SS-Porzellanmanufaktur Allach - Mutter mit Kind

Entwurf von P.Horn, Allach Nr. 98, weiss glasiert, geprägte Marke des Herstellers unter Glasur, Grösse der Bodenplatte ca 30 x 13 cm, Höhe 23 cm. Vollkommen unbeschädigt, Zustand 2+.
Sehr selten.
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€ 4.500,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach - Mutter mit Kind

Die Porzellan-Manufaktur Allach stellt einen der problematischsten Aspekte der kunsthandwerklichen Produktion während des Nationalsozialismus dar. Die Manufaktur wurde 1935 von dem Kunstmaler und SS-Mitglied Franz Nagy in Allach bei München gegründet und geriet 1936 unter die direkte Kontrolle der SS, die sie als wirtschaftliches Unternehmen innerhalb ihres Konzernimperiums betrieb.

Das vorliegende Objekt, die Figur “Mutter mit Kind” mit der Allach-Nummer 98, wurde von dem Bildhauer Professor Paul Horn entworfen. Horn war einer der bedeutendsten Künstler, die für die Manufaktur arbeiteten, und schuf zahlreiche Figurenmodelle, die stilistisch der neoklassizistischen Ästhetik der NS-Zeit entsprachen. Seine Arbeiten zeichneten sich durch eine idealisierte Darstellung menschlicher Figuren aus, die der nationalsozialistischen Propaganda über “Rasse” und Familie dienten.

Die Produktion der Allach-Manufaktur war eng mit der Ideologie des Nationalsozialismus verbunden. Nach der Übernahme durch die SS wurde die Manufaktur Teil der wirtschaftlichen Unternehmungen unter der Leitung von Oswald Pohl und dem SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA). Die Produktion umfasste verschiedene Objekte: Leuchter für SS-Rituale, dekorative Figuren, Geschenkartikel für hohe SS-Offiziere und Staatsgeschenke.

Das Motiv “Mutter mit Kind” war tief in der nationalsozialistischen Mutterkult-Ideologie verwurzelt. Die Nationalsozialisten propagierten ein idealisiertes Frauenbild, das die Frau primär als Mutter und Erhalterin der “Rasse” sah. Diese Figuren sollten die Bedeutung der Familie und der Mutterschaft im nationalsozialistischen Weltbild visualisieren. Sie wurden oft als Geschenke an kinderreiche Mütter oder als Auszeichnungen verliehen, die das Mutterkreuz ergänzten.

Die technische Qualität der Allach-Porzellane war außerordentlich hoch. Die weiß glasierte Ausführung der vorliegenden Figur, mit der charakteristischen geprägten Herstellermarke unter der Glasur, entspricht den höchsten Standards der Porzellanherstellung. Die Manufaktur beschäftigte hochqualifizierte Handwerker und Künstler, darunter Theodor Kärner als künstlerischen Leiter und zahlreiche erfahrene Porzellangestalter.

Besonders problematisch ist die Tatsache, dass die Allach-Manufaktur ab 1940 zunehmend Zwangsarbeiter aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Dachau einsetzte. Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen in der Produktion arbeiten. Dies macht jedes aus dieser Manufaktur stammende Objekt zu einem Zeugnis nicht nur der NS-Ideologie, sondern auch der brutalen Ausbeutung von KZ-Häftlingen.

Die Seltenheit der Figur “Mutter mit Kind” (Nr. 98) erklärt sich aus mehreren Faktoren: Erstens wurde sie vermutlich nur in begrenzter Stückzahl produziert. Zweitens wurden nach 1945 viele Allach-Porzellane aus politischen und moralischen Gründen zerstört. Drittens wurden intakte Exemplare oft in Privathaushalten versteckt oder entsorgt, um eine Verbindung zum Nationalsozialismus zu vermeiden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion eingestellt. Die Formen und Modelle wurden teilweise vernichtet, teilweise von anderen Manufakturen übernommen, die einige Modelle ohne die NS-Symbolik weiterproduzierten. Der Umgang mit Objekten aus der Allach-Manufaktur bleibt bis heute kontrovers. Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Regimes und gleichzeitig Dokumente der Kunstgeschichte und Propagandaforschung.

Heute befinden sich Allach-Porzellane in verschiedenen Museen und Sammlungen, wo sie im Kontext der NS-Geschichte und ihrer Propagandamaschinerie präsentiert werden. Der wissenschaftliche und pädagogische Wert dieser Objekte liegt in ihrer Funktion als Anschauungsmaterial für die ästhetische Durchdringung des Alltags durch die nationalsozialistische Ideologie.