Polizeipräsident von Wien und SS-Oberführer Otto Steinhäusl - persönliche Visitenkarte

61 x 105 mm, gedruckt, rückseitig beschriftet "Zeigt 23. Mai 1939 in Wien", Zustand 2.

Otto Steinhäusl (* 10. März 1879 in Budweis, Böhmen; † 20. Juni 1940 in Wien) war ein österreichischer Polizeibeamter und SS-Führer, der zur Zeit des Nationalsozialismus Polizeipräsident von Wien war.
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€ 220,00

Polizeipräsident von Wien und SS-Oberführer Otto Steinhäusl - persönliche Visitenkarte

Die vorliegende Visitenkarte des Polizeipräsidenten von Wien und SS-Oberführers Otto Steinhäusl stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument aus der Periode des Nationalsozialismus in Österreich dar. Mit den Maßen 61 x 105 mm entspricht sie dem damals üblichen Format für offizielle Visitenkarten höherer Beamter und Funktionsträger. Die rückseitige handschriftliche Notiz “Zeigt 23. Mai 1939 in Wien” datiert die Karte in eine historisch bedeutsame Phase unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Otto Steinhäusl wurde am 10. März 1879 in Budweis, Böhmen, geboren und verstarb am 20. Juni 1940 in Wien. Seine Karriere verlief zunächst in der österreichischen Polizeiverwaltung der Ersten Republik. Nach dem Anschluss im März 1938 wurde er als Polizeipräsident von Wien eingesetzt und erhielt den SS-Rang eines Oberführers, was etwa einem Brigadegeneral entsprach. Diese Doppelfunktion war charakteristisch für die nationalsozialistische Herrschaftsstruktur, in der Polizei und SS eng miteinander verwoben waren.

Visitenkarten höherer NS-Funktionsträger dienten nicht nur der gesellschaftlichen Repräsentation, sondern dokumentierten auch die komplexe Hierarchie des nationalsozialistischen Herrschaftssystems. Die gedruckte Ausführung mit Angabe von Titel und Rang entsprach den Standards der Zeit und unterstrich die Autorität des Trägers. In der NS-Verwaltung waren solche Karten wichtige Instrumente der offiziellen Kommunikation und des protokollarischen Verkehrs.

Die Wiener Polizeipräsidentschaft unter nationalsozialistischer Herrschaft war eine Schlüsselposition in der Verwaltung der “Ostmark”, wie Österreich nach 1938 genannt wurde. Der Polizeipräsident war verantwortlich für die Aufrechterhaltung der “Ordnung” im nationalsozialistischen Sinne, was die Verfolgung politischer Gegner, die Durchsetzung der Rassengesetze und die Überwachung der Bevölkerung einschloss. Die Verbindung zur SS unterstrich die ideologische Ausrichtung dieser Position.

Das Datum auf der Rückseite, der 23. Mai 1939, fällt in eine Zeit intensiver nationalsozialistischer Durchdringung Wiens. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die ersten großen Verfolgungswellen gegen die jüdische Bevölkerung, politische Gegner und andere als “unerwünscht” geltende Gruppen erfolgt. Die Wiener Polizei spielte bei diesen Maßnahmen eine aktive Rolle.

Aus sammlungshistorischer Perspektive sind solche Visitenkarten seltene Zeugnisse der Verwaltungsgeschichte des Nationalsozialismus. Während offizielle Dokumente, Verordnungen und Korrespondenz oft archiviert wurden, sind persönliche Visitenkarten als ephemere Objekte häufig verloren gegangen. Ihr Erhaltungszustand und ihre Provenienz machen sie zu wertvollen Quellen für die historische Forschung.

Die SS-Rangstufe des Oberführers, die Steinhäusl innehatte, wurde 1932 eingeführt und lag zwischen Standartenführer und Brigadeführer. In der komplexen Hierarchie der SS signalisierte dieser Rang bedeutende Verantwortung und Nähe zur Führungsspitze. Die Kombination aus staatlicher Amtsgewalt als Polizeipräsident und SS-Rang verdeutlicht die charakteristische Verschmelzung von staatlichen und Parteistrukturen im NS-Regime.

Solche Dokumente werfen auch Fragen der Erinnerungskultur auf. Sie sind materielle Zeugnisse einer verbrecherischen Herrschaft und dienen heute als Lehrmittel und Forschungsobjekte. Museen, Archive und wissenschaftliche Sammlungen bewahren sie auf, um die Mechanismen totalitärer Herrschaft dokumentieren und vermitteln zu können.

Der frühe Tod Steinhäusls im Juni 1940 beendete seine Amtszeit nach nur gut zwei Jahren. Die Umstände seines Todes sind in den historischen Quellen unterschiedlich dokumentiert. Seine Nachfolger führten die Polizeiverwaltung Wiens im Sinne des NS-Regimes bis zum Kriegsende 1945 fort.