Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Beckenschläger mit Pickelhaube und Paradebusch marschierend

10 cm, Bruchstelle am linken Arm sonst Zustand 2.
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45,00

Elastolin - 1. Weltkrieg Preussen Beckenschläger mit Pickelhaube und Paradebusch marschierend

Die vorliegende Elastolin-Figur eines preußischen Beckenschlägers aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert ein faszinierendes Stück deutscher Militärgeschichte und Spielzeugkultur. Diese etwa 10 cm große Masse-Figur zeigt einen marschierenden Musiker in Paradeuniform mit Pickelhaube und Paradebusch, ausgerüstet mit Becken – jenem charakteristischen Schlaginstrument, das in preußischen und deutschen Militärkapellen eine wichtige Rolle spielte.

Elastolin war eine Marke der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg bei Stuttgart, die von 1904 bis in die 1980er Jahre Spielzeugfiguren herstellte. Der Name leitet sich vom Hauptmaterial ab: einer Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusätzen, die auf einen Drahtgestell aufgebracht wurde. Diese Technik ermöglichte detailreiche, aber dennoch robuste Figuren, die sich ideal für das Kinderspiel eigneten. In der Zeit zwischen 1900 und 1940 erlebten diese Militärfiguren ihre Blütezeit und waren in deutschen Kinderzimmern weit verbreitet.

Der Beckenschläger war ein fester Bestandteil preußischer und deutscher Militärkapellen seit dem 18. Jahrhundert. Die Tradition, Becken und andere “türkische” Instrumente wie große Trommel, Triangel und Schellenbaum in Militärmusik einzusetzen, kam im Zuge der sogenannten Türkenmode nach Europa. Preußens König Friedrich Wilhelm I. und später Friedrich der Große führten diese Instrumente in ihren Regimentern ein, inspiriert von den osmanischen Janitscharen-Kapellen.

Die Pickelhaube, das markanteste Element der Uniform, wurde 1842 in Preußen eingeführt und entwickelte sich zum Symbol des deutschen Militarismus. Ursprünglich aus gepresstem Leder gefertigt, trug sie die charakteristische Spitze (den “Pickel”), die anfangs als Schutz gegen Säbelhiebe dienen sollte. Für Paraden wurde die Pickelhaube mit einem Paradebusch geschmückt – einem Federbusch, meist aus weißen Rosshaaren oder Federn, der je nach Regiment unterschiedlich ausfallen konnte. Diese Prachtversion der Kopfbedeckung unterstrich die repräsentative Funktion der Militärmusiker bei feierlichen Anlässen.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) spielten Militärkapellen eine wichtige Rolle für die Moral der Truppen. Sie begleiteten marschierende Einheiten, spielten bei Paraden und sollten den Kampfgeist heben. Die traditionellen Paradeuniformen mit Pickelhaube wurden jedoch bereits 1915/16 weitgehend durch praktischere Felduniformen und Stahlhelme ersetzt. Die Elastolin-Figuren zeigen daher häufig die Friedens- und frühen Kriegsjahre, als die traditionellen Uniformen noch im Einsatz waren.

Die Herstellung solcher Figuren durch Hausser erfolgte in mehreren Arbeitsschritten: Zunächst wurde ein Drahtgestell geformt, dann die Masse aufgetragen und modelliert, nach dem Trocknen grundiert und schließlich von Hand bemalt. Die Qualität der Bemalung und die Detailtreue machten Elastolin-Figuren zu begehrten Sammlerobjekten. Die Firma beschäftigte zahlreiche Malerinnen, die für die feine Ausführung der Uniformdetails, Gesichter und Ausrüstungsgegenstände verantwortlich waren.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich langsam die öffentliche Wahrnehmung militärischer Spielzeuge. Dennoch blieben Elastolin-Figuren bis in die 1930er Jahre sehr beliebt. Die Firma produzierte neben deutschen auch ausländische Truppen, Zivilfiguren und später auch Figuren aus der NS-Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunächst unter alliierter Kontrolle stark eingeschränkt, später aber mit zivilen und historischen Themen fortgesetzt.

Heute sind originale Elastolin-Figuren aus der Zeit vor 1945 gesuchte Sammlerstücke. Der Zustand spielt dabei eine erhebliche Rolle für den Wert. Die erwähnte Bruchstelle am linken Arm der vorliegenden Figur ist typisch für das Material, das im Laufe der Jahrzehnte spröde werden kann. Dennoch dokumentieren solche Figuren nicht nur die Geschichte des Spielzeugs, sondern auch die Militär- und Kulturgeschichte ihrer Entstehungszeit. Sie zeigen, wie militärische Traditionen im Alltag präsent waren und welche ästhetischen Vorstellungen von soldatischer Darstellung herrschten.