Braunschweig Infanterie-Degen altes Modell für Offiziere im I. oder II. Bataillon des Infanterie-Regiment Nr. 92

Um 1890. Beidseitig doppelt gekehlte Klinge, beidseitig geätzt, terzseitig mit dem braunschweigischen Wappen, quartseitig auf Fehlschärfe mit Herstellerzeichen "W.K.&C", terzseitig Lieferant "Carl Lippold Braunschweig", die Schneide mit 6 Scharten vom Fechten. Verputztes Stahlgefäß mit durchbrochen gearbeitetem Herrschermonogramm Krone über "W", nur noch Reste von Vernickelung, die darunter liegende Verkupferung kommt stärker durch, Rochenhautgriff mit intakter Drahtwicklung, die Rochenhaut etwas abgegriffen, das Gefäß mit Resten einer silbernen Farbe. Vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Tragringen, hier ist die Vernicklung zu 80% erhalten. Zustand 2-

Gesamtlänge 101 cm. 
325189
1.400,00

Braunschweig Infanterie-Degen altes Modell für Offiziere im I. oder II. Bataillon des Infanterie-Regiment Nr. 92

Der Braunschweiger Infanterie-Degen altes Modell für Offiziere des Infanterie-Regiments Nr. 92 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der Geschichte des Herzogtums Braunschweig und des späteren Deutschen Kaiserreichs. Dieses um 1890 gefertigte Seitengewehr verkörpert nicht nur handwerkliche Präzision, sondern auch die militärischen Traditionen eines der traditionsreichsten deutschen Teilstaaten.

Das Infanterie-Regiment Nr. 92 war eines der braunschweigischen Kontingente innerhalb der preußischen Armee nach der Reichsgründung 1871. Herzog Wilhelm von Braunschweig, dessen Monogramm als Krone über “W” auf dem Gefäß des Degens erscheint, regierte von 1831 bis 1884. Nach seinem Tod setzte eine Regentschaft ein, bis sein Nachfolger die Regierung übernahm. Die braunschweigischen Truppen behielten jedoch ihre eigenen Traditionen und Uniformen bei, was sich auch in den spezifischen Ausführungen ihrer Offiziersdegen widerspiegelte.

Die Klinge dieses Degens zeigt die typische Doppelkehlung, eine technische Raffinesse, die sowohl zur Gewichtsreduzierung als auch zur Verstärkung der Klingenstabilität diente. Die beidseitige Ätzung mit dem braunschweigischen Wappen auf der Terzseite demonstriert die Loyalität zum Herzogtum. Das Herstellerzeichen “W.K.&C” auf der Fehlschärfe der Quartseite verweist auf einen etablierten Klingenhersteller der Zeit, während der Name “Carl Lippold Braunschweig” den lokalen Lieferanten identifiziert, der als Hoflieferant für militärische Ausrüstung bekannt war.

Besonders bemerkenswert sind die sechs Scharten an der Schneide, die vom Fechten zeugen. Diese authentischen Gebrauchsspuren belegen, dass dieser Degen nicht nur als Zeremonienwaffe, sondern auch für die Fechtausbildung der Offiziere verwendet wurde. Das Fechten gehörte zur obligatorischen Ausbildung preußischer und deutscher Offiziere im 19. Jahrhundert und diente sowohl der körperlichen Ertüchtigung als auch der Ehrenerziehung.

Das Stahlgefäß mit dem durchbrochen gearbeiteten Herrschermonogramm zeigt die typische Metallbearbeitung der 1890er Jahre. Die ursprüngliche Vernickelung, von der nur noch Reste vorhanden sind, war eine damals moderne Oberflächenbehandlung, die Korrosionsschutz bieten sollte. Die darunter liegende Verkupferung, die nun stärker durchkommt, war die übliche Grundierung für die Vernickelung. Der Rochenhautgriff mit Drahtwicklung entsprach den preußischen Regulierungen für Infanterieoffiziersdegen und bot einen sicheren Halt auch mit Handschuhen.

Die vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Tragringen ermöglichte das Tragen am Säbelgehänge, wie es für Infanterieoffiziere vorgeschrieben war. Die zu 80% erhaltene Vernickelung der Scheide ist für ein über 130 Jahre altes Stück bemerkenswert gut erhalten.

Die Unterscheidung zwischen dem “alten Modell” und späteren Versionen des Infanteriedegens ist wichtig für das Verständnis der Evolution militärischer Blankwaffen. Mit der Einführung des Infanterie-Degens Modell 1889 für die preußische Armee begannen auch andere deutsche Kontingente, ihre Muster anzupassen. Das hier beschriebene Stück repräsentiert die Übergangszeit, in der traditionelle Formen noch neben moderneren Standardisierungen existierten.

Die Gesamtlänge von 101 cm entspricht den zeitgenössischen Vorschriften für Infanterieoffiziersdegen, die eine praktikable Balance zwischen Repräsentation und Funktionalität gewährleisten sollten. Im späten 19. Jahrhundert hatte der Degen seine Bedeutung als Kampfwaffe weitgehend verloren und diente primär als Rangabzeichen und Zeremonienwaffe, behielt aber seinen Stellenwert in der militärischen Hierarchie und Tradition bei.

Solche Degen waren persönliches Eigentum der Offiziere und wurden häufig bei spezialisierten Hoflieferanten wie Carl Lippold erworben. Die Qualität der Verarbeitung und die Verwendung hochwertiger Materialien reflektierten den sozialen Status des Trägers innerhalb der militärischen Gesellschaft des Kaiserreichs.

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