Preußen Kragen mit Kragenspiegel für Mannschaften im Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4

um 1910. Roter Kragen mit dunkelblauen Vorstößen, die Kragenspiegel mit weißen Gardelitzen. Leicht getragen, Zustand 2.
Der Kragen wurde auch in anderen Regimentern getragen, z.B. Grenadier-Regt. Nr. 109, Nr.123 etc.
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150,00

Preußen Kragen mit Kragenspiegel für Mannschaften im Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4

Der vorliegende Uniformkragen mit Kragenspiegeln repräsentiert ein authentisches Ausrüstungsstück der preußischen Armee aus der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Dieser Kragen wurde von Mannschaften (einfachen Soldaten) im Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 sowie in anderen Grenadier-Regimentern getragen und verkörpert die strenge preußische Tradition militärischer Uniformierung.

Das Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4, auch bekannt als Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4, war eine der prestigeträchtigsten Einheiten der preußischen Garde. Das Regiment wurde 1860 aus dem ehemaligen 1. Garde-Landwehr-Regiment gebildet und erhielt seinen Ehrennamen zu Ehren der Königin Augusta von Preußen. Die Einheit war in Koblenz stationiert und gehörte zur VIII. Armee-Korps. Als Garde-Regiment genoss die Einheit besondere Privilegien und unterstand direkt dem preußischen König.

Die Farbgebung des Kragens – rot mit dunkelblauen Vorstößen – entspricht den preußischen Uniformvorschriften der wilhelminischen Ära. Rot war die traditionelle Waffenfarbe der Infanterie in der preußischen Armee, eine Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Die dunkelblauen Vorstöße (Paspelierungen) dienten zur weiteren Differenzierung und Identifikation der verschiedenen Regimenter.

Besonders charakteristisch sind die weißen Gardelitzen auf den Kragenspiegeln. Diese Litzen waren das unverkennbare Kennzeichen aller preußischen Garde-Formationen und unterschieden diese Elite-Einheiten von der regulären Linieninfanterie. Die Gardelitze bestand aus einer speziellen geflochtenen Verzierung, die nach genau festgelegten Mustern aufgebracht wurde. Für Mannschaften waren diese Litzen typischerweise in Weiß gehalten, während Offiziere oft silberne oder aufwendigere Varianten trugen.

Der Kragen selbst war ein abnehmbarer Teil der Feldbluse (umgangssprachlich auch Waffenrock genannt), die um 1910 die preußische Standarduniform darstellte. Die Abnehmbarkeit hatte praktische Gründe: Kragen konnten so leichter gereinigt oder bei Verschleiß ausgetauscht werden. Dies war besonders wichtig, da die Kragen durch den direkten Hautkontakt und die damals übliche steife Haltung stark beansprucht wurden.

Die Erwähnung, dass dieser Kragentyp auch in anderen Regimentern getragen wurde, verweist auf die Standardisierung innerhalb der preußischen Armee. Regimenter wie das Grenadier-Regiment Nr. 109 (4. Badisches Grenadier-Regiment “Prinz Wilhelm”) oder das Grenadier-Regiment Nr. 123 (5. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 94, später als Grenadier-Regiment bezeichnet) trugen ähnliche Kragenkonfigurationen. Dies erleichterte die Produktion und Logistik erheblich.

Um 1910, der Datierung dieses Stücks, befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Zeit rasanter militärischer Expansion und Modernisierung. Kaiser Wilhelm II. forcierte den Ausbau der Streitkräfte, und die Uniformvorschriften wurden mehrfach angepasst. Die Anzugsordnung von 1899 und ihre Nachfolger regelten minutiös jeden Aspekt der Uniformierung, von der Farbe der Knöpfe bis zur exakten Platzierung der Abzeichen.

Der angegebene Erhaltungszustand 2 (“leicht getragen”) deutet darauf hin, dass dieses Stück tatsächlich im Dienst verwendet wurde. Solche authentischen, getragenen Uniformteile sind historisch besonders wertvoll, da sie Zeugnis vom tatsächlichen militärischen Alltag ablegen und nicht nur Paradeausführungen darstellen.

Die preußischen Grenadier-Regimenter hatten eine lange und stolze Geschichte. Ursprünglich bezeichnete der Begriff “Grenadier” Soldaten, die mit Handgranaten (Grenades) bewaffnet waren. Im 19. Jahrhundert wurde der Titel zu einer Ehrenbezeichnung für besonders verdiente Infanterie-Regimenter. Die Garde-Grenadiere bildeten innerhalb dieser Hierarchie die absolute Elite.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 marschierten diese Regimenter in eben solchen Uniformen ins Feld. Allerdings erwies sich die farbenfrohe Friedensuniformen schnell als unpraktisch für den modernen Krieg. Die roten Kragen und bunten Abzeichen machten die Soldaten zu leichten Zielen. Bereits 1915 wurden die auffälligen Uniformteile weitgehend durch feldgraue Ausführungen ersetzt.

Für Sammler und Historiker bieten solche Uniformteile unschätzbare Einblicke in die materielle Kultur der kaiserlichen Armee. Sie dokumentieren nicht nur militärische Hierarchien und Organisationsstrukturen, sondern auch handwerkliche Fertigkeiten, Textilproduktion und die symbolische Bedeutung von Farben und Abzeichen im preußisch-deutschen Militarismus der wilhelminischen Ära.

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