Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für den «Füsilier Regenhard» im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1

Standort Berlin. Kammerstück 1872. Höherer, schwerer Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der große Grenadier-Adler mit dem Akanthus auf dem Zepter, aufgelegt der Gardestern mit der Devise «suum cuique» (das Regiment trug den Garde-Adler mit dem Adler auf dem Zepter erst ab 1889). Flache Schuppenketten an Rosetten mit Eisen-Schlitzschrauben, rechts die Landeskokarde. Die Spitze nicht abnehmbar (wohl nur festoxidiert). Mit der Nackenschiene. Innen mit gelaschtem Lederfutter, der Nackenschirm mit Kammerstempel «1872 KAR», in der Glocke Etikett «Füsilier Regenhard 9. Cp. Rgt. Alexander». Größe ca. 52. Zustand 2.
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2.500,00

Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für den «Füsilier Regenhard» im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1

Der preußische Pickelhaube Modell 1867/71 des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Dieses spezifische Exemplar, datiert als Kammerstück von 1872 und einem Füsilier Regenhard der 9. Kompanie zugeordnet, verkörpert die Übergangsphase der preußischen Armee nach der Reichsgründung von 1871.

Das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 war eines der prestigeträchtigsten Regimenter der preußischen Armee. Seine Ursprünge reichen zurück bis 1814, als es als 1. Garde-Regiment zu Fuß aufgestellt wurde. Der Name “Kaiser Alexander” ehrte den russischen Zaren Alexander I., den Verbündeten Preußens in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Diese deutsch-russische militärische Verbindung wurde durch den Namen des Regiments über Generationen hinweg symbolisiert.

Die Pickelhaube selbst wurde 1842 in der preußischen Armee eingeführt und entwickelte sich zum ikonischen Symbol des deutschen Militarismus. Das Modell 1867 wurde nach dem Deutschen Krieg von 1866 eingeführt, wobei kleinere Modifikationen 1871 folgten. Der vorliegende Helm zeigt charakteristische Merkmale dieser Periode: einen höheren, schwereren Lederkörper, der aus gepresstem und gehärtetem Leder gefertigt wurde. Diese Konstruktionsmethode bot einen gewissen Schutz gegen Säbelhiebe, während sie gleichzeitig repräsentative Funktion erfüllte.

Besonders bemerkenswert ist der große Grenadier-Adler an der Vorderseite des Helms. Dieser Adler unterschied sich von den regulären Infanterie-Adlern durch seine imposantere Größe und die charakteristische Akanthus-Verzierung auf dem Zepter. Der aufgelegte Gardestern mit der Devise “suum cuique” (Jedem das Seine) war das traditionelle Motto des preußischen Schwarzen Adlerordens und später der preußischen Krone. Diese Kombination war typisch für die frühe Periode des Regiments. Interessanterweise trägt dieser Helm noch nicht den späteren Garde-Adler mit dem Adler auf dem Zepter, der erst ab 1889 eingeführt wurde, was die Datierung des Helms als frühes Modell bestätigt.

Die flachen Schuppenketten, die an Rosetten mit Eisen-Schlitzschrauben befestigt sind, dienten als Kinnriemen. Die rechts angebrachte Landeskokarde in Schwarz-Weiß zeigte die preußischen Farben und war eine obligatorische Kennzeichnung. Nach 1871 wurde zusätzlich oft eine Reichskokarde getragen, doch bei diesem frühen Modell von 1872 war dies noch nicht standardisiert.

Die nicht abnehmbare Spitze (“Pickel”) war ursprünglich ein funktionales Element, das sich aus den Tschakos der napoleonischen Ära entwickelt hatte. Bei Paradehelmen konnte die Spitze manchmal durch einen Haarbusch ersetzt werden, doch bei diesem Exemplar scheint sie dauerhaft fixiert oder festoxidiert zu sein.

Der Kammerstempel “1872 KAR” auf dem Nackenschirm ist von besonderer historischer Bedeutung. “KAR” steht für die Kammer des Kaiser Alexander Regiments, und die Jahreszahl bestätigt, dass dieser Helm im ersten vollen Friedensjahr nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ausgegeben wurde. Die Kammerverwaltung war verantwortlich für die Ausrüstung und Uniformierung der Soldaten, und jedes Stück wurde sorgfältig registriert und gekennzeichnet.

Das innere Etikett “Füsilier Regenhard 9. Cp. Rgt. Alexander” personalisiert dieses militärische Artefakt. Füsiliere waren ursprünglich mit leichteren Musketen (Füsils) bewaffnete Soldaten, und in der preußischen Armee des 19. Jahrhunderts bezeichnete der Begriff die Angehörigen der dritten und vierten Kompanie jedes Bataillons. Die 9. Kompanie wäre somit zum dritten Bataillon gehört haben. Diese persönliche Zuordnung ermöglicht es uns, den Helm nicht nur als militärisches Ausrüstungsstück, sondern als Teil der Lebensgeschichte eines individuellen Soldaten zu verstehen.

Das gelaschte Lederfutter im Inneren diente dem Tragekomfort und der Schweißaufnahme. Die Größe von etwa 52 entspricht einem Kopfumfang von 52 Zentimetern, was der durchschnittlichen Kopfgröße der damaligen Zeit entsprach. Die Nackenschiene bot zusätzlichen Schutz und war charakteristisch für die frühen Pickelhauben-Modelle.

Dieser Helm steht exemplarisch für die preußische Militärtradition in der frühen Kaiserreich-Ära. Die Jahre nach 1871 waren geprägt von der Konsolidierung des neuen Deutschen Reiches unter preußischer Führung. Die Garde-Regimenter, in Berlin stationiert, repräsentierten nicht nur militärische Macht, sondern auch die Kontinuität dynastischer Traditionen und die enge Verbindung zwischen Monarchie und Militär.

Als historisches Artefakt bietet diese Pickelhaube einen faszinierenden Einblick in die materielle Kultur des preußisch-deutschen Militärs, die Handwerkskunst der Militärausrüstung und die organisatorischen Strukturen der Armee des Kaiserreichs.