SS Porzellanmanufaktur Allach - farbiger Foxl stehend

Entwurf Prof. Theodor Kärner, Nr. 19. Weißes, glasiertes Porzellan, farbig lackiert, auf der Unterseite mit Herstellermarke unter der Glasur. Unbeschädigt. Zustand 2+.
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1.850,00

SS Porzellanmanufaktur Allach - farbiger Foxl stehend

Die Porzellan-Manufaktur Allach stellt ein komplexes und problematisches Kapitel der deutschen Kunsthandwerksgeschichte dar. Die Manufaktur wurde 1935 von Franz Nagy in München-Allach gegründet und produzierte zunächst künstlerische Porzellanfiguren und Zierkeramik. Im Jahr 1936 wurde sie von der SS übernommen und in das wirtschaftliche Imperium der SS eingegliedert, wo sie unter der Verwaltung der Deutschen Wirtschaftsbetriebe (DWB) operierte.

Der hier beschriebene “Foxl” gehört zu einer Serie von Tierdarstellungen, die von Professor Theodor Kärner (1885-1966) entworfen wurden, einem anerkannten Bildhauer und Tierplastiker seiner Zeit. Kärner, der ursprünglich aus Kassel stammte, hatte sich auf naturalistische Tierdarstellungen spezialisiert und arbeitete für verschiedene Porzellanmanufakturen. Seine Entwürfe für Allach, insbesondere Tiermodelle wie Hunde, Pferde und andere Tiere, waren technisch anspruchsvoll und künstlerisch hochwertig.

Die Bezeichnung “Foxl” bezieht sich auf einen stehenden Foxterrier, eine Hunderasse, die in den 1930er und 1940er Jahren in Deutschland sehr beliebt war. Das Modell trägt die Nummer 19 im Produktionskatalog der Manufaktur. Die farbige Lackierung auf dem weißen, glasierten Porzellan war eine besondere Technik, die zusätzlichen Produktionsaufwand erforderte und diese Stücke im Vergleich zu den rein weißen Varianten wertvoller machte.

Die Herstellermarke auf der Unterseite, die unter der Glasur angebracht wurde, ist charakteristisch für Allach-Produkte. Sie bestand typischerweise aus einer stilisierten Doppel-Sig-Rune, oft begleitet von der Inschrift “Allach” und einer Modellnummer. Diese Markierung diente sowohl als Qualitätssiegel als auch als Herkunftsnachweis.

Die Produktion in Allach erfolgte unter problematischen Umständen. Nach der Übernahme durch die SS wurde die Manufaktur erheblich erweitert und 1940 eine zweite Produktionsstätte im Konzentrationslager Dachau eingerichtet. Dort wurden Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt. Es ist historisch dokumentiert, dass die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS, einschließlich der Porzellanherstellung, Teil eines Systems der Ausbeutung waren.

Die künstlerischen Produkte der Manufaktur Allach wurden zu verschiedenen Zwecken verwendet. Sie dienten als repräsentative Geschenke innerhalb der SS-Hierarchie, wurden bei offiziellen Anlässen überreicht und waren auch kommerziell erhältlich. Die Tierfiguren wie der Foxl waren besonders als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke beliebt und wurden in verschiedenen SS-Publikationen beworben.

Professor Kärner selbst war kein Mitglied der NSDAP oder SS, arbeitete aber als freischaffender Künstler für die Manufaktur. Seine Tierplastiken wurden für ihre anatomische Genauigkeit und lebensechte Darstellung geschätzt. Nach dem Krieg setzte Kärner seine künstlerische Arbeit fort und entwarf Modelle für andere Porzellanmanufakturen.

Nach 1945 wurde die Produktion in Allach eingestellt. Die Formen und Modelle wurden teilweise von anderen Manufakturen übernommen, wobei die SS-Symbolik entfernt wurde. Die historische Bewertung dieser Objekte ist bis heute umstritten. Sie werden als Zeugnisse des nationalsozialistischen Wirtschaftssystems und der Zwangsarbeit betrachtet, gleichzeitig aber auch als kunsthandwerkliche Objekte von technischer und künstlerischer Qualität anerkannt.

In der heutigen Zeit werden solche Objekte hauptsächlich in historischen Sammlungen und Museen aufbewahrt, wo sie im Kontext der NS-Geschichte präsentiert werden. Der Handel mit diesen Objekten unterliegt in verschiedenen Ländern unterschiedlichen rechtlichen Regelungen, insbesondere wenn sie NS-Symbolik aufweisen.

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