Preussen Roter Adler Orden Bruststern zur 2. Klasse
Der Rote Adlerorden gehörte zu den bedeutendsten und traditionsreichsten Auszeichnungen des Königreichs Preußen und später des Deutschen Kaiserreichs. Dieser Bruststern zur 2. Klasse repräsentiert die hohe Kunst preußischer Ordensherstellung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und verkörpert gleichzeitig die gesellschaftliche Bedeutung, die derartigen Ehrenzeichen in der wilhelminischen Ära zukam.
Geschichte und Bedeutung des Ordens
Der Rote Adlerorden wurde am 17. November 1705 vom Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth als Ordre de la Sincérité (Orden der Aufrichtigkeit) gestiftet. Nach dem Aussterben der Bayreuther Linie fiel das Fürstentum 1791 an Preußen, und König Friedrich Wilhelm II. erneuerte den Orden am 12. Juni 1792 unter dem Namen Roter Adlerorden. Unter König Friedrich Wilhelm III. erfuhr der Orden 1810 und 1830 weitere Umgestaltungen und wurde zu einer der wichtigsten preußischen Auszeichnungen.
Der Orden war in mehrere Klassen unterteilt, wobei die 2. Klasse mit Bruststern eine sehr hohe Auszeichnung darstellte. Sie stand in der Hierarchie zwischen der 1. Klasse und der 2. Klasse ohne Stern und wurde typischerweise an Personen verliehen, die bereits bedeutende Verdienste um den preußischen Staat erworben hatten, sei es im Militär-, Zivil- oder Hofdienst.
Herstellung und Fertigung
Die Fertigung preußischer Orden unterlag strengen Qualitätsstandards. Das vorliegende Exemplar zeigt die charakteristische Bauweise eines Bruststerns zur 2. Klasse aus der Zeit um 1900. Der silberne Stern mit den vergoldeten Kreuzarmen und dem goldenen Medaillon entspricht den offiziellen Vorgaben. Das fein emaillierte Zentrum zeigt den roten Adler auf weißem Grund, umgeben vom Ordensspruch “SINCERE ET CONSTANTER” (Aufrichtig und Beständig).
Die Zuschreibung an den Juwelier Wagner & Sohn in Berlin ist von besonderer Bedeutung. Diese renommierte Firma gehörte zu den bevorzugten Lieferanten für preußische Orden und Ehrenzeichen. Obwohl das vorliegende Stück keine Ritzmarke trägt, lassen die Verarbeitungsqualität und die stilistischen Merkmale auf diese Werkstatt schließen. Es war nicht ungewöhnlich, dass einzelne Stücke ohne Herstellermarke gefertigt wurden, insbesondere bei offiziellen Verleihungen.
Die französische Ausfuhrpunze
Ein bemerkenswertes Detail ist die rückseitige französische Ausfuhrpunze “Schwan” auf der Nadel. Dieser Stempel wurde seit 1893 für Silbergegenstände verwendet, die aus Ländern ohne Handelsvertrag mit Frankreich importiert wurden. Das Vorhandensein dieser Punze dokumentiert, dass der Orden zu einem späteren Zeitpunkt nach Frankreich verbracht wurde, vermutlich im Besitz einesTrägers oder durch Handel.
Dies wirft ein interessantes Licht auf die Geschichte preußischer Orden nach dem Ersten Weltkrieg. Viele Auszeichnungen gelangten durch verschiedene Umstände ins Ausland: ehemalige Ordensträger emigrierten, Stücke wurden verkauft, oder sie kamen als Beutekunst in andere Länder. Die französische Punze belegt die Bewegung dieses Objekts über nationale Grenzen hinweg und macht es zum Zeugnis der turbulenten Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Trageweise und gesellschaftliche Bedeutung
Der Bruststern zur 2. Klasse wurde auf der linken Brustseite der Uniform oder des Fracks getragen, während das dazugehörige Ordenskreuz am Halsband getragen wurde. In der preußischen Gesellschaft signalisierte das Tragen solcher Auszeichnungen den hohen sozialen Status und die Anerkennung durch den Monarchen. Die Verleihung erfolgte durch königliche Kabinettsorder und wurde im Staatskalender veröffentlicht.
Ende und Vermächtnis
Mit dem Ende der Monarchie im November 1918 endete auch die Verleihung des Roten Adlerordens. Bereits verliehene Orden durften jedoch weiterhin getragen werden. Heute sind diese Stücke wichtige historische Zeugnisse der preußischen und deutschen Geschichte, die die Ordenskultur und das Wertesystem einer vergangenen Epoche dokumentieren. Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1900 repräsentiert die Hochphase dieser Tradition und ist durch seine handwerkliche Qualität und seine bewegte Geschichte ein bedeutendes Sammlerstück.