NS Reichskriegerbund/Kyffhäuser - Ringkragen für Fahnenträger
Der Ringkragen für Fahnenträger des NS-Reichskriegerbundes/Kyffhäuserbundes stellt ein bedeutsames Abzeichen der nationalsozialistischen Veteranenorganisation dar, die zwischen 1933 und 1943 als Teil des komplexen Systems von NS-Organisationen fungierte.
Der Reichskriegerbund entstand offiziell am 4. März 1933 durch die Gleichschaltung des traditionellen Kyffhäuserbundes der Deutschen Landeskriegerverbände, der seit 1900 als Dachorganisation deutscher Veteranenvereine existierte. Diese Zwangsvereinigung war Teil der systematischen Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Organisationen im Dritten Reich. Der Kyffhäuserbund hatte vor 1933 etwa 2,8 Millionen Mitglieder und repräsentierte die Veteranen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 sowie des Ersten Weltkrieges.
Nach der Machtübernahme wurde Oberst a.D. Wilhelm Reinhard zum Bundesführer ernannt, der die Organisation im nationalsozialistischen Sinne umstrukturierte. Der Reichskriegerbund wurde dem Doppelnamen “NS-Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund)” geführt und unterstand ideologisch der NSDAP, während er organisatorisch zunächst eine gewisse Eigenständigkeit behielt.
Die vorliegende Amtskette bzw. der Ringkragen diente als Würdezeichen für Fahnenträger bei zeremoniellen Anlässen. Die Fertigung aus Aluminium mit vergoldeter Auflage und emailliertem Zentrum entspricht der typischen Herstellungsweise solcher Auszeichnungen in der NS-Zeit, als kostengünstigere Materialien zunehmend Edelmetalle ersetzten. Die rückseitige blaue Tuchunterlage diente dem Tragekomfort und verhinderte ein direktes Aufliegen des Metalls auf der Uniform.
Fahnenträger nahmen in der Hierarchie der NS-Organisationen eine besondere Stellung ein. Sie trugen die symbolische Verantwortung für die Hoheitszeichen der Organisation und wurden für diese Ehrenämter sorgfältig ausgewählt. Bei Aufmärschen, Gedenkfeiern und anderen öffentlichen Veranstaltungen bildeten die Fahnenträger mit ihren charakteristischen Ringkragen einen zeremoniell hervorgehobenen Teil der Formation.
Der Kyffhäuserbund selbst benannte sich nach dem Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen, das 1896 zu Ehren Kaiser Wilhelms I. errichtet wurde und als nationales Symbol deutscher Einheit galt. Diese historische Referenz sollte die Kontinuität zwischen dem Kaiserreich und dem NS-Regime suggerieren und die Veteranenorganisation in eine vermeintlich ruhmreiche militärische Tradition einbetten.
Die Uniformierung und Auszeichnungspraxis des Reichskriegerbundes war in diversen Dienstvorschriften geregelt. Diese legten fest, welche Funktionsträger zu welchen Anlässen bestimmte Abzeichen und Amtsketten zu tragen hatten. Der Ringkragen für Fahnenträger gehörte zur Kategorie der funktionsbezogenen Würdezeichen, die den Träger als Amtsinhaber auswiesen.
Ab 1938 verstärkte sich die Integration des Reichskriegerbundes in die NS-Machtstrukturen. Die Organisation wurde zunehmend für propagandistische Zwecke instrumentalisiert und diente der Mobilisierung der älteren Generation für die Kriegsvorbereitungen. Veteranen sollten durch ihre Präsenz die Kontinuität militärischer Tradition vermitteln und die jüngere Generation ideologisch beeinflussen.
Im Jahr 1943 wurde der NS-Reichskriegerbund offiziell aufgelöst und in die NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV) überführt. Diese Maßnahme erfolgte im Kontext der totalen Kriegsmobilisierung, als separate Veteranenorganisationen als überflüssig erachtet wurden. Die Auflösung markierte das Ende einer Organisation, die ursprünglich aus demokratischen Veteranenvereinen der Weimarer Republik hervorgegangen war.
Nach 1945 wurde der Kyffhäuserbund in Westdeutschland als unpolitische Veteranenorganisation neu gegründet, wobei er sich ausdrücklich von der NS-Vergangenheit distanzierte. In der DDR waren entsprechende Organisationen nicht zugelassen.
Objekte wie der vorliegende Ringkragen dokumentieren die materielle Kultur der NS-Organisationen und deren ausgeprägte Symbolpolitik. Sie sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung zur Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und zur Frage, wie das Regime durch Symbole, Uniformen und Zeremonien seine Herrschaft stabilisierte und legitimierte.