WHW - 2. Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1934/35 - Türplakette für Februar 1935

, 100 x 100 mm, Zustand 2.
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20,00

WHW - 2. Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1934/35 - Türplakette für Februar 1935

Türplakette des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes (WHW) - Februar 1935

Die vorliegende Türplakette aus dem 2. Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1934/35 für den Monat Februar 1935 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der nationalsozialistischen Wohlfahrts- und Propagandaorganisation dar. Mit ihren Maßen von 100 x 100 mm repräsentiert sie einen typischen Vertreter der monatlich ausgegebenen Türplaketten, die als sichtbares Zeichen der Spendenbereitschaft und gleichzeitig als Instrument sozialer Kontrolle dienten.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes

Das Winterhilfswerk (WHW) wurde am 13. September 1933 durch Adolf Hitler persönlich ins Leben gerufen und stellte eine der größten nationalsozialistischen Massenorganisationen dar. Offiziell als Wohlfahrtsorganisation zur Unterstützung bedürftiger Deutscher während der Wintermonate konzipiert, entwickelte sich das WHW schnell zu einem umfassenden Propaganda- und Kontrollinstrument. Die Organisation stand unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels und dem Reichspropagandaministerium, wurde jedoch von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) durchgeführt.

Das erste Winterhilfswerk 1933/34 diente als Pilotprojekt. Das zweite WHW 1934/35, aus dem die vorliegende Türplakette stammt, war bereits vollständig etabliert und systematisch organisiert. Die Kampagne lief typischerweise von Oktober bis März und umfasste verschiedene Sammelaktionen, darunter Straßensammlungen, Opfersonntage und den Verkauf von Abzeichen.

Funktion und Bedeutung der Türplaketten

Die monatlich ausgegebenen Türplaketten erfüllten mehrere Funktionen im System des WHW. Primär dienten sie als Nachweis der geleisteten Spende und wurden an Haushalte ausgegeben, die den monatlichen Sammelbeitrag entrichtet hatten. Die Plaketten sollten gut sichtbar an der Wohnungstür oder am Fenster angebracht werden. Dies schuf einen unmittelbaren sozialen Druck: Haushalte ohne aktuelle Plakette waren sofort als “nicht-spendend” erkennbar, was in der zunehmend gleichgeschalteten Gesellschaft erhebliche soziale Konsequenzen haben konnte.

Die Größe von 100 x 100 mm war standardisiert und sollte ausreichende Sichtbarkeit gewährleisten. Jeder Monat der WHW-Saison hatte seine eigene Plakette mit spezifischem Design, häufig mit saisonalen oder propagandistischen Motiven versehen. Die Februar-Plakette von 1935 fällt in eine Zeit, in der das NS-Regime seine Macht bereits weitgehend konsolidiert hatte und die Gleichschaltung der Gesellschaft voranschritt.

Organisation und Durchführung

Die Sammelaktionen des WHW waren straff organisiert. Blockwarte der NSDAP führten Listen über die Spender, und die Ausgabe der Türplaketten wurde genau dokumentiert. Die erwartete Spendenhöhe richtete sich theoretisch nach dem Einkommen, wobei jedoch ein erheblicher sozialer Druck bestand, angemessen oder sogar überdurchschnittlich zu spenden. Neben den Türplaketten gab es auch kleinere Ansteckabzeichen, die täglich getragen werden sollten.

Das WHW sammelte enorme Summen. Für das Jahr 1934/35 werden Gesamteinnahmen von etwa 358 Millionen Reichsmark angegeben. Diese Mittel flossen offiziell in Lebensmittelverteilungen, Kohlelieferungen und andere Unterstützungsmaßnahmen für bedürftige “Volksgenossen”. Allerdings wurden die Gelder auch für Propagandazwecke und zur Finanzierung von Parteiprojekten verwendet.

Propagandistische Dimension

Das WHW war weit mehr als eine reine Wohlfahrtsorganisation. Es diente der Demonstration der angeblichen “Volksgemeinschaft”, eines zentralen ideologischen Konzepts des Nationalsozialismus. Die Sammlungen sollten die Solidarität aller “Volksgenossen” demonstrieren und die Überwindung von Klassenunterschieden suggerieren. Prominente Nationalsozialisten ließen sich bei Sammelaktionen fotografieren, und die Presse berichtete ausführlich über die Erfolge.

Die Türplaketten waren Teil dieses Systems der sichtbaren Teilnahme. Sie machten private Spendenentscheidungen öffentlich und trugen zur Atmosphäre der Überwachung und gegenseitigen Kontrolle bei, die für das NS-System charakteristisch war.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind WHW-Türplaketten gesuchte zeithistorische Dokumente. Sie werden in verschiedenen Erhaltungsgraden gesammelt, wobei der angegebene “Zustand 2” üblicherweise einen gut erhaltenen Zustand mit leichten Gebrauchsspuren bezeichnet. Die Plaketten dokumentieren nicht nur die Organisationsstruktur des NS-Regimes, sondern auch den Alltag der Menschen im “Dritten Reich” und die Mechanismen sozialer Kontrolle.

Für die historische Forschung sind diese Objekte wichtige Quellen zum Verständnis der Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen und der Mechanismen, durch die das Regime Konformität und Beteiligung erzwang. Die Februar-Plakette von 1935 stammt aus einer Phase der Konsolidierung der NS-Herrschaft, zwei Jahre nach der Machtübernahme und vor den großen außenpolitischen Eskalationen der späteren 1930er Jahre.