Königreich Bayern Tschapka Modell 1864/73 für Mannschaften Ulanen

Um 1864, 1873 aptiert. Die Tschapka aus schwarz lackiertem Leder und karmesinrotem Tuch auf Peddigrohr, vorne als Emblem die Chiffre «♔L», silberne Schuppenketten an Löwenkopfaufhängungen, der Verschluss der Schuppenketten vorne mit der Lochung für die Aufhängung an dem kleinen mit einem Löwenkopf verzierten Haken unterhalb des Deckels (dieser 1873 vorschriftsmäßig entfernt; in diesem Jahr wurde die Fangschnur eingeführt und der Löwenkopfhaken von der vorderen Unterseite auf den Deckel verlegt; dieser fehlt bei diesem Exemplar (!) ). Am Deckel eingesteckt der Busch aus weißem Pferdehaar mit der weiß-blauen Kokarde (dieser ab 1864 vorschriftsmäßig, nach 1873 nur noch zur Parade getragen da für den Dienst das neu eingeführte Feldzeichen getragen wurde). Am Vorderschirm die 1873 eingeführte Neusilberschiene angebracht. Innen mit gelaschtem Lederfutter. Größe ca. 54. Zustand 2.

Ein sehr interessantes und seltenes Stück!
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2.650,00

Königreich Bayern Tschapka Modell 1864/73 für Mannschaften Ulanen

Die bayerische Tschapka Modell 1864/73 für Mannschaften der Ulanen stellt ein herausragendes Beispiel preußisch-deutscher Kavallerie-Kopfbedeckungen des 19. Jahrhunderts dar. Diese charakteristische Helm-Form mit ihrem unverwechselbaren quadratischen Deckel wurde ursprünglich von den polnischen Lanzenreitern entwickelt und fand im Laufe des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung in europäischen Armeen.

Im Königreich Bayern wurde die Tschapka mit der Reorganisation der Kavallerie um 1864 für die Ulanen-Regimenter eingeführt. Die bayerischen Ulanen, die als leichte Kavallerie dienten, erhielten damit eine Kopfbedeckung, die sowohl praktische als auch repräsentative Funktionen erfüllte. Die charakteristische Form sollte Tradition und Modernität vereinen und die Zugehörigkeit zu dieser elitären Waffengattung unterstreichen.

Die Konstruktion der Tschapka zeigt die handwerkliche Kunstfertigkeit der damaligen Zeit. Der Grundkörper besteht aus schwarz lackiertem Leder, das auf einem Gerüst aus Peddigrohr aufgebaut ist. Dieses Material bot sowohl Stabilität als auch relative Leichtigkeit – wichtige Eigenschaften für eine Kopfbedeckung, die bei langen Ritten getragen werden musste. Der karmesinrote Tuchbezug am oberen Teil entsprach den bayerischen Kavallerie-Traditionen und setzte einen deutlichen Farbakzent.

Das Emblem mit der Chiffre “L” auf der Vorderseite verweist auf König Ludwig II. von Bayern, der von 1864 bis 1886 regierte. Diese persönliche Chiffre des Monarchen war ein typisches Element der bayerischen Militär-Uniformierung und symbolisierte die direkte Verbindung zwischen dem Soldaten und seinem Landesherrn. Die silbernen Schuppenketten mit ihren charakteristischen Löwenkopf-Aufhängungen dienten nicht nur der Befestigung, sondern waren auch dekorative Elemente, die den repräsentativen Charakter der Kopfbedeckung unterstrichen.

Die Modifikation von 1873 markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt in der bayerischen Kavallerie-Ausrüstung. In diesem Jahr wurden mehrere Änderungen an der Tschapka vorgenommen, die sowohl praktische als auch regulatorische Gründe hatten. Die bedeutendste Neuerung war die Einführung der Fangschnur, die eine sicherere Befestigung am Kopf des Trägers gewährleistete. Gleichzeitig wurde der kleine Löwenkopfhaken von seiner ursprünglichen Position an der vorderen Unterseite des Deckels auf den Deckel selbst verlegt.

Der weiße Rosshaarbüsch mit der weiß-blauen Kokarde war ab 1864 vorschriftsmäßiger Bestandteil der Tschapka. Die bayerischen Landesfarben Weiß und Blau in der Kokarde betonten die regionale Identität innerhalb der deutschen Militär-Tradition. Nach 1873 wurde dieser auffällige Büsch nur noch zur Parade getragen, während für den täglichen Dienst das neu eingeführte Feldzeichen verwendet wurde – eine praktische Anpassung an die Erfordernisse des militärischen Alltags.

Die Neusilberschiene am Vorderschirm, die 1873 eingeführt wurde, diente sowohl dem Schutz als auch der optischen Aufwertung. Neusilber, eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, war ein beliebtes Material für militärische Beschläge, da es silberähnlich glänzte, aber wesentlich kostengünstiger und haltbarer war als echtes Silber.

Die bayerischen Ulanen spielten eine wichtige Rolle in der Militärgeschichte des Königreichs. Als leichte Kavallerie waren sie für Aufklärung, Flankendeckung und schnelle Vorstöße zuständig. Ihre Bewaffnung mit Lanzen – dem namensgebenden Merkmal der Ulanen – machte sie zu einer furchterregenden Erscheinung auf dem Schlachtfeld. Die prächtige Uniform mit der charakteristischen Tschapka trug zur Legendenbildung dieser Truppengattung bei.

Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und in den folgenden Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg bildeten die bayerischen Ulanen einen integralen Bestandteil der deutschen Kavallerie. Die Tschapka blieb bis 1914 offizielle Kopfbedeckung, wurde dann aber durch praktischere Feldmützen ersetzt, als die Realitäten des modernen Krieges die traditionellen, auffälligen Uniformen obsolet machten.

Die handwerkliche Ausführung mit gelaschem Lederfutter im Inneren zeigt die Sorgfalt, mit der diese Kopfbedeckungen hergestellt wurden. Das Laschen – eine spezielle Verbindungstechnik von Lederteilen – sorgte für Haltbarkeit und Tragekomfort. Die angegebene Größe von etwa 54 entspricht einem mittleren Kopfumfang und war eine gängige Standardgröße.

Heute sind original erhaltene Tschapkas aus der Zeit zwischen 1864 und 1873 äußerst selten und von hohem historischem sowie sammlerischem Wert. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Uniformgeschichte Bayerns, sondern auch die handwerklichen Traditionen und die gesellschaftliche Bedeutung des Militärs im 19. Jahrhundert. Jedes erhaltene Exemplar ist ein wichtiges Zeugnis dieser Epoche und trägt zur Erforschung der Militärgeschichte bei.