Preußen Kartuschkasten für Mannschaften im Grenadier-Regiment zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärkisches) Nr. 3

Standort Bromberg. Kammerstück, um 1900. Ausführung für den Revolver 79. Schwarzes Leder mit Messingauflagen, oben mit Schlaufen für den Entladestock. Im Deckel Kammerstempel "RDR5 1890 D5 1906 I", Naht des inneren Deckels bis auf zwei Nähte gelöst, Zustand 2.
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950,00

Preußen Kartuschkasten für Mannschaften im Grenadier-Regiment zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärkisches) Nr. 3

Die preußische Kartuschkasten (Patronentasche) für Mannschaften des Grenadier-Regiments zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärkisches) Nr. 3 repräsentiert ein bedeutendes Ausrüstungsstück der königlich-preußischen Kavallerie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dieses Regiment, stationiert in Bromberg (heute Bydgoszcz, Polen), gehörte zu den traditionsreichen berittenen Grenadiereinheiten der preußischen Armee.

Das Grenadier-Regiment zu Pferde Nr. 3 wurde 1691 gegründet und trug den Ehrennamen nach Georg Freiherr von Derfflinger (1606-1695), einem der bedeutendsten Feldherren Brandenburg-Preußens unter dem Großen Kurfürsten. Derfflinger war besonders bekannt für seine Siege in der Schlacht bei Fehrbellin 1675 und seinen Beitrag zur Etablierung Brandenburgs als militärische Macht. Die Einheit hatte ihren Standort in Bromberg, einer strategisch wichtigen Stadt in der Provinz Posen.

Die vorliegende Kartuschkasten ist aus schwarzem Leder gefertigt und mit Messingauflagen verziert, was der standardmäßigen Ausführung für preußische Kavallerie entspricht. Die Konstruktion zeigt die typische Bauweise der Zeit: ein robuster Lederbehälter zum Schutz der Munition vor Feuchtigkeit und mechanischer Beschädigung. Die Schlaufen auf der Oberseite dienten zur Befestigung des Entladestocks, einem wichtigen Werkzeug zur Wartung und Reinigung der Handfeuerwaffen.

Besonders bemerkenswert ist die Ausführung für den Reichsrevolver M/79, offiziell Revolver 79 genannt. Diese Waffe, ein Ordonnanzrevolver des deutschen Kaiserreichs, wurde ab 1879 eingeführt und war im Kaliber 10,6 mm gefertigt. Der Revolver war eine Weiterentwicklung französischer Systeme und diente hauptsächlich Kavallerieeinheiten und Artillerie als Nebenwaffe. Die Verwendung von Revolvern in berittenen Einheiten war praktisch, da sie im Gegensatz zu Gewehren einhändig bedient werden konnten.

Der im Deckel eingeprägte Kammerstempel “RDR5 1890 D5 1906 I” liefert wichtige Informationen über die militärische Verwaltung des Stücks. Solche Stempel waren Teil des preußischen Systems zur Inventarisierung und Kennzeichnung von Armeeausrüstung. Die Jahreszahlen 1890 und 1906 deuten auf Inspektionen, Überprüfungen oder Umverteilungen hin, die im Rahmen der regulären Kammerverwaltung durchgeführt wurden. Das Kürzel “RDR” könnte auf das Regiment oder eine spezifische Eskadron hinweisen, während die Nummernkombinationen der internen Verwaltung dienten.

Als Kammerstück wird das Objekt bezeichnet, was bedeutet, dass es aus militärischen Beständen stammt und offiziell ausgegeben wurde. Die Zeit um 1900 war eine Periode bedeutender Veränderungen in der preußischen Armee. Obwohl Kavallerie noch eine wichtige Rolle spielte, deuteten technologische Entwicklungen bereits auf ihre schwindende Bedeutung im modernen Krieg hin. Dennoch wurden berittene Grenadierregimenter weiterhin als Eliteeinheiten betrachtet und erhielten entsprechend hochwertige Ausrüstung.

Die Konstruktion der Kartuschkasten folgte strengen militärischen Vorschriften, die in den Bekleidungsvorschriften der preußischen Armee festgelegt waren. Diese Regulierungen spezifizierten nicht nur Material und Bauweise, sondern auch die Art der Verzierungen und Beschläge. Die Messingbeschläge dienten dabei nicht nur funktionalen Zwecken – Verstärkung der Kanten und Verschlüsse – sondern auch der einheitlichen Erscheinung der Truppe bei Paraden und Inspektionen.

Die Stationierung in Bromberg war strategisch bedeutsam. Die Stadt lag in der preußischen Provinz Posen, einem Gebiet mit gemischter deutscher und polnischer Bevölkerung. Die Präsenz von Militäreinheiten diente nicht nur der Verteidigung, sondern auch der Repräsentation preußischer Macht in diesen östlichen Provinzen. Das Regiment war Teil der dort stationierten Garnison und spielte eine wichtige Rolle im militärischen und gesellschaftlichen Leben der Region.

Die Erhaltung solcher Ausrüstungsgegenstände bietet wichtige Einblicke in die materielle Kultur der kaiserlichen deutschen Armee. Jedes Detail – von der Lederverarbeitung über die Messingbeschläge bis zu den Verwaltungsstempeln – erzählt von den Produktionsmethoden, der militärischen Organisation und den praktischen Anforderungen des Soldatenlebens vor dem Ersten Weltkrieg. Die Kartuschkasten war mehr als nur ein funktionaler Gegenstand; sie war Teil der Identität und Tradition einer der ehrwürdigsten Kavallerie-Einheiten Preußens.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 sollte sich die Rolle der Kavallerie grundlegend ändern. Die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und Schützengräben machte berittene Angriffe zunehmend obsolet, doch zu der Zeit, als diese Kartuschkasten in Gebrauch war, repräsentierte sie noch die stolze Tradition der preußischen Reiterei.