III. Reich - Der Staat der Arbeit und des Friedens - Zigaretten Sammelbilderalbum

Altona-Bahrenfeld, Zigaretten-Bilderdienst, 1934, Großformat, 99 Seiten, nicht komplett mit 310 Bildern, 1/3 fehlt, Zustand 2.
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85,00

III. Reich - Der Staat der Arbeit und des Friedens - Zigaretten Sammelbilderalbum

Das vorliegende Zigarettenbilderalbum “Der Staat der Arbeit und des Friedens” stellt ein charakteristisches Beispiel nationalsozialistischer Propaganda dar, die durch das alltägliche Medium des Zigarettenbildersammelns verbreitet wurde. Herausgegeben 1934 vom Zigaretten-Bilderdienst in Altona-Bahrenfeld, erschien dieses Album in einer Zeit intensiver ideologischer Konsolidierung des NS-Regimes.

Die Zigarettenbilderalben des Dritten Reiches waren mehr als bloße Sammelobjekte. Sie dienten als Instrumente der Massenpropaganda und erreichten durch ihre Verbreitung über Zigarettenschachteln nahezu alle Bevölkerungsschichten. Der Zigaretten-Bilderdienst, eine der führenden Organisationen auf diesem Gebiet, produzierte zahlreiche Alben zu verschiedenen Themen, die stets die Ideologie des Nationalsozialismus transportierten.

Das Jahr 1934 markierte eine entscheidende Phase in der Etablierung der NS-Herrschaft. Nach der Machtübernahme 1933 und der Gleichschaltung der deutschen Gesellschaft konzentrierte sich das Regime darauf, seine Legitimität durch propagandistische Erfolgsdarstellungen zu festigen. Der Titel “Der Staat der Arbeit und des Friedens” spiegelt zwei zentrale Propagandathemen dieser Periode wider: die angebliche Lösung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die friedlichen Absichten des Regimes nach außen.

Das Großformat mit 99 Seiten und ursprünglich über 460 Bildern demonstriert den umfassenden Anspruch dieses Propagandawerks. Die Bilder behandelten vermutlich verschiedene Aspekte des “neuen Deutschland”: Arbeitsprojekte wie den Autobahnbau, landwirtschaftliche Programme, Parteiorganisationen, militärische Formationen und idealisierte Darstellungen des deutschen Volkes. Jedes Bild war mit erklärenden Texten versehen, die die nationalsozialistische Weltanschauung vermittelten.

Die Sammelbilderindustrie hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Zigarettenfabrikanten begannen bereits um 1900, ihren Produkten kleine Sammelbilder beizulegen, um die Kundenbindung zu erhöhen. Diese kommerzielle Praxis wurde vom NS-Regime systematisch für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Die Reichspropagandaleitung unter Joseph Goebbels erkannte früh das Potential dieser Massenmedien.

Die Mechanik des Sammelns war psychologisch durchdacht: Raucher erhielten mit jeder Zigarettenschachtel einige Bilder und waren motiviert, weitere Packungen zu kaufen, um ihre Alben zu vervollständigen. Dies führte zu einer intensiven Beschäftigung mit den propagandistischen Inhalten. Familien, besonders Kinder und Jugendliche, wurden in den Sammelprozess einbezogen, wodurch die ideologische Indoktrination bereits im jungen Alter begann.

Der Produktionsstandort Altona-Bahrenfeld, damals ein Industriegebiet im Westen Hamburgs, beherbergte mehrere Druckereien und Verlage. Die technische Qualität dieser Alben war bemerkenswert: Farbdruck auf gutem Papier, sorgfältige Bindung und ansprechendes Layout machten sie zu begehrten Sammelobjekten. Die Bilder selbst waren meist Chromolithographien oder Offsetdrucke von fotografischen Vorlagen.

Die Thematik “Arbeit und Frieden” war 1934 besonders brisant. Das Regime präsentierte sich als Retter aus der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik. Die Arbeitslosenzahlen, die 1933 bei über sechs Millionen gelegen hatten, wurden durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, statistische Manipulationen und die beginnende Aufrüstung scheinbar reduziert. Das Friedensthema diente der Verschleierung der tatsächlichen Aufrüstungspolitik, die bereits in vollem Gange war.

Das vorliegende Exemplar ist mit 310 von ursprünglich vermutlich etwa 460 Bildern zu etwa zwei Dritteln gefüllt. Diese Unvollständigkeit ist typisch für erhaltene Sammelbilderalben. Viele Sammler konnten oder wollten ihre Alben nicht komplettieren. Der angegebene Erhaltungszustand 2 (gut) deutet auf ein Album hin, das zwar benutzt wurde, aber keine gravierenden Beschädigungen aufweist.

Aus heutiger historischer Perspektive sind diese Propagandaalben wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Ideologie und ihrer Verbreitungsmechanismen. Sie zeigen, wie totalitäre Regime alltägliche Gegenstände und Gewohnheiten für ihre Zwecke instrumentalisierten. Die Analyse solcher Objekte offenbart die Strategien der Massenmanipulation und die Durchdringung aller Lebensbereiche mit politischer Propaganda.

Sammler und Museen bewahren solche Dokumente nicht aus Sympathie für die dargestellten Inhalte, sondern als Zeugnisse einer dunklen Periode deutscher Geschichte. Sie dienen der Aufklärung und Mahnung, wie Propaganda funktioniert und welche Gefahren von der Manipulation öffentlicher Meinung ausgehen.