Luftwaffe Flieger-Splitterschutzbrille mit Ultrasin-Gläsern "A"

FL Nr. 30550, 2. Modell mit beweglicher Verbindung, helle Gläser. Das Halteband ist nur noch leicht elastisch. Typische Alters- und Gebrauchsspuren, Zustand 2-.
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850,00

Luftwaffe Flieger-Splitterschutzbrille mit Ultrasin-Gläsern "A"

Die Luftwaffe Flieger-Splitterschutzbrille stellt eines der charakteristischsten Ausrüstungsstücke deutscher Luftwaffenpiloten und Flugzeugbesatzungen während des Zweiten Weltkriegs dar. Das hier beschriebene zweite Modell mit beweglicher Verbindung und Ultrasin-Gläsern der Kategorie “A” gehört zu den technisch fortschrittlichsten Schutzbrillen ihrer Zeit und dokumentiert die hohen Anforderungen an Pilotenschutzausrüstung in der deutschen Luftwaffe.

Die Entwicklung spezialisierter Fliegerbrillen begann bereits im Ersten Weltkrieg, als die Notwendigkeit erkannt wurde, Piloten vor Wind, Kälte und Fremdkörpern zu schützen. Mit der Gründung der Luftwaffe im Jahr 1935 und der rasanten Entwicklung der Luftfahrttechnologie in den 1930er Jahren wurde die systematische Entwicklung von Schutzausrüstung zur Priorität. Die Splitterschutzbrille sollte Besatzungsmitglieder nicht nur vor Fahrtwind und Witterungseinflüssen schützen, sondern insbesondere vor Glassplittern bei Beschuss oder Beschädigung der Flugzeugkanzel.

Die Fliegernummer (FL Nr.) 30550 bezeichnet die offizielle Typenbezeichnung im Luftwaffen-Ausrüstungssystem. Dieses Nummerierungssystem ermöglichte die systematische Erfassung, Beschaffung und Verteilung von Ausrüstungsgegenständen innerhalb der gesamten Luftwaffe. Die Splitterschutzbrillen wurden in verschiedenen Varianten und Entwicklungsstufen hergestellt, wobei das zweite Modell bedeutende Verbesserungen gegenüber der ersten Ausführung aufwies.

Die bewegliche Verbindung zwischen den beiden Brillengläsern stellte eine wichtige technische Innovation dar. Anders als bei der starren ersten Ausführung ermöglichte diese flexible Konstruktion eine bessere Anpassung an unterschiedliche Gesichtsformen und erhöhte den Tragekomfort erheblich. Dies war besonders wichtig bei mehrstündigen Einsätzen in großer Höhe, wo Piloten und Besatzungsmitglieder extremen Belastungen ausgesetzt waren.

Die Ultrasin-Gläser repräsentierten einen bedeutenden Fortschritt in der Materialtechnologie. Ultrasin war ein speziell gehärtetes Acetat-Material, das im Vergleich zu herkömmlichem Glas deutlich splitterresistenter und leichter war. Die Bezeichnung “A” bezieht sich auf die hellen, klaren Gläser ohne Tönung, die für Einsätze bei normalen Lichtverhältnissen und bei Nacht verwendet wurden. Daneben existierten weitere Varianten mit getönten Gläsern (Kategorie “B” und “C”) für Tagflüge und starke Sonneneinstrahlung, besonders bei Einsätzen in großen Höhen oder über reflektierenden Oberflächen wie Wolkendecken oder Gewässern.

Das elastische Halteband war ein weiteres wichtiges Konstruktionselement. Es bestand typischerweise aus einem speziellen Gummigewebe, das die Brille sicher am Kopf fixierte, auch bei starken Flugbewegungen oder wenn der Pilot sich im Cockpit bewegen musste. Die Elastizität des Bandes ermöglichte das schnelle An- und Ablegen, was insbesondere bei Notfällen oder beim Wechsel der Ausrüstung von Bedeutung war. Über die Jahre verliert dieses Material naturgemäß seine elastischen Eigenschaften, was bei historischen Exemplaren ein typisches Alterungsmerkmal darstellt.

Die Produktion dieser Fliegerbrillen erfolgte durch verschiedene deutsche Hersteller, die nach strengen Luftwaffen-Spezifikationen (L-Vorschriften) fertigten. Die Qualitätskontrolle war rigoros, da die Zuverlässigkeit der Schutzausrüstung für die Einsatzfähigkeit der Besatzungen von entscheidender Bedeutung war. Die Brillen wurden zusammen mit anderen Ausrüstungsgegenständen wie Fliegerkombination, Schwimmweste, Fallschirm und Funkgerät als Teil der persönlichen Ausrüstung ausgegeben.

Der Einsatzkontext dieser Brillen umfasste sämtliche Bereiche der Luftwaffenoperationen: von Jagdfliegern in offenen oder geschlossenen Kanzeln über Bomberpiloten und Bordschützen bis hin zu Aufklärungsfliegern und Transportpiloten. Besonders bei älteren Flugzeugmustern mit offenen oder teilweise offenen Cockpits waren diese Brillen unverzichtbar. Aber auch in modernen geschlossenen Kanzeln boten sie wichtigen Schutz bei Kampfschäden oder technischen Defekten.

Aus sammlungshistorischer Perspektive sind gut erhaltene Exemplare der Flieger-Splitterschutzbrille heute gesuchte Zeugnisse der Luftfahrtgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung von Schutzausrüstung, sondern auch die alltäglichen Realitäten von Flugzeugbesatzungen während des Krieges. Der Zustand 2- (gut bis sehr gut mit leichten Gebrauchsspuren) deutet auf ein Exemplar hin, das tatsächlich im Dienst verwendet wurde und die typischen Alterungs- und Gebrauchserscheinungen aufweist, die seine Authentizität unterstreichen.

Die Erforschung solcher Ausrüstungsgegenstände trägt zum umfassenden Verständnis der militärischen Luftfahrtgeschichte bei und illustriert die komplexen logistischen und technischen Herausforderungen, die mit der Ausstattung und dem Schutz von Flugzeugbesatzungen verbunden waren.