Elastolin - Heer Fahnenträger marschierend mit Landesfahne ( schwarz-weiß = Preussen )

6,5 cm, Massefahne nicht abnehmbar, Zustand 2.
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40,00

Elastolin - Heer Fahnenträger marschierend mit Landesfahne ( schwarz-weiß = Preussen )

Die vorliegende Elastolin-Figur eines marschierenden Fahnenträgers des deutschen Heeres mit preußischer Landesfahne (schwarz-weiß) repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeuggeschichte und Militärkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Elastolin war eine von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg entwickelte Materialmischung, die seit etwa 1910 zur Herstellung von Spielzugfiguren verwendet wurde. Diese innovative Masse bestand hauptsächlich aus Kasein, Kreide, Glyzerin und weiteren Bindemitteln, die auf einen Drahtgestell modelliert wurden. Der Name “Elastolin” verweist auf die relative Elastizität und Bruchfestigkeit des Materials, was es den traditionellen, leicht zerbrechlichen Bleifiguren deutlich überlegen machte.

Die Firma Hausser begann um 1912 mit der Produktion von Militärfiguren und entwickelte sich in den 1920er und 1930er Jahren zum führenden deutschen Hersteller von Massefiguren. Die Produktion umfasste verschiedene militärische Formationen, wobei die Figuren in mehreren Standardgrößen hergestellt wurden. Die hier beschriebene Figur mit 6,5 cm Höhe entspricht der gängigsten Elastolin-Standardgröße, die etwa dem Maßstab 1:25 bis 1:28 entsprach.

Der Fahnenträger (Fahnenjunker oder Fähnrich) hatte in der preußischen und deutschen Militärtradition eine besondere Bedeutung. Das Tragen der Fahne war eine Ehrenaufgabe, die meist jüngeren Offizieren oder Offiziersanwärtern übertragen wurde. Die Fahne symbolisierte die Einheit und den Stolz der Truppe und musste unter allen Umständen verteidigt werden. Der Verlust einer Fahne galt als große Schande für ein Regiment.

Die schwarz-weiße Fahne, die diese Figur trägt, repräsentiert die Farben Preußens, des größten und einflussreichsten Bundesstaates im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) und in der Weimarer Republik (1919-1933). Die preußischen Farben hatten eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Im Deutschen Kaiserreich trugen preußische Truppenteile neben der schwarz-weiß-roten Reichsfahne auch ihre eigenen Regimentsfahnen in den Landesfarben.

Die Darstellung eines marschierenden Fahnenträgers zeigt typische Merkmale der Elastolin-Produktionsweise: Die Figur steht in einer dynamischen Schrittposition, die Fahne ist fest mit der Figur verbunden und nicht abnehmbar, was charakteristisch für viele Elastolin-Produktionen war. Diese feste Verbindung diente der Stabilität und Haltbarkeit des Spielzeugs, machte die Figuren aber auch weniger flexibel in ihrer Verwendung.

Die Produktion solcher Militärfiguren erlebte ihre Blütezeit in den 1920er und 1930er Jahren. In dieser Zeit bestand eine große Nachfrage nach militärischem Spielzeug, was sowohl die Traditionspflege des besiegten Kaiserreichs als auch die militärische Erziehung widerspiegelte. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien verschiedener Truppengattungen, Epochen und Nationalitäten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeugfiguren zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe für die Kriegswirtschaft benötigt wurden. Nach 1945 nahm die Firma die Produktion wieder auf, wandte sich aber zunehmend zivilen Themen zu. Die Herstellung militärischer Figuren wurde in der Nachkriegszeit zunehmend kritisch gesehen.

Der angegebene Zustand 2 deutet nach der gängigen Sammlerskala auf eine gut erhaltene Figur mit leichten Gebrauchsspuren hin. Elastolin-Figuren sind heute begehrte Sammlerobjekte, wobei der Erhaltungszustand, die Seltenheit der Ausführung und die historische Bedeutung den Wert bestimmen. Fahnenträger gehören zu den besonders gesuchten Figuren, da sie im Spielbetrieb oft verloren gingen oder beschädigt wurden.

Aus kulturhistorischer Sicht dokumentieren solche Figuren die Spielzeugkultur und die gesellschaftlichen Vorstellungen ihrer Entstehungszeit. Sie zeigen, wie militärische Tradition und Erziehung auch im kindlichen Spiel ihren Niederschlag fanden und wie sich dies in der materiellen Kultur manifestierte.