Luftwaffe Navigationskarte in Merkatorprojektion ( Britische Inseln )
Die Luftwaffe-Navigationskarte in Mercatorprojektion der Britischen Inseln aus dem Jahr 1940 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Luftkriegsführung während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese speziell für nächtliche Einsätze konzipierte Karte dokumentiert die technische und strategische Vorbereitung der deutschen Luftwaffe auf die Luftschlacht um England und die nachfolgenden nächtlichen Bombenangriffe, die als "The Blitz" in die Geschichte eingingen.
Herausgegeben vom Generalstab der Luftwaffe im Jahr 1940, repräsentiert diese Karte den Höhepunkt deutscher kartographischer Kriegsvorbereitung. Der Maßstab von 1:2.000.000 ermöglichte es den Besatzungen von Bombern und Aufklärungsflugzeugen, große geografische Räume zu überblicken und ihre Flugrouten präzise zu planen. Die beidseitige Bedruckung, mit der Rückseite zeigend Deutschland als Fliegerkarte, illustriert die praktische Notwendigkeit für Navigatoren, sowohl Hin- als auch Rückflug zu planen.
Besonders bemerkenswert ist die gummierte Ausführung dieser Karte. Diese Behandlung machte das Material wasserabweisend und widerstandsfähig gegen die extremen Bedingungen in unbeheizt Flugzeugen, wo Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen konnten und Kondensation ein ständiges Problem darstellte. Die Gummierung verhinderte auch das Zerreißen bei häufigem Gebrauch und ermöglichte das Falten und Entfalten ohne Beschädigung des Materials.
Der gelbe Farbton der Karte ist von besonderer historischer Bedeutung. Diese spezielle Farbgebung wurde für Nachteinsätze entwickelt, da gelbes Licht die Nachtadaption der Augen am wenigsten beeinträchtigte. In den Cockpits deutscher Bomber wie der Heinkel He 111, Junkers Ju 88 oder Dornier Do 17 wurden rote oder gedämpfte Beleuchtungen verwendet, und der gelbe Kartendruck bot unter diesen Lichtverhältnissen optimale Lesbarkeit, ohne die Fähigkeit der Besatzung zu beeinträchtigen, nach draußen in die Dunkelheit zu sehen.
Die Mercatorprojektion war die bevorzugte kartographische Darstellung für die Luftnavigation, da sie Kompasskurse als gerade Linien darstellt, was die Navigation erheblich vereinfachte. Obwohl diese Projektion in hohen Breiten Verzerrungen aufweist, war sie für Flüge über die Nordsee und nach Großbritannien durchaus geeignet und wurde von allen kriegführenden Nationen verwendet.
Im Jahr 1940 befand sich die Luftwaffe auf dem Höhepunkt ihrer Schlagkraft. Nach den erfolgreichen Blitzkrieg-Kampagnen in Polen, Norwegen, den Niederlanden, Belgien und Frankreich, bereitete sich Deutschland auf die Invasion Großbritanniens vor – das Unternehmen Seelöwe. Die Luftschlacht um England, die von Juli bis Oktober 1940 tobte, sollte die britische Luftüberlegenheit brechen und den Weg für die Invasion ebnen. Navigationskarten wie diese waren unverzichtbare Werkzeuge für die deutschen Bomberbesatzungen, die täglich und nächtlich britische Städte, Häfen, Flugplätze und Industrieanlagen angriffen.
Als die Luftschlacht um England mit einer deutschen Niederlage endete, verlegte die Luftwaffe ihre Taktik auf nächtliche Flächenbombardements britischer Städte. Von September 1940 bis Mai 1941 wurden London, Coventry, Birmingham, Liverpool und zahlreiche andere Städte systematisch bombardiert. Für diese Nachtangriffe waren präzise Navigationshilfen von entscheidender Bedeutung. Die Besatzungen nutzten verschiedene Navigationsmethoden, darunter Funkpeilung mit Systemen wie Knickebein, X-Gerät und Y-Gerät, aber traditionelle Kartographie blieb grundlegend für die Flugplanung und als Rückfalloption.
Die Herstellung solcher Karten erforderte umfangreiche nachrichtendienstliche Arbeit. Das Oberkommando der Luftwaffe unterhielt spezialisierte kartographische Dienste, die Informationen aus Luftaufklärung, Agentenberichten und aus der Vorkriegszeit stammendem Material zusammenführten. Die Genauigkeit deutscher Luftfahrtkarten war bemerkenswert und spiegelte die hohe Kompetenz der deutschen Militärkartographie wider.
Nach dem Krieg wurden viele dieser Karten von den Alliierten beschlagnahmt und für nachrichtendienstliche Auswertungen genutzt. Heute sind sie wichtige historische Dokumente, die nicht nur die kartographischen Fähigkeiten, sondern auch die strategischen Absichten und operativen Fähigkeiten der Luftwaffe dokumentieren. Sie ermöglichen Historikern, die Planung und Durchführung von Luftoperationen zu rekonstruieren und die Perspektive der deutschen Luftkriegsführung nachzuvollziehen.
Der erhaltene Zustand 2 dieser Karte deutet auf guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren hin, was bei einem 80 Jahre alten militärischen Gebrauchsgegenstand bemerkenswert ist und den Wert als historisches Dokument unterstreicht.