2 x Wehrmacht H.Dv. 371 L.Dv. 41 Evangelisches Feldgesangbuch,

Berlin, Verlag Mittler & Sohn, ohne Jahr (1939/40), Kartoniert, 93 und 95 Seiten, Zustand 2.
507490
25,00

2 x Wehrmacht H.Dv. 371 L.Dv. 41 Evangelisches Feldgesangbuch,

Das Evangelische Feldgesangbuch der Wehrmacht stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der komplexen Beziehung zwischen militärischer Organisation und religiöser Seelsorge im nationalsozialistischen Deutschland dar. Die hier vorliegenden zwei Exemplare der offiziellen Ausgabe H.Dv. 371 (Heeresdienstvorschrift 371) und L.Dv. 41 (Luftwaffendienstvorschrift 41) wurden vom renommierten Berliner Verlag Mittler & Sohn herausgegeben, dem traditionellen Verlagshaus der deutschen Streitkräfte seit dem 19. Jahrhundert.

Die Veröffentlichung dieser Feldgesangbücher um 1939/40 erfolgte zu einem kritischen Zeitpunkt in der deutschen Geschichte, unmittelbar nach Kriegsbeginn im September 1939. Trotz der ideologischen Spannungen zwischen dem nationalsozialistischen Regime und den christlichen Kirchen erkannte die Wehrmachtführung die Bedeutung der religiösen Betreuung für die Moral und den inneren Zusammenhalt der Truppe an. Die Militärseelsorge blieb während des gesamten Krieges ein fester Bestandteil der militärischen Organisation.

Der Verlag E.S. Mittler & Sohn war seit seiner Gründung 1789 der quasi-offizielle Verlag der preußischen und später deutschen Streitkräfte. Das Verlagshaus publizierte militärische Fachliteratur, Dienstvorschriften und eben auch religiöse Schriften für die Truppe. Die Kontinuität dieses Verlages bis in die Zeit der Wehrmacht zeigt die institutionelle Verbindung zwischen kaiserlicher Armee, Reichswehr und Wehrmacht.

Die Bezeichnung als Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) und Luftwaffendienstvorschrift (L.Dv.) verdeutlicht den offiziellen Charakter dieser Gesangbücher. Sie waren nicht private Andachtsbücher, sondern Teil der regulären militärischen Ausrüstung und Verwaltung. Die Nummerierung 371 bzw. 41 ordnete sie in das umfassende System militärischer Regelwerke ein, das alle Aspekte des Dienstbetriebs erfasste.

Mit jeweils 93 und 95 Seiten enthielten diese kompakten, kartonierten Bändchen eine Auswahl traditioneller evangelischer Kirchenlieder und Gebete, die für den Feldgottesdienst und die persönliche Andacht der Soldaten vorgesehen waren. Das handliche Format ermöglichte es den Soldaten, die Bücher bei sich zu tragen. Die kartonierte Ausführung war der Kriegswirtschaft und den praktischen Erfordernissen des Felddienstes geschuldet.

Die evangelische Militärseelsorge in der Wehrmacht operierte in einem Spannungsfeld. Einerseits stand sie in der langen Tradition der preußisch-deutschen Militärpfarrer, andererseits musste sie sich mit einem Regime arrangieren, das christlichen Werten vielfach feindlich gegenüberstand. Die Bekennende Kirche und regimetreue “Deutsche Christen” repräsentierten unterschiedliche Positionen innerhalb des Protestantismus. Dennoch blieb die Feldseelsorge während des gesamten Krieges aktiv.

Die Existenz zweier leicht unterschiedlicher Ausgaben mit 93 und 95 Seiten könnte auf verschiedene Auflagen oder geringfügige Anpassungen im Liedgut hinweisen. Es war üblich, dass solche Gesangbücher im Verlauf des Krieges mehrfach nachgedruckt wurden, wobei kleinere Änderungen vorgenommen werden konnten.

Für die Soldaten selbst erfüllten diese Gesangbücher multiple Funktionen. Sie boten spirituellen Trost in der Extremsituation des Krieges, stellten eine Verbindung zur Heimat und zu zivilen Normalitätserfahrungen her und dienten der Gemeinschaftsbildung durch gemeinsames Singen. Feldgottesdienste waren für viele Soldaten Momente der Besinnung und Zuflucht.

Nach 1945 wurden solche Feldgesangbücher zu historischen Dokumenten, die Einblick in die Alltagsrealität der Wehrmacht geben. Sie zeigen, dass neben Drill, Gehorsam und Ideologie auch traditionelle religiöse Praktiken ihren Platz im militärischen Leben behielten. Für Sammler und Historiker sind sie heute wertvolle Quellen zum Verständnis der Mentalitätsgeschichte und des Alltags deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg.

Der Erhaltungszustand 2 deutet auf gut erhaltene Exemplare hin, die trotz ihres Alters von über 80 Jahren und ihrer vorgesehenen Verwendung im Felddienst die Zeit überdauert haben. Dies unterstreicht, dass diese Bücher von ihren Besitzern oft sorgfältig behandelt wurden, was wiederum ihre persönliche Bedeutung für die Soldaten reflektiert.