Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

7,5 cm, Zustand 2.
311290
30,00

Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

Die Elastolin-Figuren deutscher Wehrmachtssoldaten gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der deutschen Spielzeuggeschichte des 20. Jahrhunderts. Diese speziellen Figuren zweier marschierender Heeresoffiziere mit einer Größe von 7,5 cm repräsentieren die typische Produktion der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg, die zwischen den 1930er und frühen 1940er Jahren diese militärischen Spielfiguren herstellte.

Die Firma Hausser entwickelte um 1904 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Leim, Glyzerin und anderen Zusätzen, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Diese Innovation ermöglichte die Herstellung detailreicher, relativ robuster und dennoch kostengünstiger Spielfiguren. Anders als die traditionellen Zinnfiguren waren Elastolin-Figuren dreidimensional, beweglicher in der Haltung und für Kinder ungefährlicher.

Die hier beschriebenen Offiziersfiguren im Marsch zeigen typischerweise die Uniform der deutschen Wehrmacht, wie sie nach den Heeresdienstvorschriften der 1930er Jahre gestaltet wurde. Offiziere trugen charakteristische Erkennungsmerkmale wie Schulterstücke, Koppelschloss, Offiziersmütze und oft auch Feldstecher oder Kartentasche. Die Marschhaltung mit schwingendem Arm war ein beliebtes Motiv, das Dynamik und militärische Disziplin vermittelte.

Der historische Kontext dieser Figuren ist komplex und muss differenziert betrachtet werden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden solche Spielzeugfiguren nicht nur als Kinderspielzeug, sondern auch als Mittel der ideologischen Erziehung verstanden. Die Firma Hausser produzierte neben Wehrmachtssoldaten auch Figuren der SA, SS und anderer NS-Organisationen. Die detailgetreue Darstellung militärischer Einheiten sollte Kindern ein positives Bild der Wehrmacht vermitteln und militärische Werte glorifizieren.

Die Produktionsqualität der Elastolin-Figuren war bemerkenswert hoch. Jede Figur wurde in mehreren Arbeitsschritten gefertigt: Zunächst wurde der Drahtkern gebogen, dann die Masse aufgetragen und modelliert, nach dem Trocknen grundiert und schließlich handbemalt. Die Bemalung erfolgte oft durch Heimarbeiterinnen nach genauen Farbvorlagen, die sich an authentischen Uniformfarben orientierten. Die feldgraue Uniform der Wehrmacht wurde in verschiedenen Grautönen dargestellt, ergänzt durch charakteristische Details wie schwarze Stiefel, braune Ausrüstungsgegenstände und goldene oder silberne Rangabzeichen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Firma Hausser ihre Produktion umstellen. Die alliierten Besatzungsmächte verboten zunächst die Herstellung militärischer Spielzeuge. Elastolin konzentrierte sich daher auf zivile Figuren, Tiere und später auf historische Darstellungen. Wehrmachtsfiguren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit wurden zu gesuchten Sammlerobjekten.

Der Sammlerwert solcher Elastolin-Figuren wird heute durch mehrere Faktoren bestimmt: Erhaltungszustand, Seltenheit der Darstellung, Qualität der Bemalung und historische Authentizität. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gute Erhaltung hin mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Offiziersfiguren sind generell seltener als einfache Soldaten, da sie in geringeren Stückzahlen produziert wurden.

Aus heutiger museologischer und sammlerischer Perspektive sind diese Objekte wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren nicht nur die Geschichte des Spielzeugs und der Spielzeugherstellung, sondern auch die Mentalitäts- und Erziehungsgeschichte der NS-Zeit. Seriöse Sammler und Museen bewahren solche Objekte als Zeitdokumente auf, ohne die damit verbundene Ideologie zu verherrlichen.

Die Firma Hausser existierte bis 1983 und stellte noch Jahrzehnte nach dem Krieg Elastolin-Figuren her, allerdings mit anderen Themenschwerpunkten. Die historischen Wehrmachtsfiguren bleiben jedoch die bekanntesten und dokumentieren ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte in Form von Kinderspielzeug.