III. Reich - Tag des Deutschen Handwerks ( T.d.D.H.) Braunschweig 18.-19.11.1933
Das vorliegende emaillierte Abzeichen dokumentiert ein bedeutendes Ereignis aus der Frühphase des Dritten Reiches: den Tag des Deutschen Handwerks, der am 18. und 19. November 1933 in Braunschweig stattfand. Dieses Veranstaltungsabzeichen, hergestellt von der renommierten Firma C. Poellath aus Schrobenhausen, repräsentiert die systematischen Bemühungen des nationalsozialistischen Regimes, alle gesellschaftlichen Bereiche, einschließlich des traditionellen Handwerks, ideologisch zu durchdringen und gleichzuschalten.
Die Firma Christian Poellath, gegründet 1778, hatte sich bis in die 1930er Jahre als eine der führenden deutschen Hersteller von Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen etabliert. Die Kennzeichnung “GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt) auf dem Abzeichen weist auf die rechtliche Absicherung des Designs hin, was bei offiziellen Veranstaltungsabzeichen dieser Zeit üblich war. Die Verwendung von Buntmetall und Emailletechnik entsprach den höchsten handwerklichen Standards der Epoche.
Der Tag des Deutschen Handwerks 1933 fand nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung statt und war Teil der umfassenden Reorganisation der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wahl Braunschweigs als Veranstaltungsort war symbolträchtig: Die Stadt galt als “Löwenstadt” und hatte bereits früh eine starke nationalsozialistische Präsenz entwickelt. Seit 1930 war Braunschweig durch die Teilnahme der NSDAP an der Landesregierung zu einem wichtigen Zentrum der Bewegung geworden.
Das deutsche Handwerk spielte in der nationalsozialistischen Ideologie eine besondere Rolle. Es wurde als Verkörperung deutscher Tradition, Qualitätsarbeit und des “schaffenden Volkstums” dargestellt. Die Gleichschaltung der Handwerksorganisationen begann unmittelbar nach 1933. Die traditionellen Handwerkskammern und -innungen wurden in das nationalsozialistische Herrschaftssystem integriert und dem Prinzip des Führertums unterworfen. Der Reichsstand des Deutschen Handwerks wurde als Dachorganisation geschaffen, die alle Handwerker erfassen und kontrollieren sollte.
Solche Veranstaltungsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Teilnahmebestätigung und Erinnerungsstück, gleichzeitig aber auch als sichtbares Bekenntnis zur neuen Ordnung. Das Tragen solcher Abzeichen war Teil der alltäglichen Visualisierung und Demonstration politischer Loyalität. Für Handwerker bedeutete die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen oft auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, da die Mitgliedschaft in den gleichgeschalteten Organisationen Voraussetzung für die Berufsausübung war.
Die Emailletechnik, die bei diesem Abzeichen zur Anwendung kam, war ein aufwendiges Verfahren, bei dem farbige Glasflüsse auf Metall aufgeschmolzen wurden. Dies garantierte Farbbeständigkeit und eine hochwertige Optik. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Kleidung, typischerweise am Revers der Jacke. Solche Abzeichen wurden in der Regel nummeriert oder limitiert herausgegeben, was ihren offiziellen Charakter unterstrich.
Im November 1933 befand sich das nationalsozialistische Regime noch in der Konsolidierungsphase. Die politische Opposition war weitgehend ausgeschaltet, der Terror institutionalisiert, und die Gleichschaltung der Gesellschaft in vollem Gange. Veranstaltungen wie der Tag des Deutschen Handwerks dienten der Mobilisierung und Integration verschiedener Berufsgruppen in das neue System. Sie waren Mischungen aus Propaganda, Schulung und sozialen Treffen, bei denen die nationalsozialistische Weltanschauung vermittelt wurde.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren die Allgegenwärtigkeit nationalsozialistischer Symbolik im Alltag und die systematische Erfassung aller Lebensbereiche durch das Regime. Gleichzeitig zeigen sie die hohe handwerkliche Qualität deutscher Metallverarbeitung und Emaillekunst in dieser Epoche. Die Erhaltung solcher Objekte in Museen und Sammlungen dient der historischen Bildung und der Erinnerung an die Mechanismen totalitärer Herrschaft.
Die Firma Poellath existiert bis heute und produziert weiterhin hochwertige Abzeichen und Orden. Die Kontinuität des Unternehmens über verschiedene politische Systeme hinweg spiegelt die Rolle spezialisierter Handwerksbetriebe wider, die für wechselnde Auftraggeber arbeiteten. Das vorliegende Abzeichen ist somit sowohl ein Zeugnis der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik als auch ein Beispiel deutscher Handwerkskunst der 1930er Jahre.