Preußen 1. Weltkrieg Ersatzpickelhaube aus Filz für Mannschaften Artillerie

Kammerstück um 1915. Ersatzhelm aus Filz, vereinfachte Ausführung ohne Vorderschirm- und Nackenschiene. Komplett mit allen Beschlägen in Messing. Vorne der preußische Linienadler. Die Spitze nicht abnehmbar. Der original Ledersturmriemen an Knopf 91, komplett mit beiden Kokarden. Innen mit gelaschtem Lederfutter, in der Glocke Etikett mit der Größe «56». Ungetragen! In "Mint condition"!
521988
1.650,00

Preußen 1. Weltkrieg Ersatzpickelhaube aus Filz für Mannschaften Artillerie

Die preußische Ersatzpickelhaube aus Filz für Mannschaften der Artillerie verkörpert eine der bemerkenswertesten Improvisationen der deutschen Militärgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Als der Krieg 1914 ausbrach, sah sich Deutschland mit schwerwiegenden Materialengpässen konfrontiert, die durch die britische Seeblockade und den Verlust von Rindsledereinfuhren aus Argentinien verursacht wurden. Diese Umstände, kombiniert mit den massiven Mobilisierungsanforderungen des Krieges, machten alternative Lösungen unumgänglich.

Ab 1914 begann Deutschland mit der Herstellung von Helmen aus Ersatzmaterialien. Die Filzhaube war der erste dieser Ersatzhelme und wurde aus einem einzigen Stück gepressten Filzes hergestellt, was die Produktionszeit erheblich verkürzte. Die Fertigung übernahm die deutsche Filzhutindustrie, die seit Jahrhunderten in Deutschland etabliert war und nun Helme aus gepresstem und geformtem Filz produzierte, der aus Kaninchenfell oder geschredderter Wolle hergestellt wurde.

Dieses Exemplar repräsentiert eine vereinfachte Ausführung ohne Vorderschirm- und Nackenschiene, eine Konstruktion, die Zerbrechlichkeit reduzierte und die Produktionszeit weiter minimierte. Die Beschläge sind vollständig aus Messing gefertigt, einschließlich der preußischen Linienadler-Platte mit dem Motto “MIT GOTT FÜR KOENIG UND VATERLAND”, des Spitzensockels und der Kinnriemenbeschläge nach Knopf 91-Standard. Frühe Versionen von 1914 bis Anfang 1915 verwendeten Messingbeschläge nach M1895-Spezifikation mit Vorderschirmbesatz und Nackenschiene. Ab 1915 wechselte die Produktion zu oxidierten Stahlbeschlägen in feldgrauer Lackierung.

Charakteristisch für die Artillerieausführung ist der kugelförmige Abschluss anstelle der Spitze. Artillerieeinheiten erhielten ab 1844 per Anordnung diese Kugelabschlüsse, um Verletzungen von Pferden und Beschädigungen von Ausrüstung zu vermeiden. Der Helm verfügt über beide Kokarden: die schwarz-weiße preußische Staatskokarde und die rot-weiß-schwarze Reichskokarde, beide mittels Knopf 91-Befestigungen angebracht. Der originale Ledersturmriemen ist befestigt, und das Innere weist ein gelaschtes Lederfutter auf. Die intern markierte Größe 56 dokumentiert die standardisierte Produktion.

Die Pickelhaube, die zwischen 1842 und 1843 von Preußen eingeführt worden war, erwies sich als ungeeignet für den Grabenkrieg. Sie bot keinen Schutz gegen Granatsplitter und Schrapnell, und Kopfverletzungen erreichten alarmierende Ausmaße. Im September 1915 wurde angeordnet, dass Spitzen an der Frontlinie entfernt werden mussten. Die Pickelhaube wurde 1916 eingestellt und schrittweise durch den Stahlhelm M1916 ersetzt, beginnend bei Verdun Anfang 1916, mit vollständigem Austausch an der Westfront bis Ende 1916 und an der Ostfront bis Mitte 1917.

Diese Ersatzhelme wurden wie die Lederpickelhaube nie als ballistischer Schutz konzipiert, sondern sollten militärische Tradition aufrechterhalten. Sie wurden an Mannschaften preußischer Artillerieeinheiten als Notkopfbedeckung ausgegeben, wenn traditionelle Lederpickelhauben nicht in ausreichenden Mengen produziert werden konnten. Nach 1916 wurde die Pickelhaube einschließlich der Filzvarianten auf rückwärtige Bereiche, Stabs- und Zeremonialdienste beschränkt, bis der Krieg 1918 endete. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918 hörte die Pickelhaube auf, Teil der Militäruniform zu sein. Der stählerne Stahlhelm wurde in modifizierten Formen bis zum Zweiten Weltkrieg weiterverwendet. Heute sind Filzpickelhauben hochbegehrte Sammlerstücke, wobei vereinfachte Muster als besonders selten gelten.