Das hier vorgestellte Objekt ist ein Ölgemälde auf Leinwand, das ein junges Mädchen porträtiert und dem Maler Fritz E. Horn aus Dresden zugeschrieben wird. Es befindet sich in einem originalen versilberten Holzrahmen und trägt rechts unten die Künstlersignatur “F.E. Horn”. Auf der Rückseite finden sich ein originales Inventaretikett mit Inventarnummer, ein Künstlerstempel “Fritz E. Horn, Dresden” auf dem Spannrahmen sowie seitlich angenagelte beidseitige Inventar-Siegelplaketten mit der Aufschrift “Ausgestellt im Haus der Deutschen Kunst”, die eine Darstellung der Pallas Athene und des Hoheitsadlers zeigen. Beigefügt ist eine originale Kaufvereinbarung des Haus der Deutschen Kunst München vom 15. Dezember 1942 über einen Kaufpreis von RM 600,–, auf der das Werk mit dem Titel “Erika” bezeichnet wird – dem Namen der dargestellten jungen Dame. Ebenfalls beiliegend ist der offizielle Ausstellungskatalog der Großen Deutschen Kunstausstellung 1943.
Die Große Deutsche Kunstausstellung: Instrument der nationalsozialistischen Kulturpolitik
Die Große Deutsche Kunstausstellung war eine der zentralen kulturpolitischen Veranstaltungen des nationalsozialistischen Regimes. Insgesamt acht Mal wurde sie zwischen 1937 und 1944 im eigens dafür errichteten Haus der Deutschen Kunst in München abgehalten. Dieses monumentale Gebäude im neoklassizistischen Stil wurde zwischen 1933 und 1937 nach Plänen des Architekten Paul Troost auf Geheiß Adolf Hitlers erbaut. Der Grundstein wurde von Hitler persönlich im Oktober 1933 gelegt. Es handelte sich um das erste große architektonische Projekt, das von den Nationalsozialisten in Auftrag gegeben wurde.
In den Ausstellungen wurden rund 900 Kunstwerke pro Ausgabe gezeigt: Akte und Genrebilder, Stillleben, idealisierte Landschaften, mythologische Szenen, Darstellungen von Arbeitern und Helden sowie Porträts von Menschen, die dem propagierten “arischen” Ideal entsprachen. Bei der Eröffnung der ersten Ausstellung 1937 hielt Hitler eine programmatische Rede, in der er unmissverständlich klarstellte, dass das nationalsozialistische Regime ausschließlich Kunst akzeptieren würde, die für Propagandazwecke geeignet war.
Die Auswahl der eingereichten Werke lag in den Händen einer kleinen Gruppe von Vertrauten Hitlers. Im Juni 1937 machte Hitler seinen persönlichen Fotografen Heinrich Hoffmann, den Direktor Karl Kolb und Gerdy Troost für die Selektion verantwortlich. Hitlers persönliche Meinung blieb dabei stets ausschlaggebend. Eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Ausstellung war die Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste, die seit November 1933 für die Ausübung des künstlerischen Berufs verpflichtend war.
Über alle acht Ausstellungen hinweg reichten mehr als 9.000 Maler, Bildhauer und Grafiker Werke ein. Insgesamt wurden 12.550 Exponate gezeigt. Die Ausstellungen wurden von rund 600.000 Menschen besucht, wobei die jährlichen Besucherzahlen zwischen 1937 und 1943 durchschnittlich bei 600.000 lagen. Die achte und letzte Ausstellung im Jahr 1944 zog noch 80.000 Besucher an.
Verkaufsausstellung und wirtschaftliche Dimension
Die Große Deutsche Kunstausstellung war ausdrücklich als Verkaufsausstellung konzipiert. Künstler konnten mit mehreren Werken vertreten sein, in der Regel mit bis zu zehn Arbeiten. Während jeder Ausstellung bot zudem eine “Sonderschau” einem ausgewählten Künstler die Möglichkeit, sich umfassender zu präsentieren. Insgesamt wurde Kunst im Wert von 13 Millionen Reichsmark verkauft. Adolf Hitler allein erwarb Werke für 6,8 Millionen Reichsmark.
Die Ausstellung von 1943
Die Große Deutsche Kunstausstellung 1943, in deren Rahmen das vorliegende Gemälde ausgestellt wurde, war die siebte Ausgabe der Reihe. Sie wurde am 26. Juni 1943 eröffnet und zeigte 1.141 Werke von 660 Künstlern. Die Eröffnung wurde von Joseph Goebbels vorgenommen.
Der Kontrast: “Entartete Kunst”
Als bewusstes Gegenstück zur ersten Großen Deutschen Kunstausstellung 1937 begann einen Tag nach deren Eröffnung die berüchtigte Ausstellung “Entartete Kunst” im Münchner Hofgarten. Diese diente als abschreckendes Beispiel für die von den Nationalsozialisten geächtete moderne und avantgardistische Kunst und verdeutlichte den ideologischen Rahmen, in dem die Große Deutsche Kunstausstellung als Gegenmodell fungierte.
Nachkriegsgeschichte und Aufarbeitung
Nach 1945 wurden zahlreiche Werke aus den Großen Deutschen Kunstausstellungen nicht mehr gezeigt und auch nicht mehr reproduziert. Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München hat in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst und dem Deutschen Historischen Museum, Berlin seit Oktober 2011 begonnen, diese Werke online zugänglich zu machen, um eine gesellschaftliche und kunsthistorische Auseinandersetzung zu ermöglichen. Parallel zu diesem Online-Projekt wurde ein vollständiges Verzeichnis der Künstler im Neuhaus Verlag in Berlin veröffentlicht.
Das Haus der Kunst selbst wurde nach dem Krieg zu einem Symbol für die Rückkehr der Moderne an den Ort, an dem Hitlers “Reinigungsfeldzug” gegen die Avantgarde begonnen hatte. Zu den bedeutendsten Nachkriegsausstellungen zählten “Der Blaue Reiter” (1949), Max Beckmann (1951), Wassily Kandinsky und Paul Klee (1954) sowie die Picasso-Retrospektive im Jahr 1955.
Das vorliegende Gemälde mit seiner vollständigen Dokumentation – einschließlich Kaufvertrag, Inventaretiketten, Siegelplaketten und Ausstellungskatalog – stellt ein seltenes Ensemble dar, das Einblick in die Mechanismen der nationalsozialistischen Kunstpolitik gewährt und als zeitgeschichtliches Dokument von erheblichem Interesse ist.