Preußen Fanfarentuch des Leibgarde-Husaren-Regiments

Standort Potsdam, um 1900. Das Tuch aus roter Seide. auf der Vorderseite Beidseitig mit dem großen gekrönten Gardestern in feinster Handstickerei aus in Gold und Silber Metallfaden, rückseitig die gekrönte Chiffre "WR". Die Randeinfassung mit Goldtresse, unten mit goldenen Fransen. Maße 50 x 55 cm. Oben mit 7 Befestigungsschlaufen aus Goldkordel. Das Fanfarentuch hat Gebrauchspuren, die Vorderseite mit altersbedingten kleinen Rissen in der roten Seide, die Rückseite unbeschädigt. In gutem Gesamtzustand. 
Das Stück stammt aus dem Besitz der Familie Baron von Mirbach. Eine Fanfare mit dem identischen Fanfarentuch befindet sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin (Inventar Nr. 1286).
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Fanfarentuch des Leibgarde-Husaren-Regiments – Ein Zeugnis preußischer Garde-Kavallerie

Das hier vorgestellte Fanfarentuch des Leibgarde-Husaren-Regiments ist ein herausragendes Beispiel zeremonieller Militärtextilien der preußischen Gardetruppen um die Wende zum 20. Jahrhundert. Mit seiner aufwendigen Handstickerei in Gold- und Silbermetallfaden auf roter Seide verkörpert es den Repräsentationsanspruch eines der vornehmsten Kavallerieregimenter der preußischen Armee und gibt Einblick in die zeremonielle Praxis des Gardekorps im Kaiserreich.

Das Leibgarde-Husaren-Regiment – Entstehung und Geschichte

Das Leibgarde-Husaren-Regiment war ein preußisches Kavallerieregiment, das von 1815 bis 1919 bestand und dem Gardekorps angehörte. Seine Gründung erfolgte am 21. Februar 1815 als Garde-Husaren-Regiment. Es wurde aus der Garde-Husaren-Eskadron des Leichten Garde-Kavallerie-Regiments und drei Eskadrons des Ostpreußischen National-Kavallerie-Regiments zusammengestellt. Zunächst in Berlin stationiert, verlegte das Regiment 1829 nach Potsdam, jene Garnisonsstadt unmittelbar neben der Reichshauptstadt, in der die königliche Familie residierte.

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Regiments war der Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. Am 19. Juni 1888 ernannte sich der neue Kaiser und König von Preußen zum Regimentschef und benannte die Einheit in Leibgarde-Husaren-Regiment um. Diese Umbenennung unterstrich die besondere Nähe des Regiments zum Monarchen und seinen herausgehobenen Status innerhalb des preußischen Gardekorps.

Kriegseinsätze des Regiments

Das Regiment bewährte sich in den entscheidenden Kriegen der preußischen Einigungszeit. Im Krieg von 1866 gegen Österreich nahm es an den Schlachten bei Soor und Königgrätz teil. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kämpfte das Regiment mit der 1. Garde-Division in der Schlacht von Gravelotte am 18. August und in der Schlacht von Sedan am 1. September 1870 – zwei der bedeutendsten Schlachten dieses Konflikts.

Das Fanfarentuch – Beschreibung und Verwendung

Das Fanfarentuch ist aus roter Seide gefertigt und misst 50 × 55 cm. Auf der Vorderseite zeigt es beidseitig den großen gekrönten Gardestern in feinster Handstickerei aus Gold- und Silbermetallfaden. Die Rückseite trägt die gekrönte Chiffre “WR” – für Wilhelm Rex, also Kaiser Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 als letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen regierte. Die Randeinfassung besteht aus Goldtresse, am unteren Rand befinden sich goldene Fransen. Sieben Befestigungsschlaufen aus Goldkordel am oberen Rand dienten der Montage auf einer Fanfarentrompete.

Fanfarentrompeten sind Blechblasinstrumente mit verlängertem Schalltrichter, deren Gesamtlänge bei gleichbleibender Rohrlänge ausreicht, um ein kleines zeremonielles Banner daran zu befestigen. Diese prächtigen Tücher wurden von berittenen Musikern bei Paraden und feierlichen Anlässen getragen und verliehen dem musikalischen Aufzug der Garde-Kavallerie einen besonderen visuellen Glanz.

Varianten und Zuordnung im Gardekorps

Fanfarentücher wurden für verschiedene preußische Garde-Kavallerieregimenter hergestellt, darunter auch das Garde-Kürassier-Regiment. Jedes Regiment hatte dabei eigene, distinktive Gestaltungselemente, die seine Identität widerspiegelten. So besaß beispielsweise das Regiment Garde du Corps Fanfarentücher aus roter gemusterter Seide mit dem großen Gardestern in Handstickerei aus Metallfaden, mit preußischen Kronen und ungarischen Knoten in den Ecken, Silbertressen-Einfassung und roter Seidenfranse in den Maßen 52 × 55 cm. Die unterschiedlichen Farben, Embleme und Einfassungen ermöglichten eine sofortige visuelle Zuordnung zu der jeweiligen Einheit – ein wesentliches Element des preußischen Militärzeremoniells.

Provenienz und Museumsparallele

Das vorliegende Fanfarentuch stammt aus dem Besitz der Familie Baron von Mirbach. Eine Fanfare mit einem identischen Fanfarentuch befindet sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin (Inventar Nr. 1286), was die Authentizität und historische Bedeutung dieses Stücks unterstreicht.

Das Ende des Regiments

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne wurde das Regiment bis Januar 1919 demobilisiert und schließlich aufgelöst. Die Tradition des Regiments wurde in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 von der 6. Schwadron des 4. (Preußischen) Reiter-Regiments in Potsdam übernommen. Die Kasernenanlagen des Regiments wurden in der Folgezeit von der Kavallerie der Reichswehr, dann von Panzersoldaten der Wehrmacht und ab 1945 von sowjetischen Truppen genutzt. Der rechte Flügel der Kaserne diente bis 1994 sowjetischen KGB-Einheiten.

Dieses Fanfarentuch stellt somit ein seltenes und bedeutendes Sammlungsstück dar, das die zeremonielle Pracht der preußischen Garde-Kavallerie in der Ära Wilhelms II. eindrucksvoll dokumentiert. Es verbindet höchste handwerkliche Qualität mit der Geschichte eines der traditionsreichsten Regimenter des preußischen Heeres.

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