III. Reich Feuerwehr Extraseitengewehr .

Lange Ausführung, ermattete Vernickelung auf der Klinge sowie auf dem Zinkgefäß, auf der Fehlschärfe Stempel des Lieferanten "Horst Wolf GmbH, Leipzig. G 1",  vernietete Griffschale, die rückseitige weist ein Spannungsriss auf, die Scheide nachlackiert. Getragen mit Alterspuren. Zustand 2-
394389
200,00

III. Reich Feuerwehr Extraseitengewehr .

Das Feuerwehr-Extraseitengewehr aus der Zeit des Dritten Reiches stellt ein interessantes Zeugnis der deutschen Uniformierungs- und Ausrüstungsgeschichte der 1930er und 1940er Jahre dar. Diese spezielle Form des Seitengewehrs wurde von Angehörigen der deutschen Feuerwehren als Teil ihrer Dienstuniform getragen und vereinte praktische, repräsentative und symbolische Funktionen.

Die deutschen Feuerwehren erfuhren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine grundlegende Reorganisation. Im Zuge der Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche wurden die zuvor kommunal und regional organisierten Feuerwehren in eine zentral gesteuerte Organisation überführt. Mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 wurde die Feuerwehr als “Feuerschutzpolizei” Teil der Ordnungspolizei und damit dem Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstellt. Diese Militarisierung der Feuerwehr spiegelte sich auch in der Uniformierung und Bewaffnung wider.

Das vorliegende Seitengewehr zeigt die typischen Merkmale der langen Ausführung, die hauptsächlich von Offizieren und höheren Chargen getragen wurde. Die Klinge weist eine ermattete Vernickelung auf, ein Verfahren, bei dem die Metalloberfläche durch chemische oder mechanische Behandlung matt gemacht wurde, um störende Lichtreflexe zu vermeiden. Das Zinkgefäß war eine kostengünstige Alternative zu Messingausführungen und wurde besonders in den Kriegsjahren aufgrund der Metallknappheit verwendet.

Besonders bemerkenswert ist der Stempel des Lieferanten “Horst Wolf GmbH, Leipzig. G 1” auf der Fehlschärfe der Klinge. Die Firma Horst Wolf war einer von mehreren Herstellern und Lieferanten von Blankwaffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen während der Zeit des Dritten Reiches. Leipzig war ein bedeutendes Zentrum der deutschen Metallindustrie und beherbergte zahlreiche Firmen, die für Wehrmacht, Polizei und paramilitärische Organisationen produzierten. Die Kennzeichnung “G 1” deutet auf eine spezifische Produktionscharge oder Modellvariante hin.

Die vernieteten Griffschalen waren typisch für die Fertigung dieser Periode. Im Gegensatz zu früheren, aufwendigeren Konstruktionen mit verschraubten oder verleimten Griffen bot die Nietung eine robuste und kosteneffiziente Verbindungsmethode. Die Griffschalen bestanden meist aus Holz oder Kunststoff und waren häufig in dunklen Farbtönen gehalten.

Die Funktion des Feuerwehr-Seitengewehrs war primär repräsentativer Natur. Anders als Bajonette der Wehrmacht, die als Kampf- und Arbeitswaffe konzipiert waren, diente das Feuerwehrseitengewehr in erster Linie als Statussymbol und zur Vervollständigung der Ausgehuniform bei Paraden, offiziellen Anlässen und Ehrenformationen. Die Klinge war in der Regel nicht für den praktischen Einsatz geschärft, was sich in der Bezeichnung “Fehlschärfe” für den nicht geschärften Teil der Klinge widerspiegelt.

Die Scheide des Seitengewehrs war üblicherweise aus Stahlblech gefertigt und mit einem Lacküberzug versehen. Die im Objektbeschrieb erwähnte Nachlackierung ist bei erhaltenen Stücken nicht ungewöhnlich, da die originale Lackierung durch Gebrauch und Lagerung oft beschädigt wurde. Sammler und Besitzer versuchten häufig, den optischen Zustand durch Restaurierung zu verbessern, wobei dies aus musealer Sicht nicht immer wünschenswert ist.

Im Kontext der militärischen Hierarchie und Symbolik des Dritten Reiches spielten Blankwaffen eine wichtige Rolle. Sie dienten der visuellen Unterscheidung der Dienstgrade und Organisationszugehörigkeit. Die Feuerwehr als Teil des staatlichen Sicherheitsapparats wurde durch solche Ausrüstungsgegenstände in die nationalsozialistische Ordnungsstruktur eingebunden.

Nach 1945 wurden solche Gegenstände in beiden deutschen Staaten aus dem Verkehr gezogen. Viele Stücke wurden vernichtet, eingeschmolzen oder umgearbeitet. Die überlebenden Exemplare befinden sich heute in Museen, Sammlungen oder im Antiquitätenhandel. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind sie wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagskultur, der Uniformierung und der Organisationsstrukturen des Dritten Reiches.

Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert erheblich. Altersspuren, Korrosion, mechanische Beschädigungen und unsachgemäße Lagerung haben vielen Stücken zugesetzt. Das beschriebene Exemplar mit seinen Gebrauchsspuren, dem Spannungsriss in der Griffschale und der nachlackierten Scheide ist typisch für viele erhaltene Stücke und dokumentiert sowohl die ursprüngliche Verwendung als auch die wechselvolle Nachkriegsgeschichte.

Aus sammlungsgeschichtlicher Sicht sind Feuerwehr-Seitengewehre des Dritten Reiches heute gesuchte Objekte für Militaria-Sammler und historische Museen. Sie dokumentieren einen spezifischen Aspekt der deutschen Geschichte und sind Teil des materiellen Erbes einer dunklen Epoche, dessen Bewahrung und kritische Aufarbeitung für das historische Verständnis unverzichtbar ist.