NSDAP - Kreis-Parteitag Krefeld-Uerdingen 4.-9.11.1934
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert einen bedeutenden NSDAP-Kreis-Parteitag, der vom 4. bis 9. November 1934 in Krefeld-Uerdingen stattfand. Dieses Objekt repräsentiert die umfangreiche Erinnerungskultur der nationalsozialistischen Bewegung und gibt Einblick in die Organisationsstruktur und Propagandamethoden der Partei auf regionaler Ebene.
Die NSDAP organisierte ihre politischen Aktivitäten in einer streng hierarchischen Struktur, die vom Reichsparteitag in Nürnberg bis hinunter zu den Kreis-Parteitagen reichte. Diese regionalen Parteitage dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die lokale Mitgliedschaft mobilisieren, die Bindung zur Partei stärken und die nationalsozialistische Ideologie in der Bevölkerung verankern. Der Kreis Krefeld-Uerdingen gehörte zum Gau Düsseldorf und war ein wichtiges industrielles Zentrum im Rheinland.
Das Datum des Parteitags, vom 4. bis 9. November, ist von besonderer symbolischer Bedeutung. Der 9. November war für die NSDAP ein zentraler Gedenktag, da an diesem Tag 1923 der gescheiterte Hitler-Ludendorff-Putsch in München stattfand. Dieser misslungene Umsturzversuch wurde von den Nationalsozialisten nach 1933 zu einem Gründungsmythos der Bewegung verklärt. Die sogenannten “Blutzeugen” der Bewegung wurden alljährlich am 9. November besonders geehrt, und viele lokale Parteiveranstaltungen wurden bewusst um dieses Datum herum organisiert.
Das Abzeichen selbst zeigt charakteristische Merkmale der NS-Heraldik: Es besteht aus versilbertem Eisen mit einem geschwärzten Hakenkreuz, wurde massiv geprägt und verfügt über eine Nadelbefestigung zur Anbringung an der Kleidung. Diese Fertigungstechnik war typisch für Parteiabzeichen der mittleren bis gehobenen Qualitätsstufe. Im Gegensatz zu einfachen Blechabzeichen oder hochwertigen Ausführungen in Silber oder Bronze stellten versilberte Eisenabzeichen einen Kompromiss zwischen Repräsentativität und Wirtschaftlichkeit dar.
Solche Abzeichen wurden in der Regel an Teilnehmer, Funktionäre und besondere Gäste der Veranstaltungen ausgegeben. Sie dienten als Erinnerungsstücke, aber auch als Ausweise der Teilnahme und der Loyalität zur Partei. Das Tragen solcher Abzeichen war Teil der nationalsozialistischen Selbstdarstellung und des Gemeinschaftserlebnisses, das die NSDAP systematisch zu inszenieren verstand.
Die Stadt Krefeld und der Stadtteil Uerdingen hatten als Zentren der Textilindustrie besondere wirtschaftliche Bedeutung. Die NSDAP versuchte nach der Machtergreifung 1933, auch in traditionell sozialdemokratischen und katholischen Industrieregionen des Rheinlands Fuß zu fassen. Solche Parteitage waren wichtige Instrumente dieser Durchdringungsstrategie.
Ein mehrtägiger Kreis-Parteitag umfasste typischerweise verschiedene Programmpunkte: Aufmärsche der verschiedenen Parteigliederungen (SA, SS, Hitler-Jugend, BDM), politische Reden lokaler und regionaler Funktionäre, kulturelle Veranstaltungen, Fackelzüge und Appelle. Diese Inszenierungen folgten dem Vorbild der großen Reichsparteitage in Nürnberg, wenn auch in kleinerem Maßstab.
Das Jahr 1934 war für die NSDAP von besonderer Bedeutung. Nach der sogenannten “Röhm-Affäre” im Juni 1934, bei der die SA-Führung ausgeschaltet wurde, festigte Hitler seine Macht weiter. Mit dem Tod Hindenburgs im August 1934 und der Verschmelzung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers zum “Führer und Reichskanzler” war die Machtkonsolidierung weitgehend abgeschlossen. Parteitage im Herbst 1934 fanden somit in einer Phase der Stabilisierung des NS-Regimes statt.
Aus historischer Perspektive sind solche Abzeichen wichtige Sachzeugen der NS-Zeit. Sie dokumentieren die Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Partei und ihre allgegenwärtige Symbolik. Die massenhafte Produktion solcher Erinnerungsstücke zeigt auch die ökonomische Dimension der NS-Propaganda: Zahllose Werkstätten und Firmen waren mit der Herstellung von Parteiabzeichen, Plaketten und anderen symbolischen Objekten beschäftigt.
Der Erhaltungszustand “2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, bei dem die Versilberung und die Details der Prägung noch weitgehend intakt sind. Dies ist bemerkenswert, da viele dieser Abzeichen aus unedlen Metallen im Laufe der Jahrzehnte korrodiert oder beschädigt wurden.
Heute dienen solche Objekte in Museen, Archiven und wissenschaftlichen Sammlungen als Anschauungsmaterial für die historische Forschung und Bildung. Sie helfen, die Mechanismen totalitärer Herrschaft, die Rolle von Symbolik und Propaganda sowie die alltägliche Durchdringung der Gesellschaft durch das NS-Regime zu verstehen und zu vermitteln.