Luftwaffe - Urkundengruppe eines Wachtmeisters im Flakregiment 23

- Verleihungsurkunde für den Unteroffizier zur Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, ausgestellt in Dresden den 26.8.1939, gelocht
- Verleihungsurkunde für das Eiserne Kreuz 2.Klasse für den Wachtmeister im II./Flakregiment 23 verliehen 25.8.1941, gelocht
- Verleihungsurkunde für die Medaille "Winterschlacht im Osten 1941/42" für den Wachtmeister im 9./Flakregiment 23 vom 18 Juli 1942, Vordruck des Flakregiments 134 (mot)., gelocht
489791
200,00

Luftwaffe - Urkundengruppe eines Wachtmeisters im Flakregiment 23

Diese Urkundengruppe dokumentiert die militärische Laufbahn eines Wachtmeisters (Unteroffizierdienstgrad entsprechend einem Feldwebel) im Flakregiment 23 der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs. Die drei Verleihungsurkunden umfassen einen Zeitraum von 1939 bis 1942 und spiegeln wichtige Phasen des Krieges wider.

Die erste Urkunde bezieht sich auf die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, auch als “Sudetenland-Medaille” bekannt. Diese Auszeichnung wurde durch den Erlass vom 18. Oktober 1938 gestiftet und an alle Angehörigen der Wehrmacht und SS verliehen, die an der Besetzung des Sudetenlandes zwischen dem 1. Oktober und 10. Oktober 1938 teilgenommen hatten. Die vorliegende Urkunde wurde am 26. August 1939 in Dresden ausgestellt, also kurz vor Kriegsbeginn. Zu diesem Zeitpunkt trug der Soldat noch den Dienstgrad eines Unteroffiziers. Die Ausstellung in Dresden deutet darauf hin, dass die zuständige Dienststelle oder das Regiment zu diesem Zeitpunkt dort stationiert war.

Das Flakregiment 23 war Teil der Flak-Artillerie der Luftwaffe und hatte die Aufgabe, Bodenziele und vor allem feindliche Luftfahrzeuge zu bekämpfen. Die Flakregimenter der Luftwaffe spielten während des gesamten Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Rolle sowohl in der Luftverteidigung des Reichsgebiets als auch bei der Unterstützung von Heeresverbänden an den verschiedenen Fronten. Die Flak-Einheiten waren in Abteilungen und Batterien gegliedert, wobei die römische Zahl “II” auf die zweite Abteilung des Regiments hinweist.

Die zweite Urkunde dokumentiert die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse am 25. August 1941. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Soldat bereits den Dienstgrad eines Wachtmeisters erreicht und diente im II./Flakregiment 23. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse war eine bedeutende Tapferkeitsauszeichnung, die für besondere Leistungen im Kampf verliehen wurde. Die Verleihung im August 1941 erfolgte während der ersten Phase des Unternehmens Barbarossa, des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, der am 22. Juni 1941 begonnen hatte. In dieser Zeit waren die deutschen Truppen in heftige Kämpfe verwickelt, und Flak-Einheiten wurden sowohl zur Luftabwehr als auch zur direkten Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt.

Die dritte Urkunde betrifft die Medaille “Winterschlacht im Osten 1941/42”, auch als “Ostmedaille” bekannt. Diese wurde durch den Führererlass vom 26. Mai 1942 gestiftet und an alle Soldaten verliehen, die zwischen dem 15. November 1941 und dem 15. April 1942 mindestens 14 Tage (oder zwei Wochen) an der Ostfront im Einsatz waren oder durch Verwundung aus dem Einsatz ausgeschieden waren. Die Medaille würdigte die außergewöhnlichen Strapazen und Entbehrungen, die die deutschen Truppen während des ersten Kriegswinters in der Sowjetunion erdulden mussten. Die vorliegende Urkunde wurde am 18. Juli 1942 ausgestellt, wenige Wochen nach der offiziellen Stiftung der Auszeichnung. Interessant ist, dass der Empfänger nun der 9./Flakregiment 23 (9. Batterie) zugeordnet war, während die Urkunde auf einem Vordruck des Flakregiments 134 (mot.) ausgestellt wurde, was auf organisatorische Umgliederungen oder Verbandsverlegungen hindeutet.

Der Dienstgrad des Wachtmeisters war in der Luftwaffe ein Unteroffiziersdienstgrad mit Portepee und entsprach in etwa dem Feldwebel beim Heer. Wachtmeister waren typischerweise Geschützführer oder hatten andere verantwortungsvolle Positionen in den Flak-Batterien inne. Sie waren für die Ausbildung der Mannschaften, die Wartung der Geschütze und die Führung im Gefecht verantwortlich.

Die Tatsache, dass alle drei Urkunden gelocht sind, deutet darauf hin, dass sie ursprünglich in einem Soldbuch oder einer Urkundenmappe aufbewahrt wurden. Diese Lochungen waren üblich, um die Dokumente ordentlich zusammenzuhalten und vor Verlust zu schützen. Trotz dieser Beschädigung sind die Urkunden wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die nicht nur die persönliche Geschichte eines einzelnen Soldaten erzählen, sondern auch exemplarisch für die Erfahrungen vieler deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkriegs stehen.

Solche Urkundengruppen sind heute von großem historischen und sammlertechnischen Wert, da sie authentische Zeugnisse der militärischen Auszeichnungspraxis im Dritten Reich darstellen und Einblicke in die Organisationsstruktur und die Einsatzgeschichte einzelner militärischer Einheiten geben.