III. Reich - Internationaler Kinderschutzkongress 12.-18.6.1938 Frankfurt ( Main )

, offizielles Teilnehmerabzeichen für den britischen Telnehmer "Baldwin", Aluminiumabzeichen, vergoldet, an Tragenadel mit blauer Bandschleife und emaillierter britischer Flagge, auf der Namensspange mit Hersteller "Brehmer Markneukirchen", Zustand 2.
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III. Reich - Internationaler Kinderschutzkongress 12.-18.6.1938 Frankfurt ( Main )

Das Internationaler Kinderschutzkongress-Abzeichen vom 12. bis 18. Juni 1938 in Frankfurt am Main stellt ein bemerkenswertes Beispiel für die Instrumentalisierung internationaler humanitärer Veranstaltungen durch das Dritte Reich dar. Diese Konferenz fand in einer Zeit statt, als das nationalsozialistische Deutschland versuchte, sein internationales Ansehen zu verbessern, während es gleichzeitig systematisch gegen grundlegende Menschenrechte verstieß.

Der Internationale Kinderschutzkongress wurde offiziell als humanitäre Veranstaltung präsentiert, die sich mit Fragen des Kindeswohls, der Gesundheit und des Schutzes von Kindern befasste. Die Nationalsozialisten nutzten solche internationalen Kongresse geschickt für Propagandazwecke, um ein Bild eines friedliebenden und sozial verantwortlichen Deutschlands zu projizieren. Dies geschah nur wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 und in einem Jahr, das mit der Sudetenkrise und dem Münchner Abkommen seinen Höhepunkt finden sollte.

Das beschriebene Teilnehmerabzeichen für den britischen Delegierten “Baldwin” ist von besonderer historischer Bedeutung. Es handelt sich um ein vergoldetes Aluminiumabzeichen mit einer blauen Bandschleife, verziert mit einer emaillierten britischen Flagge. Die Namensspange trägt die Herstellerangabe “Brehmer Markneukirchen”, was auf die bekannte Firma aus dem sächsischen Markneukirchen hinweist, die für die Herstellung von Ehrenzeichen, Abzeichen und Auszeichnungen bekannt war.

Die Firma Brehmer in Markneukirchen gehörte zu den etablierten Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und offiziellen Abzeichen während der Zeit des Dritten Reiches. Markneukirchen im Vogtland war traditionell ein Zentrum für die Herstellung von Metallwaren und Musikinstrumenten, und mehrere Firmen dort stellten während der NS-Zeit militärische und zivile Auszeichnungen her. Die Verwendung von vergoldetem Aluminium war typisch für die Zeit, da es eine kostengünstige Alternative zu echtem Gold darstellte, aber dennoch einen repräsentativen Eindruck vermittelte.

Die Anwesenheit britischer Delegierter bei diesem Kongress reflektiert die komplexe diplomatische Situation des Jahres 1938. Großbritannien verfolgte zu dieser Zeit unter Premierminister Neville Chamberlain eine Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland. Die Teilnahme an solchen internationalen Kongressen wurde als Teil der normalen diplomatischen Beziehungen betrachtet, obwohl bereits erhebliche Bedenken hinsichtlich der Politik des NS-Regimes bestanden.

Die Gestaltung des Abzeichens mit der emaillierten britischen Flagge zeigt die Bemühungen der Organisatoren, internationale Teilnehmer zu ehren und ihre nationale Identität anzuerkennen. Dies war eine gängige Praxis bei internationalen Konferenzen, diente aber im Kontext des NS-Regimes auch dazu, die internationale Legitimität der Veranstaltung zu unterstreichen.

Der Zeitpunkt des Kongresses im Juni 1938 ist von besonderer historischer Bedeutung. Deutschland befand sich in einer Phase intensiver außenpolitischer Aktivitäten und territorialer Expansion. Die Reichspogromnacht sollte nur wenige Monate später im November 1938 stattfinden, was die eklatante Heuchelei solcher “Kinderschutz”-Kongresse deutlich macht, während gleichzeitig jüdische Kinder und Familien systematisch verfolgt wurden.

Frankfurt am Main als Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt. Die Stadt war ein wichtiges Wirtschafts- und Kulturzentrum und verfügte über die notwendige Infrastruktur für internationale Konferenzen. Gleichzeitig hatte Frankfurt eine bedeutende jüdische Gemeinde, die zu diesem Zeitpunkt bereits unter schweren Verfolgungen litt.

Solche Teilnehmerabzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Zugangsberechtigungen zu den Veranstaltungen, Erinnerungsstücke und Statussymbole. Die Qualität der Herstellung mit Vergoldung und Emaillierung zeigt, dass beträchtliche Ressourcen in die äußere Repräsentation dieser Veranstaltungen investiert wurden.

Heute sind solche Abzeichen wichtige historische Dokumente, die Zeugnis ablegen von den Propagandabemühungen des NS-Regimes und der internationalen Interaktion in dieser kritischen Periode unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie erinnern uns an die Notwendigkeit, hinter die Fassade scheinbar humanitärer Veranstaltungen zu blicken und den historischen Kontext kritisch zu bewerten.