Lineol - Heer LMG Schütze mit Dreibein liegend
Die Lineol-Figur eines liegenden Heer-LMG-Schützen mit Dreibein repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis deutscher Spielzeugherstellung aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. Die Firma Lineol, gegründet 1906 in Brandenburg an der Havel durch Oskar Wiederholt, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massekompositionsfiguren in Deutschland.
Diese spezielle Figur stellt einen Soldaten der Wehrmacht dar, der in liegender Schießposition ein leichtes Maschinengewehr (LMG) bedient, das auf einem charakteristischen Dreibein montiert ist. Die Darstellung bezieht sich höchstwahrscheinlich auf das MG 34 oder dessen Nachfolger, das MG 42, die beiden standardmäßigen leichten und schweren Maschinengewehre der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Das MG 34, eingeführt 1934, revolutionierte das Konzept des Maschinengewehrs durch seine Vielseitigkeit und konnte sowohl mit Zweibein als leichtes MG als auch mit Dreibein-Lafette als schweres MG eingesetzt werden.
Die Größe von 7 cm entspricht dem typischen Maßstab der Lineol-Figuren, die üblicherweise im Verhältnis 1:25 bis 1:32 hergestellt wurden. Diese Dimensionierung machte die Figuren sowohl für Kinder als spielbare Objekte als auch für Sammler als Darstellungsstücke attraktiv. Die Herstellungstechnik bei Lineol basierte auf Masse oder Komposition, einem Material aus Kasein, Kreide, Kaolin und anderen Füllstoffen, das in Formen gegossen und anschließend bemalt wurde.
Der angegebene Zustand 2/2- nach dem Bewertungssystem für Militaria-Sammlerstücke deutet auf einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand hin, mit möglicherweise minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert, da Lineol-Figuren aus Kompositionsmasse relativ empfindlich waren und häufig Beschädigungen durch Spielgebrauch, Feuchtigkeit oder mechanische Einwirkung aufwiesen.
Die Produktion militärischer Spielzeugfiguren bei Lineol erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er und frühen 1940er Jahren. Das Unternehmen stellte eine breite Palette von Figuren her, die alle Waffengattungen der Wehrmacht darstellten, darunter Infanteristen in verschiedenen Positionen, Kavalleristen, Artilleristen und Fahrzeuge. Diese Figuren dienten nicht nur dem Spielvergnügen, sondern spiegelten auch die militaristische Gesellschaft des Dritten Reiches wider und wurden teilweise zur Glorifizierung des Militärs eingesetzt.
Die liegende Position des MG-Schützen mit Dreibein-Lafette ist taktisch-historisch bedeutsam. Diese Schießposition bot dem Schützen maximalen Schutz durch ein minimales Profil und ermöglichte gleichzeitig eine stabile Waffenauflage für präzises Dauerfeuer. Die Dreibein-Lafette (Dreibeinlafette 34 für das MG 34 bzw. Lafette 42 für das MG 42) verwandelte das leichte Maschinengewehr in eine schwere Maschinengewehr-Stellung mit erhöhter Präzision und Reichweite bis zu 2000 Metern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Lineol-Produktion zunächst eingestellt, da das Werk in der sowjetischen Besatzungszone lag. 1950 erfolgte eine Wiedergründung in Westdeutschland, doch die Firma erreichte nie mehr ihre frühere Bedeutung. Die Produktion wurde schließlich 1983 endgültig eingestellt. Heute sind originale Lineol-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit begehrte Sammlerobjekte, die auf Auktionen und im Fachhandel oft hohe Preise erzielen.
Die historische Bedeutung solcher Figuren liegt in ihrer Funktion als Zeitdokumente. Sie zeigen nicht nur die militärische Ausrüstung und Uniformierung der Epoche mit erstaunlicher Detailtreue, sondern dokumentieren auch die gesellschaftlichen Werte und die Rolle des Militärs in der deutschen Gesellschaft der 1930er und 1940er Jahre. Sammler und Militärhistoriker schätzen diese Figuren heute als dreidimensionale historische Quellen, die Einblick in Bewaffnung, Ausrüstung und taktische Formationen der Wehrmacht geben.