SA Dienstrock, Schaftmütze und Braunhemd aus dem Besitz des Blutordensträgers SA-Hauptsturmführer Johann Steiner der SA-Jägerstandarte 44, SA-Gruppe Oberdonau

Standort Steyr, Gruppe Oberdonau, um 1939. 4-Taschenrock in schwerer Tuchqualität, komplett mit allen Effekten. Die Kragenspiegel gestickt Grün auf Rotbraun mit umlaufender weißer Kordel, auf der linken Seite die Rangstreifen passend mit rotbraunem Mittelstreifen, per Hand vernäht. Eingenähte Schulterstücke in Cellonausführung auf dunkelgrünem Tuch für die SA-Jägerstandarten, unter dem rechten Schulterstück mit RZM-Papieretikett. Auf dem linken Arm schwere genähte Wollarmbinde, die Knöpfe vernickelt. Die Ärmel mit silbernen Traditionslitzen für altgediente SA-Männer mit Diensteintritt ab 1929. Auf der Brust Schlaufen die Feldspange mit 7 Auszeichnungen: EK 1914 2. Klasse, Österreich 2 x bronzene Tapferkeitsmedaille, Karl Truppenkreuz, Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1914-1918, Erinnerungsmedaille 1. Oktober 1938., Ungarn Kriegsdenkmünze 1914-1918. Auf der rechten Brusttasche das vernähte Ordensband zum Ehrenzeichen des 9. November 1923, dem sogenannten Blutorden. Innen mit SA-olivem Futter, in der Innentasche mit RZM-Stoffetikett "SA-Dienstrock W." Dazu das passende braune Diensthemd mit brauner Krawatte.
Schaftmütze für Führer der SA Gruppe Donau, um 1939. Fertigung aus dem gleichen Trikottuch wie der Dienstrock. Weinroter Mützenbesatz, komplett mit Hoheitsadler aus Aluminium, vernickelter Knopf, brauner Ledersturmriemen, oben mit umlaufender Silberkordel. Seitlich mit weinroter Stoffraute und dem Edelweiß der SA-Gruppe Donau. Innen mit braunem Schweißband, mit RZM-Stoffetikett "Tuchmütze", Wachstuchdeckel, Größe 58. Leicht getragen, Zustand 2.
Weiterhin das Braunhemd, Fertigung aus schwerem Baumwolltuch, komplett mit allen Effekten, Bandspange und Band zum Blutorden in der gleichen Ausführung wie der Dienstrock. Beide Teile leicht getragen in gutem Zustand.
Johann Steiner, geboren am 23. April 1890 war ein dekorierter Frontkämpfer im 1. Weltkrieg. Nach 1918 war Steiner in Österreich in der SA sehr aktiv. Nach dem Anschluß Österreichs 1938 erhielt Hanns Steiner gemäß der Vorschlagsliste IX vom 20. Juli 1938 das Ehrenzeichen vom 9. November 1923. Die genaue Verleihungsnummer seines Blutordens ist leider nicht bekannt, liegt aber bei ca. Nr. 2150 bis 2160 .
Ein extrem seltenes Ensemble, nur ganz selten zu finden ! Ex-Sammlung Bob Coleman, USA.
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SA-Dienstuniform-Ensemble eines Blutordensträgers der SA-Jägerstandarte 44, SA-Gruppe Oberdonau

Dieses bemerkenswerte dreiteilige Uniformensemble – bestehend aus Dienstrock, Schaftmütze und Braunhemd – gehörte dem SA-Hauptsturmführer Johann Steiner, einem Veteranen des Ersten Weltkriegs und Träger des Ehrenzeichens vom 9. November 1923, des sogenannten Blutordens. Es dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die Verschmelzung österreichischer SA-Strukturen mit dem reichsdeutschen System nach dem Anschluss Österreichs im März 1938.

Der historische Kontext: Anschluss und die SA-Gruppe Oberdonau

Nach der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurde das Land in Reichsgaue reorganisiert. Oberösterreich wurde zum Reichsgau Oberdonau mit der Hauptstadt Linz unter der Führung von Gauleiter August Eigruber. Parallel dazu wurde die SA-Gruppe Oberdonau als Teil dieser Neustrukturierung aufgestellt. Die SA-Jägerstandarte 44 (J 44), der Steiner angehörte, hatte ihren Standort in Steyr in der Mitteregasse 19. Laut einem Verzeichnis von 1940 wurde die Standarte von SA-Sturmbannführer Karl Falter kommandiert.

Johann Steiner – Vom Frontsoldat zum SA-Führer

Johann Steiner, geboren am 23. April 1890, war ein vielfach ausgezeichneter Frontsoldat des Ersten Weltkriegs. Seine am Dienstrock angebrachte Feldspange mit sieben Auszeichnungen bezeugt seinen umfangreichen Kriegsdienst: das Eiserne Kreuz 1914 2. Klasse, zwei österreichische Bronzene Tapferkeitsmedaillen, das Karl-Truppenkreuz, das Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1914–1918, die Erinnerungsmedaille vom 1. Oktober 1938 sowie die ungarische Kriegsdenkmünze 1914–1918. Diese Kombination aus deutschen, österreichischen und ungarischen Auszeichnungen spiegelt den multinationalen Charakter der k.u.k. Armee wider, in der Steiner zweifellos gedient hatte.

Nach 1918 wurde Steiner in Österreich in der SA sehr aktiv. Die silbernen Traditionslitzen an den Ärmeln seines Dienstrocks weisen auf einen Diensteintritt ab 1929 hin und kennzeichnen ihn als altgedienten SA-Mann. Dies bedeutet, dass Steiner bereits Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und lange vor dem Anschluss Österreichs in der verbotenen österreichischen SA tätig war.

Der Blutorden und die österreichischen Empfänger

Das am prominentesten platzierte Abzeichen an diesem Uniformensemble ist das auf der rechten Brusttasche vernähte Ordensband zum Ehrenzeichen des 9. November 1923 – dem Blutorden. Diese Auszeichnung wurde im März 1934 von Adolf Hitler gestiftet, um an den gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923 in München (den sogenannten Bürgerbräu-Putsch) zu erinnern.

Ursprünglich war der Blutorden nur direkten Teilnehmern des Putsches vorbehalten. Mit dem 30. Mai 1938 wurde der Empfängerkreis jedoch erweitert und schloss nun auch österreichische Nationalsozialisten ein, die wegen ihrer NS-Aktivitäten während der illegalen Periode vor 1938 Gefängnisstrafen von mindestens einem Jahr verbüßt hatten. Johann Steiner erhielt den Blutorden gemäß der Vorschlagsliste IX vom 20. Juli 1938. Insgesamt wurden weniger als 6.000 Blutorden verliehen, was die Auszeichnung zu einer der seltensten Dekorationen des Dritten Reiches macht.

Die Uniform im Detail

Der Viertaschenrock ist aus schwerem Tuch gefertigt und zeigt die vollständige Rangabzeichnung eines SA-Hauptsturmführers. Die Kragenspiegel sind grün auf rotbraunem Grund gestickt und von einer weißen Kordel eingefasst. Die Rangstreifen auf der linken Kragenspiegelseite sind per Hand vernäht. Die Schulterstücke in Cellonausführung auf dunkelgrünem Tuch kennzeichnen die Zugehörigkeit zu den SA-Jägerstandarten – Jäger- bzw. Schützenregimentern, die sich durch dieses dunkelgrüne Unterlage von anderen SA-Einheiten unterschieden. Ein RZM-Papieretikett unter dem rechten Schulterstück sowie ein RZM-Stoffetikett mit der Bezeichnung “SA-Dienstrock W.” in der Innentasche belegen die vorschriftsmäßige Fertigung unter Aufsicht der Reichszeugmeisterei (RZM). Diese zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP wurde 1934 in München eingerichtet und vergab ab 1935 Herstellungslizenzen und Qualitätsstempel an zugelassene Produzenten.

Die Schaftmütze ist aus dem gleichen Trikottuch wie der Dienstrock gefertigt und zeigt einen weinroten Mützenbesatz. Seitlich befindet sich eine weinrote Stoffraute mit dem Edelweiß der SA-Gruppe Donau. Das Farbsystem der SA-Gruppen war in den 1930er Jahren standardisiert worden, wobei Kragen- und Mützenfarben die Gruppenzugehörigkeit des Trägers anzeigten. Die Mütze trägt ebenfalls ein RZM-Stoffetikett mit der Bezeichnung “Tuchmütze”.

Das Braunhemd aus schwerem Baumwolltuch vervollständigt das Ensemble und trägt die gleiche Bandspange und das Band zum Blutorden in identischer Ausführung wie der Dienstrock.

Provenienz und Nachkriegsgeschichte

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands im Mai 1945 wurde der Reichsgau Oberdonau aufgelöst und das Gebiet der österreichischen Verwaltung zurückgegeben. Die SA wurde verboten und aufgelöst. Der Blutorden und alle Parteiauszeichnungen der NSDAP wurden untersagt. In Deutschland und Österreich ist das Zeigen des Blutordens heute nach den Gesetzen zum Verbot nationalsozialistischer Symbole illegal.

Das Uniformensemble gelangte in die Sammlung von Bob Coleman in den USA und wurde anschließend zum Verkauf angeboten. Es stellt als vollständiges, einem konkreten und identifizierbaren Träger zuzuordnendes Ensemble ein bedeutendes Zeitdokument dar, das die Geschichte der österreichischen SA-Strukturen nach dem Anschluss und die Rolle ehemaliger Frontsoldaten in der nationalsozialistischen Bewegung greifbar macht.

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