Preußen Pickelhaube für einen Unteroffizier in einem Infanterie-Regiment

Um 1880, weiter getragen bis 1897. Schwerer Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Flache Schuppenketten, an Durchsteckrosetten, beide Kokarden in Mannschaftsausführung. Die Spitze nicht abnehmbar, die Nackenschiene noch ohne Lüftungsschieber. Innen gelaschtes Lederfutter. Größe 54. Getragen, Zustand 2.
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Preußische Pickelhaube Modell 1867/1871 für einen Unteroffizier eines Infanterie-Linienregiments

Die Pickelhaube ist eines der markantesten Symbole preußischer und deutscher Militärgeschichte. Obwohl sie typischerweise mit der preußischen Armee assoziiert wird, die sie in den Jahren 1842–43 einführte, wurde dieser Helmtyp in jener Epoche von zahlreichen anderen Armeen imitiert. Das vorliegende Exemplar, datiert auf circa 1880, repräsentiert das Modell 1867/1871 und wurde von einem Unteroffizier eines preußischen Infanterie-Linienregiments getragen.

Die Einführung und Entwicklung der Pickelhaube

Am 23. Oktober 1842 führte König Friedrich Wilhelm IV. die Pickelhaube per königlicher Kabinettorder für den Großteil der preußischen Infanterie ein. Von Beginn an erfüllte der Helm eine doppelte Funktion: Sein ursprünglicher praktischer Zweck bestand darin, Säbelhiebe gegen den Kopf abzulenken; seine symbolische Bedeutung lag fast von Anfang an darin, die militärische Identität des preußischen und später des deutschen Staates zu projizieren.

Die Spitzenform entwickelte sich über mehrere aufeinanderfolgende Regulierungsmuster hinweg – die Modelle von 1842, 1857, 1860, 1867, 1871 und 1891, die schließlich im standardisierten Muster von 1895 kulminierten. In den Jahren 1857 und erneut 1860 wurde die Höhe des Helms sukzessive reduziert. Im Jahr 1867 wurde die kreuzförmige Basis der Mannschaftsspitze durch ein scheibenförmiges Muster ersetzt, und das alte, eckige Vorderschild wurde abgerundet. Die hintere Nackenschiene wurde 1867 entfernt, nur um 1871 wieder eingeführt zu werden.

Das Modell 1867/1871 im Detail

Die grundlegende Pickelhaube bestand aus gehärtetem (gekochtem) Leder, das eine glänzend-schwarze Oberfläche erhielt und mit Metallbeschlägen verstärkt wurde. Bei Offizieren waren diese Beschläge üblicherweise gold- oder silberplattiert, während die Unteroffizierversionen im Vergleich zu den Mannschaftsausführungen verbesserte Metallbeschläge aufwiesen.

Das vorliegende Exemplar lässt sich durch mehrere charakteristische Merkmale als Modell 1867/1871 identifizieren: Es verfügt über flache Schuppenketten als Kinnriemen, die an Durchsteckrosetten befestigt sind – ein System, das vor der Reform von 1891 verwendet wurde, als ein standardisierter Knopf eingeführt wurde, der von der kaiserlich-deutschen Armee erst ab 1891 verwendet wurde. Ferner besitzt der Helm eine nicht abnehmbare Spitze sowie eine Nackenschiene ohne Lüftungsschieber – letzteres ein bedeutendes Datierungsmerkmal, da der Lüftungsschieber an der Rückenschiene erst mit dem Modell 1895 eingeführt wurde. Beide Kokarden sind in Mannschaftsausführung gehalten. Der Helmkörper besteht aus dickem, schwarz lackiertem Leder mit einem höheren und aufrechterer Profil als bei den späteren Modellen 1891/1897. Innen befindet sich ein gelaschtes Lederfutter. Das Stück hat die Größe 54 und ist in getragenem Zustand, bewertet als Zustand 2.

Historischer Kontext

Die Datierung um 1880 fällt in die Regierungszeit von Kaiser Wilhelm I. (1871–1888), in eine Phase der Konsolidierung des Deutschen Kaiserreichs. Preußen war als bevölkerungsreichster der deutschen Staaten der mit Abstand größte Truppensteller der deutschen Armee. Preußische Infanteriehelme wurden in sehr großen Stückzahlen produziert, verglichen mit anderen deutschen Staaten – so stellte etwa das Herzogtum Schwarzburg-Rudolstadt lediglich ein einziges Bataillon.

Das Ende der Pickelhaube

Im Jahr 1892 wurde eine hellbraune Stoffhelmbedeckung, der M1892 Überzug, als Standardausgabe für alle Pickelhauben bei Manövern und im aktiven Dienst eingeführt. Die reflektierenden Metallbeschläge der Pickelhaube erwiesen sich als schwer zu tarnen, weshalb viele Helme kurz nach Beginn der Feindseligkeiten des Ersten Weltkriegs mit Stoff überzogen wurden. Letztlich erwies sich die Pickelhaube als ungeeignet für die Anforderungen der modernen Kriegsführung und wurde 1916 durch den Stahlhelm mit seiner charakteristischen Kohlenschaufelform ersetzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Pickelhaube zum Symbol des Deutschen Kaiserreichs und zu einem beliebten Sammlerstück. Die Bedeutung der Pickelhaube als urpreußisches Symbol hat bis heute Bestand. Sie steht sogar repräsentativ für das gesamte Deutsche – ein Zeugnis ihrer nachhaltigen kulturellen Wirkungskraft weit über ihren ursprünglichen militärischen Zweck hinaus.