Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im 2. Garde-Ulanen-Regiment

Standort Berlin, um 1910. Maße 10.6 x 16.5 cm. Zustand 2.

431989
40,00

Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im 2. Garde-Ulanen-Regiment

Das 2. Garde-Ulanen-Regiment gehörte zu den prestigeträchtigsten Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee und verkörperte die militärische Pracht des Deutschen Kaiserreichs in seiner Hochphase. Das um 1910 entstandene, teilkolorierte Kabinettfoto dokumentiert nicht nur einen einzelnen Soldaten, sondern repräsentiert eine ganze Epoche preußisch-deutscher Militärgeschichte kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Das Regiment wurde 1817 als zweite Ulanen-Einheit der preußischen Garde aufgestellt und hatte seinen Standort in Berlin, der Hauptstadt des Königreichs Preußen und späteren Deutschen Reiches. Die Ulanen, eine Kavallerie-Waffengattung polnischen Ursprungs, zeichneten sich durch ihre charakteristische Uniform mit der markanten Tschapka (Ulanenmütze) aus. Das 2. Garde-Ulanen-Regiment trug die Regimentsnummer in der preußischen Armee und stand unter besonderer königlicher Protektion.

Die Kabinettfotografie etablierte sich ab den 1860er Jahren als beliebtes Format für Portraitaufnahmen. Mit Maßen von etwa 10 x 15 cm bot sie gegenüber der kleineren Visitkarte mehr Raum für Details und wurde besonders für repräsentative Aufnahmen geschätzt. Soldatenportraits in Uniform waren äußerst populär und dienten sowohl der persönlichen Erinnerung als auch der Demonstration des militärischen Status. Die Teilkolorierung solcher Fotografien war eine verbreitete Praxis, bei der bestimmte Uniformelemente wie Kragenspiegel, Achselklappen, Knöpfe oder Orden nachträglich von Hand mit Farbe versehen wurden, um die militärische Zugehörigkeit deutlicher hervorzuheben.

Um 1910 befand sich das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. in einer Phase wirtschaftlicher Prosperität und militärischer Stärke, aber auch wachsender internationaler Spannungen. Die preußische Armee, als dominierende Kraft innerhalb der deutschen Streitkräfte, pflegte ihre Traditionen mit besonderer Sorgfalt. Die Garde-Regimenter in Berlin genossen höchstes Ansehen und rekrutierten ihre Offiziere vorwiegend aus dem Adel und wohlhabenden Bürgertum.

Die Uniform des 2. Garde-Ulanen-Regiments folgte den charakteristischen Merkmalen der Ulanen: Die dunkelblaue Ulanka (Ulanenjacke) mit den regimentstypischen Aufschlägen, die Tschapka mit dem Totenkopf-Emblem, welches die preußischen Garde-Ulanen als besonderes Distinktionsmerkmal trugen, sowie die eng anliegende Reithose mit Lederbesatz. Die Farbgebung der Abzeichen - in diesem Fall scharlachrot - kennzeichnete die spezifische Regimentszugehörigkeit gemäß den preußischen Uniformvorschriften.

Fotografische Ateliers in Berlin, besonders in der Nähe von Kasernen, spezialisierten sich auf Soldatenportraits. Diese Aufnahmen folgten einem etablierten Schema: Der Soldat wurde in voller Uniform, oft mit Waffe oder Lanze, in einer würdevollen Pose abgelichtet. Der Hintergrund war typischerweise neutral oder zeigte gemalte Kulissen mit militärischen oder patriotischen Motiven. Die Qualität der Aufnahme und die sorgfältige Kolorierung weisen auf ein professionelles Atelier hin.

Die Zeit um 1910 markierte den Höhepunkt, aber auch den Beginn des Endes der traditionellen Kavalleriekriegführung. Während die prachtvollen Uniformen und die Kavallerie-Traditionen noch gepflegt wurden, deuteten technologische Entwicklungen wie das Maschinengewehr und die moderne Artillerie bereits auf die veränderte Kriegführung hin, die im Ersten Weltkrieg offenbar werden sollte. Das 2. Garde-Ulanen-Regiment würde 1914 in den Krieg ziehen, wobei die stolzen Reiter bald feststellen mussten, dass ihre traditionelle Rolle im modernen Stellungskrieg nur noch begrenzt möglich war.

Solche Kabinettfotos besitzen heute militärhistorischen und kulturgeschichtlichen Wert. Sie dokumentieren nicht nur Uniformdetails und militärische Organisation, sondern auch soziale Strukturen, fotografische Techniken und die Selbstdarstellung des wilhelminischen Deutschland. Für Sammler und Historiker sind sie wichtige Quellen zur Rekonstruktion von Uniformierung und zur Erforschung der Mentalitätsgeschichte des Kaiserreichs. Der Erhaltungszustand solcher über hundert Jahre alter Fotografien variiert; professionelle Aufnahmen auf hochwertigem Karton haben oft die Zeit besser überstanden als einfachere Produktionen.