Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) Foto, Zeltlager von Angehörigen der Schutztruppen in Deutsch-Südwestafrika

Maße ca. 18 x 11 cm, Zustand 3.
522790
€ 20,00

Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) Foto, Zeltlager von Angehörigen der Schutztruppen in Deutsch-Südwestafrika

Diese Fotografie mit den Maßen von etwa 18 x 11 cm dokumentiert ein Zeltlager von Angehörigen der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika, der offiziellen kolonialen Militärformation, die die deutsche Herrschaft in der Kolonie aufrechterhielt. Das Bild gehört zur Gattung der deutschen Kolonialdokumentarfotografie aus einer Periode, die sich von den 1880er Jahren bis 1915 erstreckte.

Das Gebiet kam am 24. April 1884 unter deutschen Schutz und blieb bis 1915 eine deutsche Kolonie. Die Deutsche Kolonialgesellschaft, gegründet 1887, beauftragte Hauptmann Curt von François mit der Sicherung des Gebietes. Im Juni 1889 traf er mit 21 Soldaten in Walvis Bay ein. Die formelle Einrichtung der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika erfolgte durch das Reichsgesetz vom 9. Juni 1895. Im Juli 1914 war die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika in 12 Kompanien berittener Infanterie mit insgesamt etwa 2.000 Mann gegliedert, überwiegend Deutsche.

Zeltlager waren übliche Feldunterkünfte für die Schutztruppe während militärischer Operationen, Patrouillen und Übungen im rauen Gelände der Kolonie. Solche Fotografien wurden von Militärfotografen, kommerziellen Fotografen im Dienst des Militärs oder Amateurfotografen innerhalb der Schutztruppe produziert. Die Deutsche Kolonialgesellschaft sammelte derartige Bilder für Propagandazwecke und öffentliche Vorträge in Deutschland. Ab 1891 begann die Gesellschaft mit dem Aufbau einer Bildsammlung, die mit etwa 100 großformatigen Schwarz-Weiß-Dias startete und durch Vermächtnisse und Übertragungen aus offiziellen, kommerziellen und privaten Sammlungen rasch erweitert wurde.

Die Schutztruppe wird für zahlreiche Gräueltaten im Herero- und Nama-Aufstand von 1904 verantwortlich gemacht. Deutsche Kolonialtruppen führten von 1904 bis 1908 eine Vergeltungskampagne durch, die heute als Völkermord an den Herero und Nama bekannt ist. Zusätzliche 14.000 Truppen wurden unter Generalleutnant Lothar von Trotha aus Deutschland entsandt. Zu den bedeutenden Kommandeuren gehörten Curt von François als Gründer 1889, Lothar von Trotha als Befehlshaber während des Herero-Völkermordes 1904 und Victor Franke als letzter Kommandeur, der am 9. Juli 1915 in der Nähe von Khorab kapitulierte.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Schutztruppe 1915 von den Streitkräften der Südafrikanischen Union besiegt. Deutschland trat das Gebiet erst mit dem Versailler Vertrag von 1919 offiziell ab, und 1919 wurde Südwestafrika vom Völkerbund an Südafrika mandatiert. Die Schutztruppe wurde 1919 aufgelöst, nachdem Deutschland seine Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg verloren hatte. Aufgrund nationalsozialistischer Durchsetzung wurde die Deutsche Kolonialgesellschaft in den Deutschen Reichskolonialbund integriert, der 1943 aufgelöst wurde.

Diese Fotografien dienten mehreren Zwecken: militärische Dokumentation innerhalb der Schutztruppe, Propagandaaktivitäten und öffentliche Vorträge der Deutschen Kolonialgesellschaft ab den 1890er Jahren, persönliche Souvenirs für Soldaten und Offiziere sowie kommerzieller Verkauf als Postkarten und Drucke zur Förderung des deutschen Kolonialismus. Sie trugen dazu bei, koloniale Narrative und Ideologien europäischer Rassenüberlegenheit zu perpetuieren.

Viele Kolonialfotografien überlebten in Archiven und wurden später digitalisiert. Über 50.000 historische Fotografien aus dem deutschen Kolonialafrika wurden digitalisiert und befinden sich heute in Archivsammlungen, darunter das Preußische Geheime Staatsarchiv in Berlin, das Kolonialbildarchiv der Universitätsbibliothek Frankfurt mit über 50.000 digitalisierten Bildern und die Sam Cohen Library in Swakopmund, Namibia. Die Vereinten Nationen erkannten den Vernichtungskrieg in Deutsch-Südwestafrika 1948 als Kriegsverbrechen und Völkermord an, Deutschland erkannte dies erst 2021 als Völkermord an. Kolonialfotografien aus dieser Zeit werden heute als Teil der historischen Aufzeichnungen des deutschen Kolonialismus, Völkermordes und rassistischer Gewalt untersucht.