Frankreich 2. Empire Paar Epauletten für einen Hauptmann im 62e régiment d'infanterie aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges

Um 1870. Die Epauletten in goldener und silberner Metallfaden-Stickerei mit Kantillen, Knöpfe mit der Regimentsnummer «62», schwarze und dunkelblaue Tuchunterlagen. Anhängend Museums-Etikett «Krieg 1870/71 Kaiserreich Frankreich Epauletten eines Infanterieoffiziers (Hauptmann) erbeutet bei der Schlacht von Wörth 1870». Zustand 2.

Das Regiment war u.a. an der Belagerung von Metz und den Schlachten von Gravelotte und Saint-Privat beteiligt. Eine Beteiligung an der Schlacht bei Wörth wird nicht erwähnt, möglicherweise war aber ein Detachement beteiligt.

https://fr.wikipedia.org/wiki/62e_régiment_d'infanterie_(France)

https://fr.wikipedia.org/wiki/Bataille_de_Frœschwiller-Wœrth_(1870)
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Frankreich 2. Empire Paar Epauletten für einen Hauptmann im 62e régiment d'infanterie aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges

Französische Epauletten eines Hauptmanns des 62. Infanterieregiments aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Diese Epauletten repräsentieren ein bedeutendes militärhistorisches Zeugnis aus einer der entscheidendsten Epochen der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Als Teil der Uniform eines Hauptmanns (Capitaine) des 62e régiment d'infanterie verkörpern sie die militärische Tradition des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. und dokumentieren gleichzeitig das dramatische Ende dieser Ära im Krieg von 1870/71.

Die französische Infanterieuniform des Zweiten Kaiserreichs

Die Uniform der französischen Infanterie während des Zweiten Kaiserreichs (1852-1870) folgte strengen Regulierungen, die in mehreren Verordnungen festgelegt waren. Die Epauletten, als wichtigstes Rangabzeichen der Offiziere, wurden gemäß der Ordonnance du 10 juillet 1845 und späteren Ergänzungen getragen. Für einen Hauptmann waren die Epauletten in charakteristischer Weise gestaltet: mit goldener und silberner Metallfadenstickerei, wobei die silbernen Elemente die Zugehörigkeit zur Infanterie anzeigten. Die goldenen Kantillen (geflochtene Metallfransen) bildeten einen prächtigen Rand, während auf den Knöpfen die Regimentsnummer eingeprägt war – in diesem Fall die “62”.

Die schwarze und dunkelblaue Tuchunterlage entsprach den Farben der Infanterie. Hauptleute trugen Epauletten mit dickeren Kantillen als Leutnants, aber ohne die zusätzlichen Sterne der höheren Offiziersränge. Diese Rangabzeichen waren nicht nur funktional, sondern verkörperten auch den Stolz und die Tradition der französischen Armee.

Das 62. Infanterieregiment

Das 62e régiment d'infanterie de ligne hatte eine lange und ruhmreiche Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichte. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Juli 1870 war das Regiment Teil der Armée du Rhin. Die Einheit war in den kritischsten Kämpfen des Krieges involviert, insbesondere bei der Belagerung von Metz und den blutigen Schlachten von Gravelotte und Saint-Privat am 18. August 1870.

Die Schlacht von Saint-Privat gehörte zu den verlustreichsten Gefechten des gesamten Krieges. Das 62. Regiment, zusammen mit anderen französischen Einheiten, verteidigte hartnäckig die Stellungen gegen massive preußische Angriffe. Trotz heroischer Gegenwehr führte die Schlacht zur Einschließung der französischen Armee in Metz unter Marschall Bazaine, die schließlich am 27. Oktober 1870 kapitulierte.

Die Schlacht bei Wörth

Die Museumsbeschriftung dieser Epauletten verweist auf die Schlacht bei Wörth (auch bekannt als Schlacht von Froeschwiller-Wörth oder Reichshoffen) am 6. August 1870. Diese Schlacht im Elsass war eine der ersten großen Niederlagen der französischen Armee und öffnete den Weg für die deutsche Invasion Frankreichs. Während die Hauptbeteiligung des 62. Regiments historisch nicht bei Wörth dokumentiert ist, könnten einzelne Detachements oder Offiziere des Regiments dennoch anwesend gewesen sein. Die chaotischen Umstände des Kriegsbeginns führten häufig zu solchen ungewöhnlichen Zuordnungen.

Die Schlacht bei Wörth war geprägt von verzweifelten französischen Gegenangriffen, besonders den legendären, aber letztlich vergeblichen Kavallerieattacken der Kürassiere von Reichshoffen. Die französische Armee unter General Mac-Mahon erlitt schwere Verluste und musste sich zurückziehen. Deutsche Truppen erbeuteten dabei zahlreiche Uniformteile, Waffen und Ausrüstungsgegenstände als Kriegstrophäen.

Kriegstrophäen und historische Bedeutung

Erbeutete Uniformstücke wie diese Epauletten waren begehrte Kriegstrophäen. Deutsche Soldaten und Offiziere nahmen solche Gegenstände oft mit nach Hause, wo sie in Familienbesitz blieben oder später an Museen übergeben wurden. Das beigefügte Museumsetikett dokumentiert die Provenienz und unterstreicht den historischen Wert des Objekts.

Diese Epauletten erzählen die Geschichte des katastrophalen Feldzugs von 1870, der zum Fall des Zweiten Kaiserreichs, zur Gefangennahme Napoleon III. bei Sedan und zur Ausrufung der Dritten Republik führte. Sie symbolisieren auch das Ende einer Ära französischer militärischer Vorherrschaft in Europa und den Aufstieg des vereinigten Deutschen Reiches als neue Großmacht.

Für Militärhistoriker und Sammler bieten solche authentischen Uniformteile unschätzbare Einblicke in die materielle Kultur der Armeen des 19. Jahrhunderts und in die menschlichen Schicksale hinter den großen historischen Ereignissen. Jeder Offizier, der solche Epauletten trug, hatte seine eigene Geschichte – von der Ausbildung an der Militärakademie über Friedensgarnisonen bis zum dramatischen Kriegssommer 1870, der Frankreich für immer veränderte.