Deutscher Reichsbund für Leibesübungen ( DRL )

Lehrwarteabzeichen, an langer Nadel, Zustand 2.
433691
€ 150,00

Deutscher Reichsbund für Leibesübungen ( DRL )

Das Lehrwarteabzeichen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) stellt ein bedeutendes Zeugnis der sportpolitischen Organisation im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese Auszeichnung dokumentiert die systematische Durchdringung des deutschen Sports durch staatliche Strukturen zwischen 1933 und 1945.

Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen entstand im Dezember 1938 durch die Umbenennung des bereits 1934 gegründeten Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, der selbst aus dem Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) hervorgegangen war. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die gesamte deutsche Sportlandschaft unter der Führung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten gleichgeschaltet. Der DRL fungierte als Dachorganisation aller deutschen Turn- und Sportvereine und umfasste auf seinem Höhepunkt mehrere Millionen Mitglieder.

Das Lehrwarteabzeichen wurde an qualifizierte Übungsleiter und Ausbilder verliehen, die im Rahmen des DRL tätig waren. Die Position eines Lehrwarts erforderte eine spezielle Ausbildung und die erfolgreiche Absolvierung entsprechender Lehrgänge. Diese Funktionsträger spielten eine zentrale Rolle bei der Ausbildung von Sportlern und der Verbreitung der sportpolitischen Ideologie des Regimes. Die Lehrgänge fanden in speziellen Reichssportschulen statt, wobei die bekannteste die Reichsakademie für Leibesübungen in Berlin war.

Die typische Ausführung des Abzeichens erfolgte als Anstecknadel, häufig mit langer Nadel zur Befestigung an der Kleidung. Das Design variierte je nach Zeitraum und spezifischer Verwendung, beinhaltete jedoch typischerweise Symbole wie das Hakenkreuz, den Reichsadler oder stilisierte Darstellungen sportlicher Aktivitäten. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt, von einfachen Ausführungen bis zu hochwertigen Stücken aus Buntmetall oder versilbertem Material.

Der organisatorische Aufbau des DRL war straff hierarchisch gegliedert. Unter dem Reichssportführer existierten verschiedene Fachämter für unterschiedliche Sportarten. Die Lehrkräfte und Ausbilder bildeten das Rückgrat dieser Organisation, indem sie die sportliche und ideologische Erziehung auf lokaler Ebene umsetzten. Die Verleihung des Lehrwarteabzeichens war somit nicht nur eine Anerkennung sportlicher Kompetenz, sondern auch ein Zeichen der Integration in das nationalsozialistische Herrschaftssystem.

Nach 1945 wurden alle Organisationen des Dritten Reiches, einschließlich des DRL, durch die Alliierten aufgelöst. Die Abzeichen und Insignien dieser Organisationen wurden zu historischen Dokumenten einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Heute besitzen sie ausschließlich historischen und sammlertechnischen Wert und dienen als materielle Zeugnisse der totalitären Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche, einschließlich des Sports, während der NS-Zeit.

Aus militärhistorischer Perspektive ist bemerkenswert, dass der DRL eng mit der militärischen Ertüchtigung der Bevölkerung verbunden war. Die körperliche Ausbildung diente nicht nur sportlichen Zwecken, sondern auch der Vorbereitung auf den Kriegsdienst. Diese Verbindung zwischen Sport und militärischer Vorbereitung wurde besonders nach 1936 intensiviert, als die Aufrüstung des Deutschen Reiches beschleunigt wurde.

Sammler und Historiker bewerten solche Abzeichen heute nach verschiedenen Kriterien: Erhaltungszustand, Seltenheit, Herstellermarkierung und historische Bedeutung. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit leichten Gebrauchsspuren hin, was bei über 80 Jahre alten Objekten durchaus üblich ist.