Preußen Fotopostkarte Soldat im Infanterie-Regiment Bremen (1. Hanseatisches) Nr. 75

Standort Bremen/Stade, um 1910. Zustand 2.
427991
15,00

Preußen Fotopostkarte Soldat im Infanterie-Regiment Bremen (1. Hanseatisches) Nr. 75

Die vorliegende Fotopostkarte zeigt einen Soldaten des Infanterie-Regiments Bremen (1. Hanseatisches) Nr. 75, aufgenommen um 1910 in der Garnisonsstadt Bremen oder Stade. Solche fotografischen Postkarten waren in der wilhelminischen Ära ein äußerst beliebtes Medium, um den Militärdienst zu dokumentieren und Verbindungen zur Heimat aufrechtzuerhalten.

Das Infanterie-Regiment Nr. 75 wurde am 1. Oktober 1866 als bremisches Infanterie-Bataillon aufgestellt und nach der Eingliederung Bremens in den Norddeutschen Bund Teil der preußischen Armee. Im Jahr 1867 wurde es zum Regiment erweitert und erhielt die offizielle Bezeichnung Bremisches Infanterie-Regiment Nr. 75. Der Zusatz “1. Hanseatisches” verwies auf die besondere Stellung der Hansestadt Bremen und die hanseatische Tradition des Regiments. Die Regimentsgeschichte war eng mit der Integration der ehemals freien Hansestädte in die preußisch-deutsche Militärstruktur verbunden.

Die Garnisonen des Regiments befanden sich hauptsächlich in Bremen und Stade. Bremen als bedeutende Hansestadt und Hafenstadt hatte eine lange militärische Tradition, während Stade als strategisch wichtige Stadt an der Elbe eine wichtige Rolle in der norddeutschen Verteidigungsstruktur spielte. Das Regiment gehörte zur IX. Armee-Korps mit Sitz in Altona und war Teil der preußischen Heeresorganisation.

Die Zeit um 1910, in der diese Fotografie entstand, war geprägt von der Hochphase des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. Das Militär genoss in der Gesellschaft hohes Ansehen, und der Wehrdienst galt als ehrenvolle Pflicht. Die allgemeine Wehrpflicht, die in Preußen seit 1814 bestand und nach der Reichsgründung 1871 auf das gesamte Deutsche Reich ausgedehnt wurde, sah eine Dienstzeit von zwei Jahren bei der Infanterie vor, gefolgt von mehreren Jahren in der Reserve.

Fotografische Postkarten von Soldaten waren ein Massenphänomen dieser Epoche. Sie wurden in Fotografenateliers der Garnisonsstädte angefertigt, die sich auf Militärporträts spezialisiert hatten. Die Soldaten ließen sich in voller Uniform ablichten, oft mit charakteristischen Regimentsabzeichen, Pickelhauben oder anderen Ausrüstungsgegenständen. Diese Aufnahmen dienten mehreren Zwecken: Sie waren persönliche Erinnerungsstücke, wurden an Familie und Freunde verschickt und dokumentierten den Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit.

Die Uniform des Infanterie-Regiments Nr. 75 entsprach den preußischen Regulierungen für Infanterieregimenter. Sie bestand aus dem typischen feldgrauen oder noch dunkelblau-schwarzen Waffenrock (je nach genauem Aufnahmezeitpunkt, da die Umstellung auf Feldgrau schrittweise erfolgte), der charakteristischen Pickelhaube mit dem preußischen Adler und regimentsspezifischen Abzeichen. Die hanseatischen Regimenter trugen besondere Distinktionsmerkmale, die ihre Herkunft kennzeichneten.

Das Regiment nahm an verschiedenen militärischen Kampagnen teil. Bereits im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war es beteiligt und kämpfte in mehreren Schlachten, darunter bei Beaumont und Sedan. Nach der Reichsgründung wurde das Regiment fester Bestandteil des kaiserlichen Heeres und nahm an den regulären Friedensübungen und Manövern teil.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde das Infanterie-Regiment Nr. 75 mobilisiert und an die Westfront verlegt. Das Regiment kämpfte in zahlreichen Schlachten, darunter in Flandern, an der Somme und in weiteren großen Materialschlachten des Krieges. Wie viele andere Regimenter erlitt es schwere Verluste. Die friedliche Welt, die diese Fotopostkarte von 1910 noch dokumentiert, sollte nur wenige Jahre später in den Schützengräben des Großen Krieges untergehen.

Fotopostkarten wie diese sind heute wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur Uniformen und militärische Ausrüstung, sondern auch sozialgeschichtliche Aspekte wie die Bedeutung des Militärs in der Gesellschaft, die Alltagskultur der Soldaten und die visuelle Selbstdarstellung der wilhelminischen Ära. Für Militärhistoriker und Sammler sind sie wertvolle Zeugnisse einer vergangenen Epoche.

Die Erhaltung solcher Dokumente ist von großer Bedeutung für die Erinnerungskultur und die wissenschaftliche Forschung. Sie ermöglichen Einblicke in das Leben einfacher Soldaten und die militärische Organisation des Kaiserreichs, die über offizielle Dokumente und Berichte hinausgehen.