das vorliegende Merkbuch wurden zu wichtigen Beweismitteln in den Nachkriegsprozessen und später zu historischen Quellen für die Erforschung der Kollaboration.

Heute besitzen solche Merkbücher erheblichen historischen Wert als Primärquellen zur norwegischen Geschichte während der deutschen Besatzung. Sie dokumentieren die organisatorische Struktur, ideologische Ausrichtung und praktische Funktionsweise der Kollaborationsbewegung. Gleichzeitig sind sie Zeugnisse eines dunklen Kapitels norwegischer Geschichte, das die Nation nachhaltig geprägt hat und dessen Aufarbeitung Jahrzehnte in Anspruch nahm.