Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten ( RTB ) - silberne Ehrennadel für 10 jährige Mitgliedschaft
Die silberne Ehrennadel des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten (RTB) für zehnjährige Mitgliedschaft stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Veteranenorganisationen der Weimarer Republik und des Dritten Reiches dar. Diese von der Berliner Firma Gante hergestellte Auszeichnung dokumentiert die institutionelle Entwicklung militärischer Kameradschaftsverbände in einer der turbulentesten Perioden der deutschen Geschichte.
Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten wurde in den frühen 1920er Jahren gegründet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Organisationen für ausgediente Berufsoffiziere und Unteroffiziere der kaiserlichen Armee. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 sahen sich tausende ehemalige Berufssoldaten mit einer völlig veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation konfrontiert. Die drastische Verkleinerung der deutschen Streitkräfte auf die im Versailler Vertrag festgelegte Höchststärke von 100.000 Mann bedeutete für viele das Ende ihrer militärischen Laufbahn.
Der RTB verstand sich als Interessenvertretung dieser Berufsoldaten und verfolgte mehrere Ziele: die Wahrung sozialer und wirtschaftlicher Interessen seiner Mitglieder, die Pflege kameradschaftlicher Verbundenheit sowie die Bewahrung militärischer Traditionen. In der Weimarer Republik spielte der Verband eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen und der Unterstützung bedürftiger ehemaliger Soldaten. Anders als der wesentlich größere Stahlhelm-Bund, der sich auch politisch stark engagierte, konzentrierte sich der RTB primär auf die Betreuung seiner Mitglieder.
Die hier beschriebene silberne Ehrennadel wurde für zehnjährige Mitgliedschaft verliehen und gehörte zu einem gestaffelten System von Auszeichnungen, das die Treue und Verbundenheit langjähriger Mitglieder würdigte. Solche Ehrenzeichen waren in der deutschen Vereinskultur weit verbreitet und dienten der Motivation und Bindung der Mitglieder. Die Anfertigung durch die Firma Gante Berlin, die mit dem Zusatz “GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt) gekennzeichnet ist, weist auf einen offiziell autorisierten Hersteller hin.
Die Berliner Firma Gante gehörte zu den etablierten Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Vereinsabzeichen in der Reichshauptstadt. Die Qualität der Ausführung und die Verwendung von Silber unterstreichen den Wert, den der Verband dieser Auszeichnung beimaß. Die lange Nadel auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung, typischerweise am Revers.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderte sich die Situation der Veteranenverbände grundlegend. Im Zuge der Gleichschaltung wurden viele Organisationen entweder aufgelöst oder in nationalsozialistische Strukturen eingegliedert. Der RTB wurde in das NS-Reichskriegerbund (NSRKB) integriert, der ab 1938 die alleinige Vertretung aller ehemaligen Soldaten beanspruchte. Dennoch blieben viele traditionelle Abzeichen und Ehrenzeichen in Gebrauch, da sie die Kontinuität zu den früheren Organisationen symbolisierten.
Aus historischer Perspektive sind solche Ehrennadeln wichtige Quellen für die Erforschung der Veteranenkultur der Zwischenkriegszeit. Sie dokumentieren die organisatorische Struktur, die Mitgliederbindung und die Selbstdarstellung dieser Verbände. Die Tatsache, dass für zehnjährige Mitgliedschaft eine silberne Nadel verliehen wurde, deutet darauf hin, dass der Verband bereits in den 1920er Jahren aktiv war und einen stabilen Mitgliederstamm aufbauen konnte.
Die gesellschaftliche Bedeutung solcher Veteranenorganisationen kann kaum überschätzt werden. Sie boten nicht nur materielle Unterstützung und soziale Integration, sondern prägten auch das kollektive Gedächtnis des Ersten Weltkrieges. Die Deutung der Kriegserfahrungen und die Tradierung militärischer Werte durch diese Verbände hatten erheblichen Einfluss auf die politische Kultur der Weimarer Republik.
Heute sind solche Ehrennadeln gefragte Sammlerstücke, die Einblick in die komplexe Geschichte der deutschen Veteranenbewegung geben. Sie erinnern an eine Zeit, in der militärische Traditionen und kameradschaftliche Bindungen eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben spielten. Als historische Artefakte dokumentieren sie die Bemühungen ehemaliger Soldaten, in einer sich rapide wandelnden Welt ihre Identität und Gemeinschaft zu bewahren.